So lief 2021 für die VR-Bank Ostalb

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Von links: Ralf Baumbusch, Olaf Hepfer, Roland Wendel und Kurt Abele.
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Die VR-Bank Ostalb wächst, doch der Ertrag bleibt gleich: Warum die Genossen mit dem Geschäftsjahr angesichts der Herausforderungen zufrieden sind.

Aalen

Das Rad, das die VR-Bank Ostalb drehen muss, um die Einnahmen konstant zu halten, wird immer größer: Allein im vergangenen Jahr hat die größte Genossenschaftsbank der Region rund 350 Millionen Euro an Neukrediten vergeben. Der Zinsüberschuss, die wichtigste Einnahmequelle einer Bank, stieg dennoch nicht, sondern verharrte bei rund 30 Millionen Euro. „Um dieses Niveau zu halten, ist ein Wachstum von fünf Prozent nötig“, erklärt Vorstandschef Kurt Abele. Dennoch ist die Bank mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden: „Das Umfeld war und ist herausfordernd“, sagt Abele. „Wir haben uns sehr gut geschlagen.“

Der operative Gewinn der Bank steigt trotz Niedrigzinsumfeld und größerer Belastung durch die Regulatorik um 0,3 Millionen auf 15,6 Millionen Euro. Möglich macht das neben dem Kreditwachstum ein starkes Provisionsgeschäft, das um fast eine Million auf 17,9 Millionen Euro gewachsen ist. „Wir sind nach wie vor eine der vertriebsstärksten Banken in Baden-Württemberg“, erklärt Abele. Die Bilanzsumme der VR-Bank Ostalb ist gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent gewachsen und liegt bei 2,14 Milliarden Euro. Das betreute Kundenvolumen hat sich sogar um 8,2 Prozent auf mehr als 4,92 Milliarden Euro erhöht. Dies zeige den absoluten Fokus auf das Kundengeschäft, so Abele.

So sparen die Kunden. Der Sparwille der Kunden ist in der Corona-Pandemie ungebrochen: Das Kundenanlagevolumen steigt um rund zehn Prozent. Allerdings haben immer mehr Kunden erkannt, dass mit klassischen Anlagen auf absehbare Zeit nichts zu erwirtschaften ist. „Anlagen in Wertpapiere sind zwingend, um eine positive Rendite zu erzielen“, erläutert Abele. Mehr als 200 Millionen Euro haben die Kunden 2021 deshalb in Fonds und Wertpapiere investiert. Entsprechend ist das außerbilanzielle Anlagevolumen, also Geld, das über die Verbundpartner wie Union Investment oder R+V angelegt wird, um sehr hohe 17,5 Prozent gestiegen. Nach einem Rekordjahr an den Börsen prognostiziert Vorstandsmitglied Olaf Hepfer indes eine steigende Volatilität mit schwankenden Kursen. „Allerdings zeichnet sich derzeit kein großer Rückschlag ab.“

Rund 40 000 Kundengespräche haben die Mitarbeitenden der VR-Bank Ostalb geführt, wie Vorstandsmitglied Ralf Baumbusch erklärt. Während die Frequenz in den Filialen nachlasse, steige die Beliebtheit der telefonischen Beratung und des Online-Bankings. 72,5 Prozent der Überweisungen seien 2021 online angestoßen worden, nicht mal mehr 20 Prozent der Kunden nutzen die Geschäftsstellen. „Unser Ankerpunkt ist dennoch die Filiale“, sagt Baumbusch. Pläne, Niederlassungen zu schließen, gebe es derzeit nicht. Allerdings, betont Abele, könne es „Anpassungen in Nuancen geben“, zum Beispiel veränderte Öffnungszeiten.

Erhöhte Dividende. Fast 60 Prozent der Kunden sind auch Mitglied der Genossenschaftsbank. Sie können für das vergangene Jahr mit einer Dividende von 2 Prozent rechnen (Vorjahr 1,5 Prozent). „Von unserer soliden Entwicklung sollen auch unsere Mitglieder profitieren“, so Baumbusch. Über diesen Vorschlag stimmt noch die Vertreterversammlung ab, die laut Aufsichtsratschef Roland Wendel für den 30. Mai im Aalener Kulturbahnhof geplant ist.

Die großen Herausforderungen bleiben auch für 2022 die steigende Regulatorik und die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), die Wendel „schrecklich“, nennt. Auch Hepfer sieht die EZB angesichts der steigenden Inflation „gefordert, die Geldwertstabilität sicherzustellen“. Bei der vor einiger Zeit drohenden Deflation habe sie umgehend Maßnahmen ergriffen: „Spannend wird sein, wann und wie sie nun reagieren wird.“

Nachhaltigkeit. Mit fast 400 000 Euro hat die VR-Bank Ostalb im vergangenen Jahr  Vereine und Institutionen in der Region unterstützt, das Geld kommt aus dem Spenden- und Sponsoringetat der Bank selbst, der Max-Mayer-Stiftung oder der VR-Bank-Stiftung. „Nachhaltiges Wirtschaften ist mehr als Ökologie,“ sagt Hepfer und ergänzt: „Es bedeutet ökonomische, soziale und ökologische Belange in ein ausgeglichenes Verhältnis zu bringen und alle Facetten bei Entscheidungen zu berücksichtigen.“

Im vergangenen Jahr hat die VR-Bank Ostalb zudem erstmals ihren CO2-Fußabdruck ermitteln lassen. Laut Abele sei man seit 2020 „klimaneutral unterwegs“. Der Aktualisierungsprozess für eine erneute Zertifizierung und Optimierung sei bereits terminiert und die VR-Bank bestrebt, ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren.  Mit dem Start-Up CO2OP GbR hat sich laut dem Vorstandschef zwischenzeitlich „eine fruchtbare Kooperation“ ergeben. Die Firmen- und Gewerbekundenberater würden ihre Kunden darauf ansprechen, wie einfach eine solche Zertifizierung umzusetzen ist. „Wir leisten damit einen Beitrag unserer kleinteiligen mittelständischen Wirtschaft Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen und den Anforderungen aus dem Lieferkettengesetz und Klimaneutralitätserwartungen in ihren Lieferketten gerecht zu werden“, so Abele weiter.

Ins Jahr 2022 ist die VR-Bank laut ihrem Vorstandssprecher „kraftvoll“ gestartet. „Wir sehen uns für die Zukunft gerüstet.“

Die VR-Bank Ostalb zum 31.12.2021 (in Euro, in Klammern Veränderung zum Vorjahr)

Bilanzsumme 2,137 Mrd. (+4,6%)

Kreditvolumen (bilanziell) 1,407 Mrd. (+3,1%)

Kundenanlagen (bilanziell) 1,658 Mrd. (+4,7%)

Kundenvolumen (gesamt) 4,920 Mrd. (+8,2%)

Zinsüberschuss 29,9 Mio. (-0,3%)

Provisionsüberschuss 17,9 Mio. (+5,3%)

Ergebnis vor Bewertung 15,6 Mio. (+2%)

Mitarbeiter 329 (-1,8%)

Wir haben uns sehr gut geschlagen.“

Kurt Abele, Vorstandschef VR-Bank Ostalb

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