Trotz Corona: Krankenstand stabil

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In Aalen sank der Krankenstand, in Gmünd und Ellwangen blieb er 2020 stabil. Grafik: BO
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Die AOK stellt Zahlen für die Region vor: Warum sich die Pandemie im vergangenen Jahr trotz stabiler Statistik dennoch auf die Krankenstände in Ostwürttemberg ausgewirkt hat.

Schwäbisch Gmünd.

Der März ließ Böses ahnen. Vor rund einem Jahr war der Krankenstand, also der Anteil an Arbeitnehmern, die arbeitsunfähig sind, massiv angestiegen. "Damals lag der Krankenstand deutlich über jenem des Vorjahresmonats", erklärte Maria Hartmann, Koordinatorin Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK, bei der Vorlage des Gesundheitsberichts der größten Krankenkasse in der Region.

Doch der Trend verfestigte sich nicht. In den übrigen Monaten lag der Krankenstand stabil unter jenen des jeweiligen Vormonats, in Summe ergibt das 5,3 Prozent im Ostalbkreis. Die Region rangiert mit einem Schnitt von 5,4 Prozent ebenfalls oberhalb des Jahreswerts des Landes (5,1 Prozent). Die Unterschiede zu den Vorjahren machen sich in den Details bemerkbar.

Von 100 Ostälblern haben sich im vergangenen Jahr rund 58 mindestens einmal krankschreiben lassen. Genau sind es 57,6 Prozent, zwei Prozentpunkte weniger als im Jahr 2019. Allerdings fielen diese Arbeitnehmer deutlich länger aus. "Im Durchschnitt lag die Falldauer bei 12 Tagen im Ostalbkreis und 12,4 in der Region Ostwürttemberg", führt Hartmann aus. Das sei ein deutliches Plus von 13 bis 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Einer der Gründe ist der deutliche Anstieg von Langzeiterkrankungen. Etwa zwei Fünftel aller AU-Tage gingen auf Erkrankungen, die länger als sechs Wochen dauerten, zurück."

Woran das liegt, können die Zahlen nicht restlos erklären, Hartmann und Hans-Joachim Seuferlein, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, gehen jedoch davon aus, dass die Pandemie daran ihren Anteil hat. Die Beschäftigten könnten etwa aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 auf Arztbesuche verzichtet haben. Zum anderen könnte sich hier die angespannte Lage einiger Firmen in der Region auswirken: In wirtschaftlichen Krisenzeiten lassen sich Arbeitnehmer seltener krankschreiben als während prosperierender Konjunktur. Wenn sie schlussendlich doch zum Arzt gingen, resultiere das häufig in einer längeren Ausfallzeit.

Und: Psychische Erkrankungen sind weiter auf dem Vormarsch. Sie sind inzwischen für 10,6 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich und rangieren vor den Verletzungen (9,7 Prozent), aber hinter den Atemwegserkrankungen (12,8 Prozent) auf Platz Drei der Krankheiten mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen. Was vor allem auffällt: Die durchschnittliche Falldauer einer psychischen Erkrankung steigt um rund drei auf nunmehr 28,7 Tage. Muskel- und Skeletterkrankungen bleiben jedoch Spitzenreiter. Sie sind ursächlich für ein Viertel aller Fehltage.

Wenn es der Wirtschaft gut geht, ist der Krankenstand höher.

Hans-Joachim Seuferlein AOK Ostwürttemberg

Am häufigsten krank sind Beschäftigte aus der öffentlichen Verwaltung und den Sozialversicherungen. Hier liegt der Krankenstand im Ostalbkreis bei 6,5 Prozent. Am "gesündesten" sind Mitarbeiter bei Banken und Versicherungen, wo er bei 3,8 Prozent rangiert. In der Region liegen Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft vorne, hier sind nur 3,5 Prozent der Mitarbeitenden im Schnitt krank.

Die Zahl der Krankmeldungen wegen einer Atemwegserkrankung ging trotz Corona zurück. "Die Hygiene-Regeln verhinderten auch die Ausbreitung von anderen jahreszeitlich vorhandenen Bakterien und Viren", erklärt Seuferlein. Daran änderte auch die im vergangenen Jahr eingeführte Option, sich wegen eines Infekts telefonisch krankmelden zu können, nichts. "Das hatte überraschenderweise keine Auswirkung auf die Zahl der Krankmeldungen", so Seuferlein. Für ihn ist es zudem ein Indiz, dass mit dieser Möglichkeit verantwortungsbewusst umgegangenen worden sei.

U7.01 oder U07.2 lauten die Codes, mit denen Ärzte Corona auf dem Krankenschein vermerken. Die 1 kennzeichnet Fälle, bei denen das Virus durch einen Labortest nachgewiesen wurde. Die 2 ist für Fälle vorgesehen, bei denen das Virus nicht durch einen Labortest nachgewiesen wurde, die Erkrankung anhand eines klinischen sowie epidemiologischen Kriteriums vorliegt. Im Ostalbkreis kamen 2020 auf 100 000 Versicherte 2165 Covid-Erkrankte. Damit liegt der Kreis deutlich unter dem Landesschnitt von 2520 je 100 000 Versicherten. Auch die Region rangiert in diesem Bereich.

Auswirkungen hatte die Pandemie auf das betriebliche Gesundheitsmanagement der AOK, bei der in der Region Ostwürttemberg rund 175 000 Menschen versichert sind. "Wir haben unsere digitalen Angebote deutlich ausgebaut", erklärt Hartmann. Dazu gehörten Apps, interaktive Seminare oder auch entsprechende Videos.

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