Mailänder: „Die Betreuung von Interessenten ist Chefsache“

+
Bürgermeister Jürgen Mailänder
  • schließen

Interview Jürgen Mailänder, seit 2002 Bürgermeister von Hermaringen, sieht gewichtige Gründe, warum sich Betriebe in der Gemeinde im Unteren Brenztal ansiedeln sollten.

Hermaringen

Mit rund 2200 Bürgerinnen und Bürgern gehört Hermaringen einwohnermäßig zwar zu den kleineren Gemeinden Ostwürttembergs. Dennoch muss sich der Heimatort des Widerstandshelden Georg Elser nicht verstecken: Eine gesunde Wirtschaftsstruktur macht Hermaringen zum attraktiven Standort. Größter Betrieb in der Gemeinde ist Hauff-Technik, Spezialist für Kabelabdichtungen und Hauseinführungen, der sich im Jahr 2014 in Hermaringen niedergelassen hat. Weitere Betriebe in Industrie und Handwerk sorgen für eine besonders hohe Steuerkraft pro Einwohner. Und auch zum Wohnen ist Hermaringen, umgeben von Äckern, Wiesen, Wäldern und ökologisch wertvollen Heideflächen llandschaftlich reizvoll im Unteren Brenztal gelegen, eine beliebte Adresse. Jürgen Mailänder, seit dem Jahr 2002 Bürgermeister von Hermaringen, erklärt im Interview mit der Wirtschaft Regional die aktuelle Lage in seiner Gemeinde.

Wie haben sich die Wirtschaftsbetriebe Hermaringens in den vergangenen Jahren entwickelt?

Unsere Betriebe sind nach wie vor erfolgreich. Die Pandemie hatte bisher hinsichtlich der Gewerbesteuer für die Gemeinde keine negativen Auswirkungen. Im Januar 2021 hat die Firma Hauff-Technik für 17 Millionen Euro auf 5500 Quadratmetern ein hochmodernes Logistik-Zentrum eröffnet. Auch die Firma Moroff+Baierl hat in dieser Zeit eine weitere Produktionshalle erstellt. Das Projekt wurde durch die Programme EFRE und „Spitze auf dem Land“ gefördert. Durch die Erschließung der Einsteinstraße konnten zwei einheimischen Betrieben – Garten- und Landschaftsbau und Klauenpflege – neue Möglichkeiten eröffnet werden.

Welche Projekte stehen unmittelbar bevor?

2023 erfolgt die Erschließung des Gewerbegebiets „Berger Steig – Ost“, wodurch 36.000 Quadratmeter neue Gewerbefläche entstehen werden. Eine Neuansiedlung – ein Natursteinbetrieb – aus dem Landkreis sowie eine Aussiedlung eines ortsansässigen Fliesenlegebetrieb sind bereits erfolgt. Die Nachfrage weiterer Interessenten ist da. Gegenüber der Firma Hauff-Technik wird sich die Firma Bamberger aus dem bayerischen Gundelfingen neu ansiedeln. Der Baustart ist für das Jahr 2024 geplant. Bamberger beschäftigt sich mit Produkten aus Elastomeren und bringt circa 60 Arbeitsplätze mit nach Hermaringen.

Was spricht dafür, sich als Betrieb in der Gemeinde Hermaringen anzusiedeln?

Die hervorragende Verkehrsanbindung durch eine direkte Zufahrt des Gewerbegebiets zur Bundesstraße 492. Von dieser sind es 5 km ohne weitere Ortsdurchfahrt zur Bundesautobahn A7 – Ausfahrt Giengen/Herbrechtingen). Seit dem 2021 fertiggestellten Ausbau der B 492 zwischen Hermaringen und Brenz (Ortsteil von Sontheim an der Brenz, die Redaktion) verfügen wir auch über eine schnelle Bundesstraßenverbindung in den Raum Dillingen/Augsburg. Durch den Bahnhof Hermaringen an der Brenzbahn mit stündlichen Verbindungen nach Ulm und Aalen erschließen sich die Betriebe einen größeren Mitarbeiterkreis, vor allem auch bei überzeugten ÖPNV-Nutzern. Zudem ist das gesamte Gewerbegebiet mit Glasfaser versorgt und die Betreuung der Interessenten Chefsache.

Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren einige wichtige Infrastrukturprojekte verwirklicht. Welche waren das im Einzelnen?

Seit 2019 hat die Gemeinde das Bahnhofsumfeld völlig neugestaltet und in ihrer Mitte ein Wohn- und Gesundheitshaus errichten lassen. Nach 14 Jahren Vakanz sind in die gemeindeeigenen Praxisräume junge Ärzte eingezogen. Gemeinsam mit diesen wurde im Mai 2022 die deutschlandweit erste gemeinnützige Bürgergesundheitsgenossenschaft gegründet, die mittlerweile nahezu 350 Mitglieder hat. Die Kreisbau hat zwei Mietwohngebäude mit 17 Wohnungen fertiggestellt. 2020 ging das Seniorenpflegezentrum der Johanniter mit 75 vollstationären Plätzen, einer Kurzzeitpflege, Tagespflege und einem öffentlichen Restaurant in Betrieb. Darüber hinaus wurde der Schulhof der Grundschule in einen naturnahen Lern- und Lebensraum umgestaltet, ein neuer eingruppiger Kindergarten für unsere Vorschulkinder in der Nachbarschaft der Grundschule gebaut und ein Ersatzneubau einer Straßenbrücke fertiggestellt. Unsere Kläranlage besitzt nach ihrer Sanierung/Optimierung die beste Reinigungsleistung im Landkreis, rund 25 Prozent des benötigten Stroms wird von einer durch unsere Bürgerenergiegenossenschaft errichteten PV-Anlage bereitgestellt. Außerdem wurden zwei Spielplätze neu gebaut.

Welche Infrastrukturvorhaben werden in naher Zukunft verwirklicht?

Derzeit wird ein Ersatzneubau für die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Bahnlinie erstellt, Fertigstellung im April 2023. Im Frühjahr erfolgt er Neubau eines Pumptracks sowie eines Multisportfeldes für unsere Kinder und Jugendlichen. Im Anschluss an die Sanierung/Optimierung der Kläranlage erfolgt die Sanierung beziehungsweise Optimierung der Regenüberlaufbecken und Pumpwerke. Ein Dauerthema sind die Sanierung des Wasserleitungsnetzes und der Straßen. Auch das Radwegekonzept sollt umgesetzt werden. Darüber hinaus wollen wir uns weiter mit dem Thema Energiewende beschäftigen.

Rathaus und Ortsmitte von Hermaringen. Fotos: Archiv
Der jüngst um ein Logistikzentrum erweiterte Stammsitz von Hauff Technik. Foto: Hauff Technik

Zurück zur Übersicht: Standort

Kommentare