Triumph: Wie es weitergeht

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Triumph zieht sich größtenteils vom Standort Aalen zurück.
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Das Aus für die Logistik in Aalen kam auch für die 71 Beschäftigten wenig überraschend. Was die Entscheidung für den Standort Heubach und das Aalener Areal heißt.

Aalen

Die Nachricht, das der Textilkonzern Triumph sein Logistikzentrum in Aalen mit 71 Beschäftigten in 56 Vollzeitstellen zum Jahresende schließt, kam nicht ganz überraschend. Schon 2016 hatte der in Heubach gegründete Dessous-Hersteller, der seinen Hauptsitz heute im Schweizer Bad Zurzach hat, angekündigt, Aalen zugunsten von Wiener Neustadt in Österreich und Obernai in Frankreich aufzugeben. Auch für große Teile des Firmengeländes im Aalener Süden gibt es längst andere Pläne. Dennoch trifft die endgültige Schließung viele Beschäftigte hart.

Für die IG Metall als Vertreterin der Textil- und Bekleidungswirtschaft geht es nun darum, einen Interessenausgleich für die 71 Beschäftigten auszuhandeln. „Hier geht es um Vorruhestandsregelungen, Abfindungen, Prämien und den möglichen Wechsel der Beschäftigten in eine Transfergesellschaft unter dem Dach von Mypegasus“, sagt Gewerkschaftssekretärin Cynthia Schneider. Sie hofft, dass es den jetzt betroffenen Beschäftigten ähnlich geht wie bei der großen Streichrunde bei Triumph, als im Jahr 2018 am Logistikstandort Aalen 300 von 380 Stellen abgebaut wurden. 93 Prozent der Menschen, die damals in die Transfergesellschaft wechselten, konnten in andere Beschäftigungen vermittelt werden.

Ab 2016 umfangreiche Protestaktionen

Als die Entscheidung von der langfristigen Schließung 2016 verkündet wurde, war es zu massiven Protestaktionen und -märschen der Gewerkschafter in Aalen gekommen, die sogar in der Schweizr Konzernzentrale anklopften. Viele Beschäftigte hätten bereits mit der Entscheidung gerechnet und seien nun erleichtert gewesen, wenigstens rechtzeitig informiert worden zu sein, so Gewerkschafterin Schneider.

Dass der Entschluss für das Aus am Standort Aalen nicht schon früher gefallen ist, hat womöglich auch mit der lange unklaren Lage bei der Modefirma Esprit zu tun: Nachdem Triumph die Logistik der eigenen Produkte bereits von Aalen wegverlagert hatte, wurde in Aalen nur noch das Fremdlager für andere Marken, vor allem für Esprit, betrieben. Nach dem Einstieg der North Point Talent Limited aus Hongkong als größter Aktionär bei Esprit im Sommer 2020 fiel offenbar dort die Entscheidung, nicht mehr am Logistikstandort Aalen festzuhalten.

Marc O’Polo als neuer Kunde der Corsina Europe

Ein Sprecher von Triumph nennt auf Nachfrage außerdem Marc O’Polo als weiteren ausschlaggebenden Kunden aus der Textilbranche: „Die Entscheidungen im Hinblick auf das Logistikzentrum Aalen wurden unter anderem im Zusammenhang mit der Wachstumsstrategie der Firma Corsina Europe GmbH getroffen. Corsina Europe, die in Heubach ansässige Privat-Label-Tochter der Triumph Gruppe, hat mit dem Neukunden Marc O’Polo eine Exklusivvereinbarung für Entwicklung, Sourcing und Vertrieb geschlossen.“

Auf den Standort Heubach indes, wo aktuell rund 300 Mitarbeitende beschäftigt sind, habe die Entscheidung „grundsätzlich keine Auswirkungen“, so der Sprecher. Cynthia Schneider von der IG Metall macht, auf Heubach angesprochen, nur allgemeine Aussagen: „Am Schluss beeinflussen sich die verschiedenen Standorte eines Unternehmens immer gegenseitig. Man wird sehen müssen, was in Heubach passiert.“

Neues Gewerbeareal geplant

Pläne, das Triumph-Areal mit Gewerbebauten und Werkswohnungen auf insgesamt sieben Hektar neu zu überplanen, sind bereits im vergangenen Herbst öffentlich geworden. Dazu heißt es aktuell schriftlich vom Triumph-Konzern: „Mit den JV-Partner (mit der iLive Holding GmbH und der Wohnungsbau Aalen GmbH) ist der Planungsprozess zur Aufstellung eines Bebauungsplans für das Werksgelände gestartet worden und es wurden erste Gespräche mit potenziellen Interessenten beziehungsweise Investoren geführt. Ein konkreter Zeitplan kann in diesem Stadium noch nicht genannt werden.“

„Diese Entscheidung hat grundsätzlich keine Auswirkungen auf den Standort Heubach.“

Olav Kratz, Triumph-Sprecher

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