Ukraine-Krieg: Südwest-Wirtschaft bekommt Folgen zu spüren

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Der Ukraine-Krieg hat weltweite Auswirkungen auf die Wirtschaft. Auch im Land ist die Mehrheit der Betriebe von den Folgen betroffen.

Drei Viertel aller Betriebe sind von den Auswirkungen betroffen. Der BWIHK fordert daher die Politik zum Handeln auf.

Stuttgart

Immer mehr Unternehmen in Baden-Württemberg sind von den Folgen der russischen Invasion in der Ukraine und der wirtschaftlichen Sanktionen betroffen, so eine Mitteilung des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK). Das zeige nicht nur der gestiegene Beratungsbedarf von Unternehmen bei der IHK-Organisation mit ihren zwölf Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Südwesten. Allein bei der Hotline der IHK Region Stuttgart gingen seit dem Inkrafttreten der Sanktionen mehr als 1.000 Anrufe von Unternehmen ein. In allen Südwest-IHKs werden zudem Anlaufstellen zur Beratung bei Lieferkettenproblemen angeboten. Auch eine Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), an der sich rund 830 Unternehmen aus Baden-Württemberg beteiligt haben, bestätige die Betroffenheit der Betriebe.

„Die Unternehmen geraten in allen Bereichen unter Druck. Von Nachfrage- und Produktionsausfällen, über Kostenexplosionen bei der Leistungserbringung bis hin zu Spritgeldforderungen von Mitarbeitern“, kommentiert DIHK- und BWIHK-Vizepräsidentin Marjoke Breuning die aktuellen Entwicklungen. Dennoch stehe die Wirtschaft hinter den Sanktionen, auch wenn die Folgen für einige Unternehmen hart seien. „In Anbetracht des Leids der ukrainischen Bevölkerung und des Ausmaßes der Fluchtbewegung zeigen sich überaus viele Unternehmen solidarisch und sind zu großzügigen Hilfsmaßnahmen bereit“, so Breuning.

Viele Südwest-Betriebe betroffen

Laut Umfrage sind drei Viertel der befragten Unternehmen in Baden-Württemberg von den Kriegsfolgen oder von Sanktionen betroffen. Vor allem steigende Kosten für Energie (88 Prozent) sowie für Rohstoffe und Vorprodukte (65 Prozent) machen den Unternehmen zu schaffen. 64 Prozent müssen versuchen, zumindest einen Teil der Kostensteigerungen an Kunden weiterzugeben. Viele ändern ihre Logistik und ihre Investitionspläne oder müssen unter Umständen Personalanpassungen vornehmen. Viele Unternehmen bringen diese Folgen in eine deutlich schlechtere Finanzlage bis hin zur Insolvenzgefahr. Rund acht von zehn der Befragten erwarten Entlastung durch die Politik, um die gestiegenen Kosten insbesondere durch die hohen Energiepreise aufzufangen.

Industrie- und Logistik-Unternehmen stark in Mitleidenschaft genommen

Besonders betroffen von der aktuellen Lage sind die Industrie und die Unternehmen aus Transport und Verkehr: Jeweils 90 Prozent der Südwestunternehmen aus diesen beiden Branchen spüren die Folgen des Kriegs und der Sanktionen.

Wirtschaft fordert Politik zu sofortigem Handeln auf

Mit einer Resolution hat die Vollversammlung des DIHK auf die jüngsten Entwicklungen reagiert und fordert von der Politik Sofortmaßnahmen gegen hohe Strom- und Energiepreise sowie zur Sicherung der Gasversorgung. „Die historisch hohen Strom- und Energiepreise bedrohten seit Monaten viele deutsche Unternehmen in ihrer Existenz. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich die Situation dramatisch verschärft. Bisher erfüllt Russland seine langfristigen Lieferverpflichtungen. Diese Situation kann sich jederzeit ändern“, betont die DIHK-Vizepräsidentin. Russland sei kein sicherer Lieferant für Energierohstoffe mehr. Darauf müsse die Politik reagieren. Zu den zehn geforderten Sofortmaßnahmen der IHK-Organisation gehören unter anderem die Reduzierung der Abhängigkeiten, die Senkung von Steuern und Abgaben auf Strom- und Energiepreise sowie der Schutz vor Carbon Leakage.

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