Sparwille der Kunden ist ungebrochen

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Von links: Aufsichtsratschef Roland Wendel, Vorstandschef Kurt Abele, Vorstandsmitglied Ralf Baumbusch und Vorstandsmitglied Olaf Hepfer.
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Die VR-Bank Ostalb vermeldet zahlreiche Rekordzahlen. Warum nicht jede den Vorstand begeistert – und wie die Genossenschaftsbank die regionale Wirtschaft derzeit aufgestellt sieht.

Aalen

Eine Zahl dokumentiert das ganze Ausmaß der aktuelle Misere: Für eine zehnjährige Bundesanleihe müssen Anleger aktuell 0,57 Prozent Zinsen zahlen. "Das ist Wahnsinn", sagt Kurt Abele, Vorstandschef der VR-Bank Ostalb. Sein Fazit lautet nüchtern: "Für die klassische Anlage gibt es schon lange keine Zinsen mehr."

Dennoch sparen auch die Kunden der VR-Bank Ostalb wie nie zuvor. Das bilanzielle Kundenanlagevolumen stieg 2020 um fast acht Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro. Der Großteil davon liegt auf Tagesgeld- oder Girokonten. "Dieses Wachstum bleibt weiter unser Sorgenkind", sagt Abele. Es ist sowohl für die Kunden als auch für die Bank ein Minusgeschäft: Die Sparer bekommen keine Zinsen, die Inflation frisst ihr Erspartes immer schneller auf, die Bank selbst muss das Geld wiederum in Teilen wieder zu Minuszinsen anlegen. Ein Hoffnungsschimmer ist die steigende Beliebtheit von Wertpapieren.

Deren Absatz ist 2020 um mehr als 40 Prozent auf 179 Millionen Euro gestiegen, erklärt Vorstandsmitglied Ralf Baumbusch. "Wertpapiere gewinnen bei der Vermögensbildung immer mehr an Bedeutung." Die Kunden beherzigten 2020 diesen Rat, nutzen den Crash im März sogar, um aktiv nachzukaufen.

So ungebrochen wie der Sparwille der Ostwürttemberger ist ihre Bereitschaft, in Immobilien zu investieren. Die Nachfrage nach Baufinanzierungen ist ungebrochen, entsprechend sagte die VR-Bank viele Kredite zu. Um 4,8 Prozent stieg das gesamte Volumen auf mehr als 1,3 Milliarden Euro, davon entfällt jeweils die Hälfte auf Privat- und Firmenkunden. Im gewerblichen Bereich resultierte das Wachstum auch aus Corona-Hilfen, bei Investitionsfinanzierungen hielten sich viele Firmen zurück.

Insgesamt sehen Vorstand und Aufsichtsrat die VR-Bank Ostalb trotz der zahlreichen Herausforderungen gut aufgestellt. "Wir haben das Geschäftsjahr zufriedenstellend abgeschlossen", sagt Abele, der viele Rekordzahlen zu vermelden hatte.

Die Bilanzsumme ist erstmals in der Geschichte der Bank auf mehr als zwei Milliarden Euro gestiegen. Das komplette betreute Kundenvolumen beträgt sogar rund 4,5 Milliarden Euro. "Die Volumina sind gewachsen", resümiert der neue Aufsichtsratschef Roland Wendel, der im vergangenen Jahr Claus Albrecht abgelöst hatte, der aus Altersgründen aus dem Gremium ausgeschieden war. "Das Rad, welches man als Bank drehen muss, um Erträge zu erwirtschaften, wird von Jahr zu größer." Trotz der Rekordzahlen ist zum Beispiel der Zinsüberschuss von 32,4 auf 30 Millionen Euro gesunken. Hier macht sich zudem ein Sondereffekt bemerkbar.

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise hatte die BaFin den deutschen Banken aus Sorge um deren Kapitalausstattung ein Dividendenverbot erteilt. Das verzögerte nicht nur die Auszahlung an die Mitglieder der Genossenschaftsbanken, sondern auch jene der DZ-Bank an ihre Anteilseigner, zu denen wiederum die VR-Bank Ostalb gehört. Auf rund eine Million Euro taxiert Abele den Dividendenausfall für die größte Genossenschaftsbank in der Region.

In Zeiten sinkender Einnahmen haben die Banken deshalb die Kostenseite im Blick. Die Personalkosten sanken um rund 400 000 Euro, auch weil die Zahl der Mitarbeiter von 350 auf 335 zurückging. "Besonders für das abgelaufene Geschäftsjahr sind wir unseren Mitarbeitenden sehr dankbar", erklärt Vorstandsmitglied Olaf Hepfer. Wegen des umfassenden Hygienekonzepts sei das Arbeiten nochmals anspruchsvoller geworden. Der Verwaltungsaufwand lag um fast eine Million Euro niedriger als im Vorjahr, was unter anderem an ausgefallenen Veranstaltungen gelegen habe.

Das Rad, welches eine Bank drehen muss, wird immer größer.

Roland Wendel Aufsichtsratschef VR-Bank Ostalb

Die Firmen in Ostwürttemberg haben die Corona-Pandemie samt Lockdowns bisher gut weggesteckt. "Unsere regionale Wirtschaft zeigt sich bisher stabil und widerstandsfähig", sagt Hepfer. "Das Bewertungsergebnis unseres Kreditgeschäftes ist bisher total entspannt." Dennoch wäre es aus seiner Sicht "blauäugig anzunehmen, dass wir hier zeitversetzt nicht auch Belastungen sehen". Die VR-Bank Ostalb sei jedoch breit aufgestellt. "Wir sehen uns gut gerüstet, unseren Beitrag zur Krisenbewältigung leisten zu können", so Hepfer.

Die Bilanz der VR-Bank Ostalb zum 31.12.2020 (in Euro, in Klammern Vorjahreswerte)

  • Bilanzsumme 2,043 Mrd. (1,911)
  • Anlagevolumen (bil.) 1,584 Mrd. (1,469)
  • Kreditvolumen (bil.) 1,364 Mrd. (1,300)
  • Zinsüberschuss 30 Mio. (32,4)
  • Provisionsüberschuss 17,1 Mio. (17)
  • operatives Ergebnis 14,1 (15,1)

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