Kommentar

"Toxischer Cocktail"

+
Robert Schwarz

Robert Schwarz über die gestoppte KfW-Förderung

Wer baut, braucht verlässliche Partner: Sei es die finanzierende Bank, den Handwerker auf der Baustelle oder den Arbeitgeber, der pünktlich Lohn oder Gehalt überweist. Bislang war einer der verlässlichsten Partner der Staat. Diese Gewissheit wackelt. Mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die Förderung für energiesparendes Bauen gekappt, tausende Bauherren und Investoren stehen im Regen, ringen um die Finanzierung oder kippen Projekte, mit denen tausende Wohnungen oder Häuser entstanden wären, die angesichts der Wohnungsnot im Land dringend gebraucht würden. Es ist sinnvoll, Förderprogramme neu anzupassen, um Mitnahmeeffekte zu minimieren. Oder zu reagieren, wenn die Töpfe leer sind. Doch das Hauruck-Aus samt gestiegener gesetzlicher Anforderungen an den privaten Häuslebauenden, der oder die sich zum Beispiel ab 1. Mai eine PV-Anlage aufs neue Dach packen muss, ergeben mit den immer weiter steigenden Baukosten einen toxischen Cocktail, der nicht nur nicht die gut situierte Häuslebauerin auf der Ostalb in Rage, sondern im schlimmsten Fall die boomende Baukonjunktur zum Erliegen bringen könnte, die sich in der Corona-Krise als Stütze erwiesen hat. Von den tausenden Menschen, die händeringend auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind, ganz zu schweigen. Natürlich ist es immer leicht, auf den Staat zu schimpfen, Forderungen zu stellen. In diesem Fall wäre letztere aber überschaubar: die nach Verlässlichkeit. Mehr nicht.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare