So will Hackstein die Varta durch die Krise führen

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Varta in Ellwangen
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Es war kein gutes Jahr für die Varta AG. Der neue Vorstandschef Markus Hackstein will den Turnaround schaffen. Dabei setzt er auch auf die Hilfe von Beratern, wie er in einem Interview mit FAZ erklärt hat.

Ellwangen

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten von der Varta AG: Zum achten Mal wurde das Unternehmen vor kurzem als „Superbrand“ (zu deutsch: Supermarke) ausgezeichnet. Damit gehören die Ellwanger laut eigenen Angaben zu den besten 30 von mehr als 1350 Marken, die von einer 22-köpfigen Jury untersucht wurden. Ein Grund zur Freude, kurz vor dem Ende eines Jahres, das für die Varta nicht gerade nach Plan gelaufen ist.

Umsatzrückgang und Gewinneinbruch, Kurzarbeit am Standort Nördlingen, Betriebsurlaub über den Jahreswechsel in Ellwangen, mit Markus Hackstein kam überraschend ein neuer Vorstandschef für den langjährigen Lenker Herbert Schein und dann wurde noch der Bau die groß angekündigte Fabrik für E-Auto-Akkus in Nördlingen auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun ist das Unternehmen, vor knapp einem Jahr einer der aufgehenden Sterne am Börsenhimmel, kurz vor Weihnachten auch noch aus dem MDax in den SDax abgestiegen.

Der neue Vorstandschef Hackstein hat sich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ausführlich über die Lage bei dem Ellwanger Traditionsunternehmen geäußert. Er macht vor allem die hohen Energiekosten und die verhaltene Nachfrage nach Mikrobatterien als Gründe für die missliche Lage bei der Varta verantwortlich. „Wir haben derzeit in jedem Geschäftsbereich eine andere Herausforderung“, so Hackstein in der FAZ.

Bei Haushaltsbatterien sei die Nachfrage intakt, Varta könne aber die gestiegenen Kosten nicht komplett an die Kunden weitergeben. Weiter sei die Nachfrage nach Mikrobatterien zurückgegangen, weil der Absatz von Fitnessuhren oder kabellosen Kopfhörern weltweit gesunken sei. Unter der verhaltenen Konsumentenstimmung litten zudem auch die kundenspezifischen Batterien, wie sie in Haushaltsgeräten zum Einsatz kommen. Einen Boom hingegen erlebe derzeit die Nachfrage nach Energiespeichern, etwa für PV-Anlagen.

Die Folgen spürt die Varta-Aktie ganz direkt: Der Kurs des Papiers sank seit Mitte September von mehr als 60 Euro auf nunmehr knapp über 20 Euro, vom einstigen Höhenflug auf zeitweise mehr als 140 Euro je Anteilsschein ganz zu schweigen. Bereits Anfang Dezember hatte die Deutsche Börse deshalb angekündigt, dass Varta den MDax verlassen und in den SDax wechseln werde.

Zu schaffen machen Varta derzeit neben der verhaltenen Nachfrage vor allem die gestiegenen Kosten für Energie, die sich negativ auf die Produktionskosten auswirken. „Unsere Materialkosten betragen circa 400 Millionen Euro im Jahr", sagte Hackstein der FAZ. Sie seien im Jahresverlauf um 25 Prozent gestiegen und machten inzwischen 50 Prozent der Gesamtkosten aus. Hackstein hat deshalb externe Berater von Boston Consulting zu Varta geholt, um unter anderem die eigene Kostenposition zu verbessern und neue Lieferanten zu finden. „Wir sind solide aufgestellt und haben die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Die Materialkosten müssen sinken“, erklärte Hackstein.

Sorge, dass die Varta ein Fall für den Insolvenzverwalter werden könnte, treibt Hackstein nicht um. „Wir gehen nicht davon aus. Wir gehen davon aus, dass es Varta auch in 140 Jahren noch gibt“, so der Manager. Man sei mit den Banken in enger Abstimmung, „um sie im Boot und die Finanzierungen stabil und sicher zu halten“.

Auch über die Gerüchte, dass der österreichische Großaktionär Michael Tojner, als dessen Vertrauter der neue Vorstandschef gilt, über überhöhte Mieten die Varta „melken“ würde, sprach Hackstein mit der FAZ. Varta habe die Gebäude verkauft und mit dem Erlös Investitionen in Maschinen und Anlagen vorgenommen, das sei „ein ganz natürlicher Vorgang“. Auch die Verträge seien marktüblich. „Wir haben Ausschüsse im Aufsichtsrat, die das prüfen.“

Trotz der Sparmaßnahmen ist derzeit kein Arbeitsplatzabbau geplant. „Wir haben uns für die Kurzarbeit entschieden, weil wir die Leute brauchen, wenn die Krise vorbei ist“, so Hackstein im Interview, der zudem ein Bekenntnis zu den deutschen Standorten in Ellwangen und Nördlingen abgab: „Wir wollen mit der Zellproduktion nicht abwandern. Die Qualität ist nur mit unseren Mitarbeitern zu bewerkstelligen.“

Entscheidend für die weitere Entwicklung dürften auch die Innovationen sein. Eine Neuheit stellt Varta bei der Messe Asia Smart Wearable im chinesichen Shenzhen vor: Die neueste Lithium-Ionen-Knopfzelle der CoinPower-A-Serie soll mehr Kapazität und höhere Energiedichte bieten. Die wiederaufladbaren Zellen werden in Deutschland auf hochautomatisierten Produktionslinien hergestellt.

Varta-Vorstandschef Markus Hackstein.

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