Ukraine-Krieg stürzt Schuck in die Krise

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Standort von Schuck in Steinheim.
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Nicht nur der Krieg in Osteuropa belastet die Firma aus Steinheim schwer: Die Expansion in den südamerikanischen Markt entwickelte sich zu einem millionenteuren Desaster.

Steinheim. Die Franz Schuck GmbH ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten und hat deshalb ein Restrukturierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dem Unternehmen sind mehrere Entwicklungen zum Verhängnis geworden. Sowohl der Ukraine-Krieg als auch eine gescheiterte Expansion nach Südamerika haben das Unternehmen nun in eine Krise gestürzt. Betroffen von der Schieflage sind 300 Mitarbeiter am Standort in Steinheim.

Schuck hat zwei wesentliche Geschäftsbereiche: Zum einen stellt das Unternehmen Hausanschlusstechnik her und ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz Marktführer für Hausanschlüsse für Wasser, Gas und Strom. Die Entwicklung im zweiten Geschäftsbereich, der Bereich Großarmaturen, hat nun zu finanziellen Problemen geführt. So baut Schuck bis zu 60 Zoll große Kugelhähne für den Einsatz in Pipelines. Geopolitische Krisen und folgende Embargos gegen Russland und den Iran führten zu großen Umsatzverlusten. Zuletzt erwirtschaftete Schuck noch rund 17 Millionen Euro. Insgesamt sank der Umsatz bereits im Jahr 2020 wegen dieser Schwierigkeiten von zuvor 53 Millionen Euro auf rund 48 Millionen Euro. Zum Verlust macht Schuck keine Angaben, allerdings lag der Jahresfehlbetrag laut veröffentlichter Bilanz im Bundesanzeiger im Jahr 2020 bei fast 5,5 Millionen Euro.

Verluste konnten nicht ausgeglichen werden

Die Verluste in den Regionen Iran und Russland konnten laut des Unternehmens nicht durch Mehrumsätze in anderen Regionen ausgeglichen werden. Schlimmer noch: Die versuchte Expansion nach Südamerika scheiterte dramatisch. So hatte Schuck für die Erschließung des Marktes einen südamerikanischen Konzern als Partner ins Auge gefasst. Dieser musste aufgrund von Bestechungsskandalen Insolvenz anmelden. Ergebnis: Nicht nur die Expansion endete, bevor sie begann. Schuck verlor nicht nur sicher geglaubten Umsatz, sondern laut eigenen Angaben zudem einen hohen einstelligen Millionenbetrag.

Laut der eingeschalteten Berater von Grub Brugger und des vorläufigen Sachwalters Prof. Martin Hörmann habe Schuck versucht, mit Investitionen aus dem Gesellschafterkreis, das Projektgeschäft wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. „Die nun durch die Ukraine-Krise zusätzlichen Maßnahmen und Folgen haben leider dazu geführt, dass wir den Bereich aus eigener Kraft nicht nachhaltig in eine wirtschaftliche Situation führen können“, erklärt Michael Schuck, Geschäftsführer und Mitgesellschafter. „Ganz im Gegenteil machen die aktuellen Entwicklungen und Unsicherheit für uns eine seriöse Planung unmöglich.“ Der Plan: Schuck will sich vom Bereich Großkugelhähne trennen. Dafür habe man einen „strukturierten Verkaufsprozess“ angestoßen. Stattdessen will sich das Unternehmen auf den Geschäftsbereich Hausanschlusstechnik konzentrieren.

Mit diesem Segment ist Schuck einst groß geworden. Das Geschäft mit den Großkugelhähnen hatte die Firma 1996 aus der Borsig Kugelhahn GmbH übernommen. Bis zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts war das Segment für Schuck ein Erfolgsmodell, das nun zum Problemfall wurde.

Die Trennung vom defizitären Geschäftsbereich übersteigt laut Unternehmensangaben die finanziellen Möglichkeiten der Gesellschaft. „Unser Ziel ist es, möglichst schnell die für uns alle belastende Situation zu bereinigen“, sagt Michael Schuck. Das angemeldete Restrukturierungsverfahren sei „die mit Abstand beste Möglichkeit, die Firma so schnell als möglich wieder wettbewerbsfähig aufzustellen und den Großteil der Arbeitsplätze in Steinheim zu sichern. Die Gesellschafter stehen zum Unternehmen.“

Zeit gewinnen

Durch das Verfahren in Eigenverwaltung gewinnt Schuck nun wertvolle Zeit. Die Löhne und Gehälter der 300 Mitarbeitenden werden für 3 Monate von der Arbeitsagentur gezahlt. Spätestens in 5 Monaten will Schuck das Verfahren wieder beendet und das Geschäftsfeld verkauft haben. Für diesen ambitionierten Zeitplan hat sich Schuck einige Sanierungskompetenz ins Haus geholt: Jochen Sedlitz von Grub Brugger gilt als Sanierungsspezialist und wurde zum Generalbevollmächtigten bestellt. Weiter gehören neben dem Sachwalter Hörmann, der das Verfahren überwachen wird, auch Sebastian Schottmüller und Dr. Jasmin Urlaub zum Team. „Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt“, erklärt Sedlitz. Das Restrukturierungsverfahren sei angesichts der globalen Situation die einzige Möglichkeit, schnell einen Käufer zu finden und die Trennung vollziehen zu können. „Es ist daher nicht nur aus Sicht der verbleibenden Mitarbeiter die unternehmerisch richtige Entscheidung“, sagt Sedlitz. „Es ist der Anfang einer nachhaltigen Zukunft für die Franz Schuck GmbH.“

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