Starthilfe für den Wald

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Revierleiter Peter Kommander (links) und Sachgebietsleiter Christoph Humpf
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Durch Dürren, Stürme und Käferbefall sind viele Wälder geschädigt und müssen durch Neupflanzungen ersetzt werden. Forstbesitzer erhalten dafür nun Hilfsgelder vom Land.

Abtsgmünd

Reihenweise hellgrüne Röhren bevölkern das Waldstück Trögle an einem Südhang im Abtsgmünder Gemeindeforst. Genauer gesagt sind es 1406 Wuchshüllen, Minigewächshäuser aus vollständig abbaubaren Kunststoff. In ihnen stecken ebenso viele Pflänzchen, künftige Eichen, Elsbeeren, Hainbuchen und Linden. Im Herbst 2021 wurden sie gepflanzt. Vorher stand hier ein Fichtenwald. Oder besser: seine von Borkenkäfer, Dürre und Sturm mitgenommenen Reste. Wer seinen geschädigten Wald derart runderneuert – egal ob Kommune oder Privatwaldbesitzer – erhält jetzt satte Förderung vom Land.

Die Situation im Trögle war traurig: Der 60-jährige Fichtenbestand war durchlöchert, erzählt Revierleiter Peter Kommander. Zwar hatten die Stürme Eberhard im März 2019 und Sabine im Februar 2020 ganz so schlimm gewütet wie andernorts. Dafür leistete der „Käfer“ ganze Arbeit. Und der wiederum hatte nach mehreren Dürresommern leichtes Spiel in den geschwächten Beständen. Unter den vereinzelten Bäumen wucherten Holunder, Salweide, Brombeere meterhoch, machten ein Durchkommen fast unmöglich. „Und vereinzelt stehende Bäume fallen Ihnen irgendwann um“, erklärt Christoph Humpf, Sachgebietsleiter im Forstdezernat des Landratsamtes.

Eichen für Klimawandel besser gewappnet

„Die letzten Jahre gab es hier nur zufällige Nutzung“, sagt Förster Kommander. Also gleichsam Not-Fällungen, keine planmäßige Ernte stattlicher Bäume, die ihr Hiebalter erreicht hatten – bei der Fichte 60 bis 80 Jahre. Nun sollen hier zu 80 Prozent Eichen wachsen. Dieser Laubbaum benötigt im Vergleich zu Fichte und Tanne auch im frühen Stadium dringend Sonnenlicht. Das  macht die natürliche Verjüngung – junge Bäume wachsen im Schatten der alten hoch – schwierig. Bis man die frisch gepflanzten Eichen einmal für Möbel, Fußböden oder gar edle Barrique-Fässer hauen kann, dürften 150 Jahre ins Land gehen.

Andererseits sind sie für den Klimawandel, der höhere Temperaturen Extremereignisse mit sich bringt, einigermaßen gewappnet. Hier auf 450 Höhenmetern im Schwäbischen Wald fühlen sich die ursprünglich alpinen Fichten ohnehin nicht wohl. Die Elsbeere, die aus Weinbauregionen stammt, liebt dagegen die Wärme. Beim Nadelholz versprechen sich die Förster viel von der wärmeresistenteren Douglasie.

Am Umbau geschädigten Waldes sollen sich auch die Waldbesitzer – Waldbauern, Kommunen, Kirchen – beteiligen, und das Land fördert sie. Zum einen beraten die Förster kostenlos, was Holzernte und Bestandspflege angeht, zeichnen Bäume aus, bei denen Fällen sinnvoll ist. „Wir werden häufig gefragt bei Käferbefall, Sturmholz, Trockenschäden“, sagt Kommander. Was ist bei Noternte, Entrinden oder Hacken von gefährdetem Holz zu beachten?

Sie sind aber auch die ersten Ansprechpartner, wenn es um finanzielle Förderung geht. Seit 2020 können Waldbesitzer sechs Euro Förderung pro Festmeter Schadholz beantragen. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter Holzmasse ohne Zwischenräume – etwa so viel, wie ein mittlerer, ausgewachsener Baum hergibt. Die Folgen von Orkan Sabine sorgten 2020 dafür, dass im Ostalbkreis fast 450 000 Euro Fördermittel ausbezahlt wurden, wie Christoph Humpf erzählt. 2021 war dagegen mit 130 000 ausbezahlten Euro ein vergleichsweise ruhiges Jahr. Zusätzliche Förderung kann fließen, wenn Maßnahmen gegen den Borkenkäfer getroffen oder Bäume zur Verkehrssicherung gefällt werden. Über die genauen Bedingungen gibt das Forstdezernat des Landratsamtes mit seinen Förstern Auskunft.  

Förderschwerpunkt ist die Neupflanzung. Waldbesitzer, die sich beteiligen, bekommen als Förderung für jede Pflanze 1,60 Euro sowie weitere 1,70 Euro pro Wuchshülle. Sie können sich zweimal das Ausmähen von Gestrüpp fördern lassen. Laut Förster Peter Kommander hat die Neubepflanzung des Abtsgmünder Trögle die Gemeinde insgesamt 6050 Euro gekostet – das wurde mit 3600 Euro, also rund 60 Prozent, gefördert. Allerdings kamen bei dieser vorbildlichen Aufforstung auch teurere Pflanzen zum Einsatz, wie die Elsbeere, die nicht einen sondern sechs Euro kostet. Für Privatwaldbesitzer, schätzt Humpf, macht die Förderung meist 70 bis 80 Prozent aus.

Sein Dezernat erklärt Waldbesitzern auch, welche Voraussetzungen sie für die Förderung erfüllen müssen: Der Wald muss mindestens 1000 Quadratmeter groß sein, bei der Wiederaufforstung müssen mindestens 40 Prozent Laubbäume und weniger als 50 Prozent fremdländische Arten wie Douglasie oder Roteiche zum Einsatz kommen.

„Die Förderung wird gut angenommen, wir sind stark beschäftigt“, sagt Humpf, der hofft, dem Ziel stabile, standortgerechte und klimaanpassungsfähige Wälder immer näher zu kommen.

Die Förderung wird gut angenommen.“

Christoph Humpf, Sachgebietsleiter im Forstdezernat

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