Umsatzwachstum dank Corona

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Hartmann investiert derzeit massiv in neue Produkte, etwa für die moderne Wundversorgung, wie hier zu sehen.
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Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln lässt die Erlöse von Hartmann steigen. Doch das Ende des Booms zeichnet sich ab, deshalb baut der Konzern um.

Heidenheim

Es hatte sich schon im Laufe des vergangenen Jahres abgezeichnet: Die gestiegene Nachfrage nach Desinfektionsmitteln in der Covid-Pandemie hat den Umsatz der Hartmann AG auf ein neues Rekordhoch steigen lassen. Der Umsatz wächst um 15 Prozent auf 2,433 Milliarden Euro. In der Sparte Infektionsmanagement liegt das Plus sogar bei mehr als 60 Prozent. "Die Pandemie führte bei Umsatz und Ergebnis zu positiven Sondereffekten. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Covid-19 die Marktteilnehmer der Gesundheitssysteme und damit auch uns vor große Herausforderungen stellen wird", erklärt Vorstandschefin Britta Fünfstück. Der Gewinn steigt ebenso spürbar, das operative Ergebnis wächst von 211,9 auf 292,4 Millionen Euro.

Doch schon der Blick auf die Ergebnisse der übrigen Sparten macht deutlich, dass der Boom bei den Desinfektionsprodukten die Seitwärtsbewegung der anderen Sparten übertüncht. So sinken die Erlöse im Wundmanagement um 4,5 Prozent auf 452 Millionen Euro - auch das ist im Übrigen eine Folge der Pandemie: Der Bedarf an Produkten für Wundbehandlungen reduziert sich laut Hartmann speziell durch die rückläufige Zahl von Operationen. Der Bereich Inkontinenzmanagement stagniert bei rund 461 Millionen Euro. Auch hier ist der Absatz in Kliniken und Altenheimen wegen der Pandemie rückläufig. Allerdings fing Hartmann die Verluste durch den gestiegenen Absatz in anderen Vertriebsformen wie etwa Apotheken auf. Freude bereitet der Firma weiter das Feld der "weiteren Konzernaktivitäten".

Auch die Tochterfirma Kneipp wächst weiter

Hierunter subsumiert Hartmann etwa das Ergebnis der Tochterfirma Kneipp. Zahlen teilt der Konzern nicht mit, allerdings habe das steigende Gesundheitsbewusstsein den Absatz der Kneipp-Gruppe "positiv beeinflusst".

Den plötzlichen Nachfrageboom an Desinfektionsmitteln hat Hartmann gut gemeistert, sagt Fünfstück. "Uns ist gelungen, die Lieferfähigkeit bei stark erhöhter Nachfrage nach manchen Produktgruppen unter Einhaltung aller Qualitätsstandards zu sichern. Unser starker Teamgeist hat diese Leistung ermöglicht. Darauf können wir stolz sein." Ebenfalls im vergangenen Jahr wollte Hartmann beim angekündigten Konzernumbau weitere Schritte vorankommen.

So stehen die Entwicklung innovativer Produkte, Kostenverbesserungen zum Beispiel durch Automatisierung, die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle oder neue Angebote für den ambulanten Bereich im Fokus. "Hartmann hat 2020 Fortschritte entlang aller geplanten Meilensteine des Transformationsprogramms erzielt", sagt Fünfstück. Sie sieht den Konzern "auf einem guten Weg bei der Strategieumsetzung".

Die Pandemie führte bei Umsatz und Ergebnis zu positiven Sondereffekten.

Britta Fünfstück Vorstandschefin Hartmann

Desinfektionsboom wird 2021 spürbar abebben

Ein Beispiel ist die verbesserte Logistik. Im gruppenweit größten Logistikzentrum in Herbrechtingen habe man beispielsweise durch eine neue Verpackungs- und Fördertechnik die Zahl täglich abgewickelter Pakete um mehr als 150 Prozent erhöht. Am Schweizer Standort in Neuhausen wurden ein Hochgeschwindigkeits- und ein neues Palettenlager in Betrieb genommen. Dadurch sollen 60 Prozent mehr Kundenaufträge abgewickelt werden können.

Zusätzlich investiert Hartmann nicht nur Produktinnovationen, etwa neuen Technologien für silikonbeschichtete Wundauflagen, sondern auch an der Digitalisierung. Mit der Akquisition von www.pflege.de, einem laut Hartmann führenden deutschen Pflegeportal, will der Konzern eine zusätzliche digitale Beratungskompetenz im Marktumfeld der häuslichen Pflege aufbauen.

Mit diesen Maßnahmen will sich Hartmann für die Post-Corona-Zeit wappnen, denn der Desinfektionsboom dürfte abebben. "Die positiven Auswirkungen der Pandemie im Geschäftsjahr 2020 werden in diesem Jahr nur mehr geringfügig eintreten. Weite Teile unserer Märkte erfahren Nachfragerückgänge", sagt Fünfstück.

Parallel beschleunige sich der Budgetdruck, der alle Marktteilnehmer im Gesundheitswesen belaste. "2021 wird ein herausforderndes Jahr für die Hartmann und die gesamte Branche. Daher ist es für uns maßgeblich, unser Transformationsprogramm 2021 weiter konsequent umzusetzen."

In der Bilanz des kommenden Jahres rechnet die Vorstandsvorsitzende deshalb mit einem moderaten organischen Umsatzrückgang und einem rückläufigen bereinigten Ebitda im Bereich zwischen 210 und 260 Millionen Euro. Wegen der Corona-Pandemie gebe es jedoch eine "hohe Prognoseunsicherheit im Geschäftsjahr 2021".

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