Tarifrunde auf der Ostalb: IG Metall verschickt Fragebogen

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Auf dem Weg zur Tarifkonferenz (von links): Betriebsbetreuer Fabian Fink, 2. Bevollmächtigte Josef Mischko und Peter Yay Müller sowie Tarifsekretärin Yvonne Möller.
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Was die Gewerkschaft in der kommenden Tarifrunde für die baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie fordert, sollen die Belegschaften per Fragebogen mitbestimmen.

Aalen

Der Tarifvertrag in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie gilt zwar noch bis Ende September. Dennoch haben sich Verantwortliche der IG-Metall-Geschäftsstellen Aalen und Schwäbisch Gmünd bereits am Dienstag mit rund 150 Vertretern aus 45 Betrieben zur Tarifkonferenz in der Stadthalle Aalen getroffen. Mit welchen Forderungen die Gewerkschaft ab 30. Juni in die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern geht, sollen die Belegschaften mitbestimmen – per Kreuzchen auf Fragebögen.

Die Gewerkschaft stellt die Fragebögen den Betrieben ab dem 2. Mai zu. Nicht nur Gewerkschaftsmitglieder, sondern alle Beschäftigten können ankreuzen, wie sie die aktuelle wirtschaftliche Situation und die Zukunftsaussichten in ihrem Betrieb beurteilen und welche Ziele die Tarifbewegung ihrer Meinung nach verfolgen soll. Drei Antwortalternativen sind beispielsweise: „Im Moment ist keine Zeit für große Sprünge“, „Es geht um den Erhalt der Kaufkraft“ oder „Den Unternehmen geht es gut, jetzt ist die Zeit für eine Umverteilung.“

„Wir haben einen extra frühen Zeitpunkt gewählt, weil wir die Beschäftigten mitnehmen wollen“, so Yvonne Möller vom Tarifteam der IG-Metall-Bezirksleitung am Dienstag in Aalen. Den aktuell gültigen Tarifabschluss hatten IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall vor gut einem Jahr ausgehandelt. Er beinhaltete unter anderem eine Lohnsteigerung um 2,3 Prozent über Einmalzahlungen. Vereinbart wurde damals ein sogenanntes Transformationsgeld, das in mehreren Tranchen ausbezahlt oder – wenn zur Sicherung der Arbeitsplätze Arbeitszeit reduziert wurde – für einen teilweisen Entgeltausgleich verwendet wurde.

Für Peter Yay Müller, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Schwäbisch Gmünd, ist die Befragung entscheidend: „Wir müssen einschätzen, wie durchsetzungsfähig wir sind. Wo sind die Ängste? Wie ist die Stimmungslage?“ Sein Aalener Kollege Josef Mischko weist auf die schwierigen Umfeldbedingungen hin. Einerseits müssten viele Betriebe und ihre Beschäftigten die Transformation meistern, dazu habe Corona die Tarifrunde bereits massiv belastet. „Dann der unselige Krieg in der Ukraine, der ein Treiber für steigende Energiekosten, Inflation und Lieferkettenprobleme ist.“ Er beteuert aber: „Die Tarifrunde fällt nicht aus. Wir ziehen sie trotz schwieriger Bedingungen durch. Eine Nullrunde wird es für uns nicht geben“. Auch, wenn die Befragung noch aussteht, gebe es aus den Belegschaften klare Signale. „Die Kollegen wollen nicht nur Einmalzahlungen, sondern, dass etwas in die Tabelle reingeht“, so Mischko. Er meint damit dauerhafte Entgelterhöhungen in der Tariftabelle. Die letzten habe es 2018 gegeben.

Aalen und Gmünd erstmals mit gemeinsamer Kampagne

Peter Yay Müller weist überdies auf Betriebe hin – alleine zehn sind es im Raum Gmünd – die zwar nicht Mitglied bei Südwestmetall sind, sich mit ihren Haustarifen aber am Flächentarif orientieren. „Die beziehen wir mit ein“, so Yay Müller, „es ist wichtig, dass die Schere zwischen tarifgebundenen und nicht-tarifgebunden Unternehmen sich schließt.“ Bei Voestalpine etwa, seit zehn Jahren mit eigenem Haustarif, schließe sie sich langsam. „Andere Unternehmen wie Eurotech und Techniplas haben erlebt, dass ihre Billigstrategie nicht aufgeht“, spielt der Gewerkschafter auf zwei aktuell in Schwierigkeiten geratenen Betriebe an. 

Mit den Ergebnissen der deutschlandweiten Befragung sollen bis 30. Juni die Forderungen formuliert werden. Bis dahin kündigt Mischko „nahezu wöchentliche Aktionen“ der IG-Metall-Partner aus Aalen und Gmünd an, die erstmals gemeinsam eine Tarifkampagne gestalten. Mit zusammen mehr als 20.000 Mitgliedern sende man das Signal „ostalbweit Entschlossenheit", so Yay Müller. Noch kämpferischer gibt sich Mischko mit „ostalbweit streikbereit.“

Das Signal lautet: ostalbweit streikbereit.“

Josef Mischko, IG Metall Aalen

Der Tarifvertrag in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie läuft, wenn er zum 30. Juni gekündigt wird, Ende September aus. Die Friedenspflicht endet am 28. Oktober, dann sind Streiks möglich. Allgemein wird davon ausgegangen, dass sich die Vertreter von IG Metall und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall Mitte September zu den ersten Verhandlungen treffen.

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