Spedition Brucker: Neuer Standort in Reutlingen

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Standort in Betzingen: Von hier versorgt Brucker die Chipfertigung von Bosch.
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Die Spedition Brucker expandiert und übernimmt die Logistik für die Chipfabrik von Bosch. Doch das Wachstum fällt wegen fehlende Flächen und Personalmangel zunehmend schwerer.

Aalen

Am Standort Reutlingen hat die Spedition Brucker bereits eine Niederlassung mit 40 Mitarbeitern betrieben. Diese bekommt Zuwachs: Für die Robert Bosch GmbH übernimmt Brucker die Werksversorgung. Dafür hat Brucker kräftig im Ortsteil Betzingen investiert und eine 11 500 Quadratmeter große Lagerhalle mit moderner Lager- und Reinigungstechnik ausgestattet.

Neben der Rohstofflagerung und Werkversorgung übernimmt der Logistikdienstleister auch Behältermanagement. Besonders stolz ist man bei Brucker darauf, dass die Entwicklung der Anlage inklusive Prüflabor weitestgehend in Eigenleistung erbracht wurde. „Hierdurch entstand eine der modernsten Reinigungsanlagen, die es auf dem Markt aktuell gibt“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Stefan Brucker. Am Ende der 23 Meter langen Reinigungsanlage ist ein Prüflabor angeschlossen, das die Einheiten mikroskopisch auf etwaige Verschmutzungen kontrolliert. „Das Behältermanagement ist ein hochkomplexer Bereich“, erklärt Brucker. Die Firma versorgt die Chipfertigung von Bosch – da kommt es auf absolute Reinheit an. Rund 50 Arbeitsplätze hat Brucker am Logistikstandort geschaffen und an dem Standort mehrere Millionen Euro investiert.

Platzbedarf. Der Auftrag und der Bau des Logistikzentrums zeigt nicht nur, dass sich die Gruppe seit langem vom Speditions- und Transportanbieter zu einem Logistikspezialisten entwickelt hat, dessen Spektrum wächst. Zum anderen findet das Wachstum derzeit in Regionen jenseits von Ostwürttemberg statt. „In Ostwürttemberg gibt es für uns kaum noch geeignete Flächen für eine Expansion“, erklärt Brucker. Vor allem in Aalen, wo die Not am größten ist, seien Flächen kaum zu bekommen. „Das ist eine zentrale Herausforderung, mit der wir kämpfen.“ Lichtblick: Dank der guten Beziehungen zur Firma Traub in Ebnat habe man seit Juni 8000 Quadratmeter belegen können, die bereits schon wieder verplant und gefüllt sind. Bedarf bestehe weiterhin.

Mitarbeitermangel. Zum anderen drückt der Schuh wegen fehlenden Personals. „Vor 30 Jahren ging es für die Logistiker darum, neue Aufträge zu generieren, heute wird das Wachstum vor allem durch die fehlenden Mitarbeiter limitiert“, sagt der Unternehmer. Derzeit beschäftigt Brucker an den Standorten 750 Mitarbeiter. Zum Umsatz macht er keine Angaben, dieser sei zuletzt stetig gestiegen – die Corona-Pandemie habe keine nachhaltige Delle hinterlassen.

Palettenpreise. Ein weiteres Thema, das Brucker und die Branche beschäftigt, ist der Palettenmangel. „Der Preis einer Euro-Palette hat sich zuletzt verdreifacht“, sagt Brucker. Die Krux: Viele Kunden bestehen auf dem Tausch der Paletten, heißt: die Logistiker bringen Ware auf einer vollen Palette zur Firma und nehmen eine leere mit. Für die Branche ist das inzwischen ein Kostenfaktor, vor allem wenn die genutzte Palette beschädigt ist oder nicht mehr genutzt werden kann.

Angesichts der steigenden Preise für Paletten und deren Rohstoff Holz plädiert Brucker dafür, dass diese in den Besitz des Kunden übergehen. „Das wollen auch immer mehr Kunden“, so der Geschäftsführer. Die Idee, dass Logistiker eine Tauschgebühr für die Paletten berechnen könnten, scheiterte vor einigen Jahren am Veto eines großen Dienstleisters.

Grüne Logistik. Beim Thema Grüne Logistik und Nachhaltigkeit wird Brucker sehr nachdenklich – und ziemlich grundsätzlich, wenngleich er sich bewusst ist, dass seine Haltung als Logistiker nicht unbedingt populär ist „Solange es sich für Kunden wirtschaftlich lohnt, Komponenten und Zulieferteile bei einer sinkenden Fertigungstiefe über hunderte oder tausende Kilometer zu transportieren, Holz vom Schwarzwald nach Norddeutschland zu fahren und Bänder von Konzernen still stehen, weil Komponenten, die sie früher selbst gefertigt haben, nun nicht mehr rechtzeitig aus Übersee ankommen, müssen wir uns schon fragen, was all die CO2-Ziele oder -Zertifikate bringen sollen“, bezieht Brucker deutlich Stellung.

Auf der einen Seite böten Konzerne Ausschreibungs-Auktionen an, die ausschließlich über den Preis entschieden würden, auf der anderen verpflichteten diese Unternehmen ihre Zulieferer dazu, Nachhaltigkeitsberichte vorzulegen und grüner zu werden – setzten aber nach wie vor auf globale, maximal arbeitsteilige Liefer- und Logistikketten, die das Klima belasteten. „Anscheinend sind die Transportkosten nach wie vor so niedrig, dass sie kein Kriterium für Firmenentscheidungen sind“, sagt Brucker, der zugleich betont: „Logistik ist ein wichtiger Teil der Wirtschaft und wir tragen gerne einen Teil bei, aber die Diskussionen in der Öffentlichkeit und die Vorgaben der Politik lenken vom eigentlichen Problem ab.“

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