Sprechende Produkte aus Gmünd in den USA ausgezeichnet

+
Das ‒ nicht ganz vollständige ‒ Team von Ottenwälder und Ottenwälder
  • schließen

Das Gmünder Büro Ottenwälder und Ottenwälder hat Design-Ikonen wie die Aral-Zapfpistole geschaffen und mehr als 150 Preise gewonnen ‒ zuletzt für ein Mapal-Spannfutter.

Schwäbisch Gmünd

Drei Dinge muss ein Produkt ausstrahlen, soll es erfolgreich sein: „Was es kann, was es will und wie es sich fühlt.“ Wie es sich fühlt? Ja, Petra Kurz-Ottenwälder meint es genau so. Für die Industriedesignerin, die mit Max Ottenwälder das Gmünder Büro Ottenwälder und Ottenwälder leitet, ist es keine Frage: Ein Produkt muss sprechen und über sich Auskunft geben. Effizient, bedienerfreundlich, zeitlos und nachhaltig muss es sein. Und das auch über seine Gestaltung mitteilen. Dann hat es Erfolg.

So wie die Industrie-Bildschirme und -PCs, die das Gmünder Büro für Schubert System Elektronik entworfen hat, oder das Spannfutter Uniq für den Aalener Werkzeughersteller Mapal. Beide sind nun in den USA mit dem renommierten Good Design Award ausgezeichnet worden. Sprechen kann natürlich auch die in Gmünd designte Ultimate-Zapfpistole an den Aral-Tankstellen. Die ist längst ein Designklassiker.

Im achtköpfiges Team arbeiten Designerinnen und Designer verschiedener Spezialisierungen. Die Ideenschmiede gestaltet Leuchten und Verpackungsanlagen, Zahnbürsten und Schleifmaschinen, Pflanzenübertöpfe und E-Auto-Ladestationen. Mehr als 150 Preise gab es bisher für die Kreationen von Ottenwälder und Ottenwälder.

Kurve zeigt Kräfteverlauf

Im Vordergrund stehen dabei oft technische Problemlösungen. Das Büro hat sich technisches Verständnis und langjährige Erfahrung mit industriellen Prozessen auf die Fahnen geschrieben. Petra Kurz-Ottenwälder erklärt, dass dem neuen Mapal-Spannfutter eine Kurve zugrunde liegt, die den optimalen Kräfteverlauf aufzeigt. Anhand dieser Kurve wurde „faules Material“ eliminiert. Die Gestaltung, zu der auch die Materialien gehören, wirke sich positiv beim Beschleunigen und Abbremsen aus, mache das Produkt korrosionsbeständig und einfach zu handhaben. „Das Spannfutter strahlt Kompetenz und Innovation aus, wenn es auf einer Messe präsentiert wird – auch ohne, dass jemand dabeisteht und erklärt“, sagt Petra Kurz-Ottenwälder.

Das passt zu ihrem Designverständnis: „Wenn die Messebesucher sagen, wow, ein tolles Design, dann haben wir etwas falsch gemacht. Wenn sie sagen: ,Tolle Maschine, was kann die denn?', dann haben wir alles richtig gemacht.“ Sie findet noch einen anderen Dreh: „Sagt der Verbraucher, das Design ist gut, dann ist das Design schlecht. Saget er, das Produkt ist gut, dann ist das Design gut.“

Zu jedem seiner Produkte entwickelt das Gmünder Büro eine eigene Sprache, eine eigene Story. So orientiert sich das Hotelporzellan-Service „Enjoy“ für den Hersteller Bauscher in seiner Formgebung an der sogenannten Katenoide, der natürlichen Form, wie frei aufgehängte Ketten fallen. Katenoidenform haben laut Petra Kurz-Ottenwälder aber auch Hühnereier, menschliche DNA-Stränge und die Kuppel der Kathedrale von Florenz. Das zeitlose, überdauernde Moment steht hier im Vordergrund. „Denn Moden ändern sich schnell.“ Oder, ganz praktisch, ausgedrückt: Das Hotelporzellan muss über Jahrzehnte in Benutzung sein können und immer wieder nachgekauft werden.

Das sorgt auch für Nachhaltigkeit, ebenso wie die Wahl des richtigen Materials und die Langlebigkeit der Produkte. „Nachhaltigkeit ist das A und O“, sagt Petra Kurz-Ottenwälder und verweist auf  eine Aussage des Bundesumweltministeriums, wonach bis zu 80 Prozent des Umweltauswirkungen eines Produktes durch das Design bestimmt sind.

Der zweite Handgriff

Eine Herausforderung ist oft, dass das neu gestaltete Produkt darf nicht teurer werden als das Vorgängerprodukt, das es ersetzt – am besten, es ist günstiger. Im Jahr 2004 gestaltete Ottenwälder und Ottenwälder für den Mineralölkonzern Aral-BP eine Zapfpistole für den damals neuen Ultimate-Kraftstoff: „Mehr Leistung, weniger Schadstoffe“, hieß der Slogan. An den Zapfsäulen selbst durfte allerdings nichts verändert werden. Also schuf das Team von Ottenwälder und Ottenwälder eine unverwechselbare Zapfpistole: Mit ihrem markanten Bügel orientiert sie sich an der Formel 1, wo die Boliden blitzschnell beidhändig betankt werden. „Der zweite Handgriff steht für Kraft, für Power“, sagt Petra Kurz-Ottenwälder. Völlig klar, wie sich diese Zapfpistole fühlt.

 

„Der zweite Handgriff steht für Kraft, für Power.“

Petra Kurz-Ottenwälder, Industriedesignerin
Die Aral-Zapfpistole. F.: Ottenwälder und Ottenwälder

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare