Standort Lorch

„Gutes Fundament, um die Stadt weiterzuentwickeln“

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Luftbild Lorch.
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Mit einem Stadtentwicklungsplan 2035 will sich Lorch langfristig für die Zukunft aufstellen. Schwerpunkte liegen auf Nachhaltigkeit und Bildung. Auch die Infrastruktur soll gestärkt werden. Die Firmen am Standort entwickeln sich trotz der aktuellen Widrigkeiten gut.

Lorch

Als westlichste Gemeinde der Region Ostwürttemberg hat Lorch natürlich auch die beste Anbindung an den Großraum Stuttgart. „Wir sind als einzige Kommune im Ostalbkreis Teil des VVS-Gebiets“, erklärt Bürgermeisterin Marita Funk. Hinzu kommt die direkte Lage an B29 und B297, die das Remstal mit dem Filstal verbindet: Lorch liegt an einem wichtigen Verkehrsknoten im Westen der Region. Entsprechend attraktiv ist die Stadt für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen.

Marita Funk ist seit 2020 im Amt. Im Mai hat sie damals ihren Posten angetreten, mitten also in der ersten Corona-Welle. „Das hat natürlich persönliche Begegnungen zunächst erschwert“, sagt sie. Die neue Bürgermeisterin und ihre Gemeinde haben die Zeit dennoch genutzt – und einen Prozess eingeleitet, von dem die Stadt mit ihren 11.000 Einwohnern langfristig profitieren soll.

„Im Jahr 2021 haben wir unseren Stadtentwicklungsplan 2035 gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt“, erklärt Funk. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger in den fünf Veranstaltungen und Foren sei vorbildlich gewesen. „Diese breite Basis ist ein gutes Fundament, um die Stadt weiterzuentwickeln.“ Im Plan gibt es die fünf Themenfelder Städtebau, Infrastruktur, Grün- und Freiraum, Gemeinwesen und Soziales sowie Freizeit und Aktivitäten.

Im Stadtentwicklungsplan geht es unter anderem auch um ökologische oder nachhaltige Ziele: So will man etwa den Flächenverbrauch reduzieren oder Hausbesitzer dabei unterstützen energetische Maßnahmen umzusetzen. Zum anderen gilt es für Lorch, mit dem Themenkomplex Jugend, Familie und Schule ein bereits sehr wichtiges Pfund weiterzuentwickeln. Die Stadt hat zwei Grundschulen, eine Realschule und ein Gymnasium. Letzteres könnte ein Sportprofil erhalten, was ein Alleinstellungsmerkmal darstellen würde, wie Funk betont. Ausgebaut wird wiederum die Kinderbetreuung. In Lorch starten im kommenden Jahr die Bauarbeiten für einen zweigruppigen Naturkindergarten. In Waldhausen, dem größten Stadtteil, werden drei Millionen Euro in einen dreigruppigen Kindergarten investiert.

Eines der Themenfelder im Stadtentwicklungsplan 2035 ist aber auch die gewerbliche Entwicklung. Der Wirtschaftsstandort ist bereits gut aufgestellt. Der größte Arbeitgeber der Stadt, der Gasfederhersteller Bansbach Easylift, hatte zum Beispiel seinen Stammsitz in den vergangenen Jahren immer wieder ausgebaut. Mit dem Mahle-Konzern hat man in Lorch einen weiteren großen industriellen Arbeitgeber. Der Schweizer Sensorspezialist Kistler hat sich nach einem Stellenabbau an vielen Standorten vor zwei Jahren im vergangenen Jahr neu ausgerichtet, um auf den Wachstumskurs zurückzukehren. Davon profitiert nun auch der Standort Lorch, an dem rund 180 Menschen arbeiten. Trotz der Sparmaßnahmen vor knapp zwei Jahren hat sich sowohl die Zahl der Mitarbeitenden als auch die Betriebsfläche (auf 7000 Quadratmeter) in Lorch in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt.

Anfang des Jahres 2022 hat die Aradex AG mit Hauptsitz in Lorch die Weichen für die Zukunft gestellt: Die beiden Firmengründer Michael Schlingmann und Thomas Vetter sowie Gerd Günther zogen sich aus der Vorstandschaft zurück, Dr. Stefan Hellfeld (als CEO) und Dr. Yupeng Wang (als CTO) übernehmen beim Lorcher Unternehmen das Steuer. Bereits seit Ende 2019 gehört das Unternehmen mit seinem rund 70 Mitarbeitenden zur chinesischen Weichai-Gruppe. Hinzu kommen am Standort Lorch unter vielen anderen Verpackungsspezialist Pfäffle, Maschinenbauer wie LAS oder Bock oder die Steuerberatungsgesellschaft Schmid & Scholz. Neben den größeren Firmen verfügt der Standort zudem über zahlreiche, innovative Handwerksbetriebe wie das Autohaus Schramel.

Firmenneuzugänge haben es am Wirtschaftsstandort Lorch indes schwer. „Die Nachfrage nach Gewerbeflächen ist durchaus vorhanden, wir können den Interessenten allerdings aktuell keine Flächen anbieten“, sagt Funk. Langfristig sei zwar eine Ausweisung von weiteren, eher kleineren Flächen möglich, konkret ist derzeit aber nichts.

Potenzial sieht Funk vor allem auf dem Binz-Areal im Westen der Stadt. Die Flächen der ehemaligen Lorcher Traditionsfirma, die auf dem Areal einst zum Beispiel Bestattungsfahrzeuge und Rettungswagen baute, wurden von einem Investor übernommen, derzeit wird das Gelände allerdings lediglich als Lagerfläche genutzt, was auch mit der wirtschaftlichen Unsicherheit in Folge der Corona-Pandemie und nun aktuellen Energiekrise zu tun. „Wir sind optimistisch, dass sich hier in Zukunft etwas bewegen wird“, sagt die Bürgermeisterin.

Angegangen hat die Kommune den Breitbandausbau der weißen Flecken in der Gesamtstadt, unter anderem im östlichen Gewerbegebiet im Bereich der Hohenstaufenstraße. Dort gibt es noch einen der wenigen, sogenannten weißen Flecken im Lorcher Stadtgebiet. 2020 hatte die Stadt bereits einen Förderantrag gestellt, die Ausschreibung ist inzwischen abgeschlossen, 2023 soll die Erschließung starten. Ebenfalls gefördert werden soll im Rahmen des Landessanierungsgebiets der Stadtteil Waldhausen. Hier hat sich Lorch um eine Zuwendung beworben: Mit 4,85 Millionen Euro könnte das Programm die Pläne unterstützen, die das Architekturbüro Zoll zusammen mit der Landsiedlung ausgearbeitet hat. Eine der größeren Aufgaben in Lorch ist der Hochwasserschutz. Dessen Ausbau wird in einzelnen Bauabschnitten realisiert, drei wurden bereits abgeschlossen, der vierte startet im kommenden Jahr, rund 1,7 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen. Ein ehrgeiziges Projekt stellt schließlich die Generalsanierung der Kläranlage dar. Rund acht Millionen Euro dürfte diese kosten – allerdings ist es ein besonders nachhaltiges Investment. Denn dank neuster Technologie und angeschlossenem Blockheizkraftwerk erzeugt die Kläranlage die Hälfte der benötigten Energie selbst. Auch das ist ein Beitrag der Stadt zur eigenen nachhaltigen Entwicklung.

Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk.

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