Sorgen um die Energieversorgung

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Von links: Achim Zerres (Bundesnetzagentur), Dr. Dirk Bissel (Verallia Deutschland AG), Dr. Jan Stefan Roell (Präsident IHK Ulm), MdB Robin Mesarosch, MdB Marcel Emmerich, Sebastian Maier (EnBW ODR AG), Gerhard Pfeifer (Vizepräsident IHK Schwaben), Klaus Eder (SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH) und Moderator Tilmann Schöberl.

In Ulm diskutieren regionale IHKn die Folgen des Ukraine-Kriegs für die Strom- und Energieversorgung der Wirtschaft sowie den schleppenden Stromnetzausbau im Land.

Ulm

Der Ukraine-Krieg hat auch die Versorgungssicherheit der Wirtschaft mit Energie ganz oben auf die politische Agenda gesetzt. Über dessen Folgen – und den schleppenden Stromnetzumbau im Land – diskutierten Politik und Unternehmer während einer gemeinsamen Veranstaltung der Industrie- und Handelskammern Schwaben, Ostwürttemberg, Bodensee-Oberschwaben und Ulm.  

In Impulsvorträgen ging es zunächst um die Versorgungssicherheit in Süddeutschland aus Sicht der Bundesnetzagentur, der Politik, des Bundeswirtschaftsministeriums und energieintensiven Unternehmen. Die IHK Ostwürttemberg weist angesichts der drastisch gestiegenen Energiekosten, der allgemein hohen und sich verfestigenden Inflationsrate sowie den Unterbrechungen vieler Lieferketten auf Gefahren für die gesamtwirtschaftliche Konjunkturentwicklung hin. „Rezessive Ansätze bei der wirtschaftlichen Geschäftsentwicklung auch aufgrund von Kaufzurückhaltung der Privathaushalte müssen im Auge behalten werden“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler in Ulm.

Dr. Jan Stefan Roell, Präsident der IHK Ulm, erklärt: „Energieversorgung ist kein Luxusproblem, dieses Thema betrifft uns alle, unabhängig vom Ukrainekrieg.“ Um wirtschaftliche Sicherheit zu gewährleisten seien der Abbau bürokratischer Hemmnisse und finanzieller Belastungen unabdingbar. Dies seien auch Voraussetzungen, um Anreize für die Investitionen in die Wasserstofftechnologie zu schaffen, so Roell.

Der langjährig geplante Umbau des Energiesystems im Zuge der Klimadiskussion und Energiewende wird aufgrund der Russland-Ukraine-Krise deutlich verstärkt, dadurch wachsen die Anforderungen an die Stromnetze und Energieversorgung in Süddeutschland. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch betonte die Wichtigkeit, Verwaltungsverfahren zu digitalisieren und somit die Genehmigungsverfahren für den Ausbau der erneuerbaren Energien wesentlich zu beschleunigen.

Der höhere Strombedarf wird die Preise künftig weiter ansteigen lassen, wenn nicht neue Erzeugungskapazitäten ans Netz gehen. „Es ist keine Frage der Margenverteilung, sondern eine existenzielle Frage. Wir haben einen festen Zeitplan, um das komplexe Projekt einer CO2-freien Produktion umzusetzen“, erläuterte Dr. Dirk Bissel, CEO der Verallia Deutschland AG. Die Kreislaufwirtschaft sei ebenfalls ein Bestandteil der Branche. Bis zu 80 Prozent recyceltes Glas setze Verallia bei ihren Produkten ein. „Allerdings sind wir auch in den nächsten Jahren auf eine verlässliche Gasversorgung angewiesen – hierfür gibt es aktuell keine Alternative.“

Zudem werden durch die Digitalisierung die Produktionsprozesse der Wirtschaft immer sensibler gegenüber Schwankungen im Stromnetz, sodass das Thema Versorgungsqualität an Relevanz gewinnt. Bereits geringfügige Spannungsschwankungen im Netz, können Produktions- und Lieferausfälle nach sich ziehen, wodurch Schäden, hohe Kosten und Wettbewerbsnachteile entstehen können. Dies wurde in der Präsentation von Achim Zerres, Abteilungsleiter Energieregulierung bei der Bundesnetzagentur, deutlich. „Der Ausbau von Leitungen muss schneller werden“, betonte er. „Wir untersuchen uns einen Wolf, in diesen Untersuchungsaufträgen steckt das Problem. Zu viele unterschiedliche Möglichkeiten müssen bedacht werden, das bremst den Ausbau.“

Unnötige Bürokratie verhindert schnelle Umsetzung

Zudem stand in Ulm die  Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren auf der Agenda. Denn: Die Planung und Genehmigung neuer Stromleitungen nimmt bis zu zehn Jahre in Anspruch, wohingegen ein Solarpark im Laufe eines Jahres gebaut werden kann. So kann der Stromnetzausbau nicht mit den ambitionierten Zielen zum Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt halten. „Wir haben erneuerbare Energien genug. Was wir brauchen sind verschlankte Genehmigungsverfahren, damit wir die ganzen Photovoltaikanlagen, die wir haben, auch ans Netz bekommen!“,  unterstreicht Sebastian Maier, technischer Vorstand der EnBW ODR AG aus Ellwangen. Die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren hat aus Sicht aller Teilnehmenden daher höchste Priorität.

„Mit dem ‚Osterpaket‘ – einem umfangreichen Gesetzespaket, mit dem viele energiepolitische Inhalte des Koalitionsvertrags umgesetzt werden, sind wir auf einem guten Weg“, betonte Dr. Franziska Brantner, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klima. „Der Ausbau von erneuerbaren Energien wird damit umfassend beschleunigt und konsequent umgesetzt. Wir unternehmen jedoch auch alles, um aktuell die Energieversorgung mit den konventionellen Rohstoffen aufrecht zu erhalten.“

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