So trifft Corona den Handel

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Einzelhandel: Für 16 Prozent, also für jeden siebten Betrieb, war oder ist die Krise existenzbedrohend. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Commerzbank.
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Die Commerzbank hat Einzelhändler in Deutschland und der Region befragen lassen. Die Pandemie setzt die Branche unter Druck, die Händler treibt vor allem eine Sorge um.

Aalen

Rund 3500 Einzelhändler bundesweit hat die Commerzbank durch das Ipsos-Institut befragen lassen, 50 kamen aus Ostwürttemberg. Das Ergebnis: Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen haben den Einzelhandel schwer getroffen, jedoch auch positive Begleiteffekte zum Vorschein gebracht. Für die Zukunft eint die Betriebe eine große Sorge, doch insgesamt sehen sie optimistisch in die Zukunft.

Die Auswirkungen. Zwei von fünf Einzelhändlern in Ostwürttemberg haben laut der Studie im Zuge der Corona-Krise starke Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Für 16 Prozent, also für jeden siebten Betrieb, war oder ist die Krise existenzbedrohend. Befragt wurden für die Studie Einzelhandelsunternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro. „Der wiederholte Lockdown und der damit verbundene Kundenverlust haben drei von fünf Einzelhändler in Ost-Württemberg vor große Probleme gestellt“, berichtet Wolfgang Hahn, verantwortlich für das Geschäft mit Unternehmerkunden bei der Commerzbank in Ostwürttemberg.

Fast jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) habe auf vorhandenes Eigenkapital zurückgreifen müssen, um Umsatzeinbußen auszugleichen, gut die Hälfte dieser Betriebe investieren einen Betrag zwischen 10 000 und 100 000 Euro aus den Rücklagen. Hahn empfiehlt: „Auf keinen Fall sollten Einzelhändler die eigene Altersvorsorge antasten.“ Ein Drittel nahm staatliche Hilfen in Anspruch, etwa jeder Zehnte Kreditstundungen oder einen Bankkredit. 37 Prozent nutzen Kurzarbeit, 10 Prozent verhängten einen Einstellungsstopp, vier Prozent sprachen Kündigungen aus, gut die Hälfte jedoch kam ohne Personalmaßnahmen durch die Krise.

Das Kaufverhalten. Bereits vor Corona gewann der Online-Handel stetig Marktanteile, diese Entwicklung wurde durch die Pandemie beschleunigt. Das Einkaufs- und Konsumverhalten der Kunden hat sich weiter verändert. Dabei zeigen sich in der Studie zwei gegenläufige Trends: „Einerseits hat Corona im Einzelhandel einen spürbaren Digitalisierungsschub ausgelöst, wie wir ihn auch als Commerzbank bei unseren Kunden feststellen“, erläutert Hahn. So berichtet ein Drittel der Einzelhändler in Ostwürttemberg, dass Kunden nun vermehrt online einkaufen. „Auf der anderen Seite sehen wir aber auch einen Nachholbedarf beim Konsum vor Ort. Denn ebenfalls fast jeder dritte Einzelhändler bemerkt wieder mehr Bedarf an persönlicher Beratung. Die Studie zeigt daher, dass Kunden beide Kanäle nutzen wollen – digital und persönlich.“

Die Digitalisierung. Entsprechend haben die Einzelhändler reagiert. So setzte jeder Dritte auf Angebote wie Click & Meet oder hat seine Produktpalette verändert, jeder Fünfte führte einen Lieferservice ein. Ebenfalls jedes fünfte Unternehmen investierte in den Auf- oder Ausbau einer Website und/oder einer App, weitere 16 Prozent in einen Online-Shop. „In jeder Krise steckt auch eine Chance“, sagt Hahn. „55 Prozent der ostwürttembergischen Einzelhändler geben an, dass sie ihre Kreativität und Innovationskraft im Zuge von Corona gesteigert haben.“

Die Zukunft. Laut der Studie schaut trotz der teils dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie und weiterer Herausforderungen die Mehrheit (88 Prozent) optimistisch in die Zukunft. Allerdings ist hier einzuschränken, dass die Umfrage im Sommer erstellt wurde – also noch vor den neuerlichen Kontaktbeschränkungen rund um 2G. Daten wie sich dies auswirken wird, hat die Commerzbank zwar nicht, Hahn führt jedoch eine weitere Untersuchung an. So hat sich der Kundenverkehr nach Einführung der 2G-Regel in deutschen Innenstädten um 11 Prozent reduziert. So ist auch die zentrale Sorge der Einzelhändler durchaus ernstzunehmen.

Denn laut der Commerzbank-Studie befürchten drei Viertel in den kommenden fünf Jahren eine Verödung der Stadtzentren durch Geschäftsschließungen und auswärts gelegene Einkaufszentren. Als Gegenmaßnahmen befürworten die befragten Betriebe eine Verbesserung des Parkplatzangebots inklusive Elektroladestationen (75 Prozent) sowie mehr Radwege und Grünflächen (59 Prozent).

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