Trotz Rekordjahr sinkt der Gewinn

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Der Vorstand der Kreissparkasse Ostalb (von links): Markus Frei, Vorsitzender Andreas Götz sowie Dr. Christof Morawitz.
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Der Niedrigzins plagt auch die Kreissparkasse Ostalb – dennoch ist der Vorstand mit dem Jahr 2018 zufrieden. Das liegt nicht nur am boomenden Kreditgeschäft.

Aalen

Vor einigen Jahren wäre die Bilanz der Kreissparkasse Ostalb ein Quell der Superlative gewesen: Erstmals mehr als fünf Milliarden Euro Bilanzsumme, die Einlagen wachsen um 4,7 Prozent auf 4,04 Milliarden Euro, das Kreditvolumen um 5,3 Prozent auf rund 3,38 Milliarden Euro. Selbstredend sind das alles Rekordzahlen. Heuer sagt Vorstandschef Andreas Götz nur: "Wir sind zufrieden."

Die verhaltene Begeisterung über die Rekorde liegt vor allem am dauerhaften Nullzins, der die Kreissparkasse plagt – und an einer Zahl besonders deutlich wird: Der Passiv-Überhang beträgt zum Stichtag 31.12.2018 rund 668 Millionen Euro. Um diese Summe übersteigen also die Einlagen die ausgegebenen Kredite. "Das hätte uns früher gefreut", sagt Götz. "Heute tut es das nicht mehr so sehr." Denn es ist Geld, das die KSK anlegen muss, etwa zu Minuszinsen bei der Bundesbank. "Das kostet uns pro Jahr rund 3,5 Millionen Euro", erläutert der KSK-Chef.

Kein Wunder also, dass die Bank 2018 weniger Gewinn erwirtschaftet hat. Der Zinsüberschuss ging um 4 auf 82 Millionen Euro zurück, das Betriebsergebnis vor Bewertung sank von 35,9 auf 32,4 Millionen Euro. Diese Entwicklung ist noch nicht am Ende. "Vor dem Hintergrund der Nullzinspolitik ist ein weiterer Rückgang nicht zu vermeiden", sagt Götz. Allerdings glaubt er, dass 2020 "der Boden der Entwicklung" erreicht werde.

Über Plan. Trotz der schwierigen Zinslandschaft ist der Vorstand um Götz, Dr. Christof Morawitz und Markus Frei mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden. "Wir liegen in allen relevanten Kennzahlen über unserem Plan", so Götz. Der Ertrag sei etwa höher ausgefallen als geplant.

Das liegt unter anderem an der bis vor kurzem boomenden Konjunktur und der regen Geschäftstätigkeit der Bank, die sich vor allem im Kreditgeschäft widerspiegelt: Alleine an Unternehmenskunden vergab die KSK mehr als 400 Millionen Euro an neuen Krediten. Absolut stieg das Kreditvolumen allerdings nur um 89 Millionen Euro oder 6,4 Prozent. "Wir rechnen für das Jahr 2019 mit einer weiterhin spürbaren Kreditnachfrage", erklärt Markus Frei. Die Konjunktur sei aktuell "robust mit leichten Eintrübungen".

Bauboom. Der Bauboom macht sich in der Bilanz der KSK bemerkbar. Um 61 Millionen Euro sind die Kredite an Privatkunden gestiegen, "getragen insbesondere durch Baufinanzierungen", wie Christof Morawitz erklärt. Er rechnet auch für das aktuelle Jahr mit einer "dynamischen Nachfrage nach Immobilienkrediten". Seit 2014 steige das Real-Einkommen, das stimuliere die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern. So kam auch das "historisch gute Ergebnis bei der Vermittlung von Bausparverträgen" zustande: Das Volumen stieg um satte 34 Prozent auf 166 Millionen Euro. Die Sparkassentochter S-Immobilien-Ostalb vermittelte im vergangenen Jahr 113 Objekte, ein Plus von 3,7 Prozent. Hier beschränke lediglich das überschaubare Angebot das Wachstum: Es gibt zu wenig Wohnungen und Häuser, die vermittelt werden könnten. Langsam warm werden die Sparer angesichts des Zins-Leidensdrucks mit dem Kauf von Aktien. Das Netto-Wertpapier-Geschäft machte einen spürbaren Satz.

Stellenabbau. Angesichts sinkender Einnahmen versuchen die Banken seit Jahren die Kosten zu senken. Die KSK ist hier keine Ausnahme. Die Personalaufwendungen lagen 2018 mit einem Plus von rund einem Prozent auf 52 Millionen Euro "deutlich unter der Tarifsteigerung von drei Prozent", so Götz. Im vergangenen Jahr sind 17 Stellen weggefallen, auch künftig werde man Arbeitsplätze abbauen. "Tendenziell werden sich die Personalkosten auf diesem Niveau einpendeln", erklärt Götz.

Wir liegen über Plan.

Andreas Götz Vorstandschef KSK Ostalb

Ein Großteil des Gewinns wandert in die Rücklagen. "Wir haben unser Eigenkapital weiter gestärkt", betont Götz. Mit einem Plus von rund 14,5 auf 623,6 Millionen Euro liegen die Eigenmittel auf einem neuen Rekordniveau. "Damit verfügen wir über doppelt so viel Eigenkapital, wie wir eigentlich benötigen", sagt er. Dennoch werde man die Position 2019 weiter stärken – zur Vorsorge bei konjunkturellen Schwankungen.

Die KSK Ostalb in Zahlen 2018 (Werte in Euro, in Klammern ergebnisse des Vorjahres)

  • Bilanzsumme 5,133 Mrd. (4,97)
  • Kundeneinlagen 4,043 Mrd. (3,86)
  • Kreditvolumen 3,375 Mrd. (3,204)
  • Zinsüberschuss 82 Mio. (86)
  • Provisionsüberschuss 26,4 Mio. (27,3)
  • Betriebsergebnis (vor Bewertung) 32,4 Mio. (35,9)
  • Jahresüberschuss 3,9 Mio. (4,2)

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