Über 250 Millionen Euro: Varta holt sich frisches Kapital

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Stammsitz der Varta in Ellwangen.
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Die AG nimmt ein Darlehen über 250 Millionen Euro auf. Was die Ellwanger Firma mit der Finanzspritze vorhat.

Ellwangen

Vorstandschef Herbert Schein hatte bereits vor einigen Wochen eine „Wachstumsoffensive“ angekündigt, nun hat sich Varta über ein Schuldscheindarlehen neues Kapital besorgt. Über ein Konsortium der Banken BayernLB, HSBC und UniCredit hat das Unternehmen Schuldscheindarlehen über insgesamt 250 Millionen Euro am Kapitalmarkt platziert. Das teilt Varta in einer Mitteilung mit. Das Geld will der Ellwanger Technologiekonzern unter anderem in die anlaufende Produktion von Akkus für die Elektromobilität investieren.

„Geplant ist, das Geld für den Ausbau unseres Lithium-Ionen-Geschäfts einzusetzen. Ein Schwerpunkt wird in dem Aufbau von Produktionskapazitäten der großformatigen Rundzelle liegen. Außerdem werden auch die Kapazitäten der kleinformatigen Zellen weiter ausgebaut“, erklärt Varta-Technikchef Rainer Hald.

Der Markt hat das Darlehen offenbar gut angenommen. „Die Nachfrage übertraf das Angebot um mehr als das Vierfache“, erklärt Finanzchef Armin Hessenberger. „Damit haben wir einen großen Schritt zur Finanzierung unserer Wachstumsinitiative abgeschlossen.“

„Das Besondere an diesem Darlehen ist, dass es an die sehr gute Performance der Varta AG im Bereich Nachhaltigkeit geknüpft ist“, erklärt Vorstandschef Schein. Hier unternehme sein Unternehmen schon seit vielen Jahren große Anstrengungen, die „die Varta bereits zum „Green Partner führender internationaler Unternehmen werden ließen. Wir werden hier in der Zukunft noch weitere Schritte unternehmen.“

Mit dem frischen Kapital ist Varta nun finanziell für weitere, größere Investitionen bestens gerüstet. Die dürften vor allem dann anstehen, wenn sich die in die E-Auto-Zelle namens V4Drive gesetzten Hoffnungen erfüllen. Zwar wurde Porsche als Kunde bisher nicht offiziell nicht bestätigt, doch gilt es als offenes Geheimnis, dass der Stuttgarter Autobauer die Varta-Zelle zunächst als Booster für seine Sportwägen einsetzen will. Schein hatte vor einigen Wochen erklärt: „Unsere großformatigen Lithium-Ionen-Hochleistungsrundzellen haben sehr großes Potenzial. Für einen Kunden liefern wir seit Ende 2021 bereits Zellen aus der Pilotproduktion.“ Weitere Gespräche mit weiteren potenziellen Kunden stünden.

In Zukunft will Varta noch größere Zellen für Antriebsbatterien herstellen. Ein Vorhaben, das zu Beginn zunächst viel Kapital kosten wird, aber eben besonders zukunftsträchtig ist. Aber auch das Stammgeschäft mit kleinformatigen Zellen, wie sie in kabellosen Ohrhörer wie den AirPods zum Einsatz kommen, kann Varta dank des frischen Geldes und einer Eigenkapitalquote von 42,6 Prozent, weiter ausbauen.

Das Darlehen über 250 Millionen Euro läuft in vier Tranchen über fünf respektive sieben Jahre, wobei letztere für rund drei Viertel des Gesamtvolumens gelten. Das Geld steht der Varta sofort zur Verfügung, die anfängliche durchschnittliche Verzinsung liegt bei 1,44 Prozent. Die Aktie reagierte auf die Nachricht des Schulscheindarlehens nicht positiv. Am Mittwoch bei 89 Euro gestartet, verlor sie im Tagesverlauf rund 3 Prozent.

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