So will die Region die Zukunft gestalten

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Thilo Rentschler beim Zukunftskongress.
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Mit einem Zukunftskongress läutet die Region den nächsten Schritt des Masterplans 2030 ein. Nun geht es an die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele.

Heidenheim

Vor rund einem Jahr war sie gestartet, nun hat die Zukunftsoffensive der Region Ostwürttemberg einen wichtigen Meilenstein erreicht: Beim Zukunftskongress in der Heidenheimer Voith-Arena wurde der Masterplan 2030 vorgestellt, mit dem die Region zur „Modellregion für nachhaltige Transformation“ werden will. Beim Kongress erklärte zudem Fem-Chef Prof. Dr. Holger Kaßner, warum sich Wirtschaft und Gesellschaft derzeit so rasant ändern – und weshalb die Region und das Land beste Voraussetzungen haben, die Transformation zu meistern.

„Heute wollen wir gemeinsam ein weiteres Kapitel der Geschichte unserer Region schreiben“, erklärt IHK-Präsident Markus Maier. „Wir wollen vieles ändern und verändern, weil wir es müssen.“ Der Anpassungsdruck und deren Geschwindigkeit hätten sich durch den russischen Angriffskrieg, die Energiekrise sowie die Inflation deutlich erhöht. Um die Region in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, wurde in den vergangenen Monaten in mehreren Workshops mit 400 Teilnehmenden „Kärrnerarbeit“ geleistet, wie Peter Polta, Landrat des Kreises Heidenheim erklärt. „Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen.“ Ostalb-Landrat Dr. Joachim Bläse sagt: „Wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand. Das vorliegende Papier ist die Basis, nun geht es an die Umsetzung. Veränderung ist Teil unserer Geschichte.“

Die zentralen Maßnahmen sind: Ostwürttemberg zur Wasserstoffregion machen. Dafür sei, so Polta, der Anschluss an eine Wasserstoff-Pipeline eine Kernforderung an Bund und Land. Zweitens soll ein Transformationsnetzwerk aufgebaut werden, für das es vor kurzem eine Förderung von fünf Millionen Euro gab. Weiter soll Ostwürttemberg klimaneutral und die Start-up- und Innovationsregion gestärkt werden. Parallel dazu will die Region eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsoffensive starten, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden, sowie das eigene Standortmarketing forcieren. „Dieser Plan ist eine hervorragende Grundlage für die weitere Umsetzung“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler. Er verschaffe Ostwürttemberg einen „klaren Vorsprung vor anderen Regionen, die ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen“.

Wie rasant sich die Welt ändert – und warum gerade das Land und die Region keine Angst vor der Zukunft haben müssen, erklärt Prof. Dr. Holger Kaßner, neuer Leiter des Forschungsinstituts Fem in Gmünd. Für ihn bildet die Zukunft die Summe von Wandel und Transformation. Während sich der Wandel langsam vollziehe, gebe es bei einer Transformation einen bestimmten Punkt, an dem sich die Geschwindigkeit deutlich erhöhe und als Disruption wahrgenommen werde. Ein Beleg dafür sei die Zahl der Forschungsarbeiten, die derzeit exponentiell steige: 2000 gab es weltweit 20 000 Studien pro Jahr, heuer seien es mehr als 120 000. Die Lebenszyklen von Unternehmen und deren Produkte werden immer kürzer (Beispiel: Nokia), ebenso die Technologiezyklen: Während Wasserkraft und Dampfmaschine die Menschheit Jahrhunderte begleiteten, lösten sich die Technologien immer schneller ab. „Der Anpassungsdruck ist immens“, so Kaßner. „Angeeignetes Wissen wird nach 10 bis 20 Jahren obsolet.“ Müssen wir uns also Sorgen machen? Nicht direkt, sagt Kaßner.

Denn: Wie gut Länder und Regionen die Transformation meistern, hänge maßgeblich von deren Basis ab – „und die ist hier so gut wie in keinem anderen Land“. Baden-Württemberg habe eine starke Industrie, einen erfolgreichen Mittelstand und eine gute finanzielle gesellschaftliche Situation. Zudem profitiere man von der multikulturellen Gesellschaft. „Eine gute Basis ist jedoch kein Grund, sich zurückzulehnen.“ Bayern und Baden-Württemberg seien noch vor 100 Jahren das Armenhaus Europas gewesen, jedoch durch die folgenden 3 Zyklen immer erfolgreicher geworden. „Erfolgreiche Transformation ist unsere Geschichte“, so Kaßner. Für die Zukunft gelte: Chancen erkennen, nicht die Probleme. „Wir müssen Verantwortung übernehmen für einen gemeinsamen Weg“, so der Fem-Chef. Seine Bitte: „Wir müssen gemeinsam unsere German Angst vor Veränderung überwinden.“

Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur im Land, argumentiert, dass stetige Qualifizierung der Schlüssel zur Sicherung und zum Ausbau des Wohlstands im Land sei. Es gebe ausreichend Angebote und das Wissen sei vorhanden, jedoch: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Der Anbietermarkt für Qualifizierungen sei unübersichtlich. „Was uns gelingen muss, ist die letzte Meile vom Angebot zum Betrieb und den Arbeitnehmenden zu überbrücken“, so Rauch. „Und das kann nur innerhalb einer Region gelingen.“ Denn die Anforderungen an Qualifizierungen, etwa welche Kompetenzen und Technologien erforderlich sind, seien von Region zu Region höchst unterschiedlich.

IHK-Präsident Markus Maier beim Zukunftskongress.
Prof. Dr. Holger Kaßner beim Zukunftskongress.
Prof. Dr. Holger Kaßner vom Fem erklärte, wie sich Wandel und Transformation vollziehen - und weshalb der Druck aktuell größer als jemals zuvor ist.
Volles Haus beim Zukunftskongress im Business-Bereich der Voith-Arena in Heidenheim.

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