Umstieg auf Pelletheizung ist jetzt teurer

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Holzpellets (Symbolbild)
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Das Bundeswirtschaftsministerium hat im Schnellverfahren die Fördersätze für den Heizungsaustausch geändert. Was zu beachten ist.

Aalen

Wer seine Heizung gegen ein nachhaltigeres Modell tauschen will, braucht Geduld. Im Kontrast dazu hat die Bundesregierung im Eiltempo die Förderungen für den Heizungstausch geändert. Seit 15. August gelten neue Fördersätze, die Tauschwilligen größtenteils Verschlechterungen, aber auch manche Chance bescheren.

Was ist neu?

Kurz gesagt: Für Gas gibt's kein Geld mehr. Wurde der Einbau einer reinen Gasheizung schon bisher nicht gefördert, trifft das nun auch auf Gas-Hybridheizungen zu, die etwa Gas und Wärmepumpe oder Gas und Solarthermie kombinieren. Für alle neuen Heizungen, die mit erneuerbarer Energie funktionieren, ist die Grundförderung gesunken. Dafür gibt es nun für den Austausch nicht nur alter Ölheizungen, sondern auch alter Gasheizungen, die mindestens 20 Jahre in Betrieb sind, zusätzlich zehn Prozent Förderung.

Was ändert sich bei Wärmepumpen?

"Die Wärmepumpe steht beim Heizungsaustausch ganz klar im Fokus und ist in aller Munde", sagt Heizungsbaumeister Wolfgang König, Geschäftsführer des Fachbetriebs Vitus König in Aalen. Vereinfacht gesagt, entnehmen diese Pumpen Wärme aus der Umgebungsluft, der Erde oder dem Grundwasser und setzen diese zum Heizen oder zur Wassererwärmung ein. Für den Einbau einer Wärmepumpe ist der maximale Fördersatz nur leicht, von 50 auf 40 Prozent, gesunken. Er setzt sich nun zusammen aus 25 Prozent Grundförderung, 10 Prozent für den Austausch einer alten Öl- und Gasheizung und 5 Prozent Wärmepumpen-Bonus. Letzteren gibt es allerdings nicht für Luft-Wärmepumpen, sondern nur für die in der Anschaffung teureren Erd- oder Grundwasserwärmepumpen. Nach Königs Schätzung kann die Anschaffung einer Luftwärmepumpe zwischen 30.000 und 35.000 Euro kosten. Bei einer Erdwärmepumpe kämen zu 30.000 Euro für die Technik nochmals 10.000 bis 15.000 Euro für die Brunnenbohrung dazu. "Und die wenigen Brunnenbohrer werden überrannt", sagt der Fachmann, sie seien meist weit im Voraus ausgebucht. Zuletzt klagten auch Wärmepumpenhersteller über Lieferengpässe – unter anderem, weil Mikrochips rar sind. Wird eine Wärmepumpe als Hybrid durch einen neuen Gaskessel ergänzt, um die Stromkosten zu senken, kann die Rechnung gesplittet werden – gefördert wird dann nur die Wärmepumpe.

Und bei Solarthermie?

Solarthermie-Anlagen mit Solarkollektoren auf dem Dach dienen fast immer der Warmwasserbereitung und der Heizungsunterstützung. Das heißt, sie ergänzen beispielsweise einen Gas- oder Ölkessel. Für die Einzelmaßnahme gab es bislang eine Unterstützung von 30 Prozent, nun sind es 25 Prozent.

Lohnt sich eine Pelletheizung noch?

Den größten Einbruch gibt es bei den Biomasseheizung, also etwa den Holzpelletheizungen. Früher waren hier maximal 55 Prozent Förderung möglich, nun sind es nur noch 20 Prozent, aber nur, wenn damit eine alte Gas- oder Ölheizung ausgetauscht wird. "Dabei", sagt König, "ist eine Pelletheizung ein tolles Gegenprodukt zur Ölheizung", der Umstieg von Öl auf den heimischen und nachwachsenden Rohstoff Biomasse sei relativ einfach. Er schätzt die Kosten für die Umrüstung auf 35.000 bis 40.000 Euro. In der Region, schätzt er, werden fünf bis acht Prozent Pelletheizungen neu eingebaut.

Ist ein Energieberater nötig?

Weggefallen ist auch der "individuelle Sanierungsfahrplan": Wurde dieser Fahrplan von einem entsprechend zertifizierten Energieberater ausgearbeitet und vor dem Förderantrag vorgelegt, gab es nochmals eine 5-prozentige Förderung. "Der Sanierungsfahrplan hat den Prozess aber auch in die Länge gezogen", sagt König. Die Einbeziehung eines Energieberaters sei nun zwar nicht mehr zwingend notwendig, so König, er empfehle sie den Kunden jedoch trotzdem.

Also schnell eine neue Heizung kaufen?

Das ist leichter gesagt, als getan. Schon vor Monaten berichtete der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg über einen kaum zu bewältigenden Run auf Heizungen auf der Basis erneuerbarer Energien. Statt eines Austauschs riet der Verband, auch die Optimierung einer bestehenden Heizungsanlage zu erwägen. Diese sei beispielsweise durch einen hydraulischen Abgleich, den Einbau einer Hocheffizienzpumpe, die Dämmung der Heizungsrohre oder den Einbau großflächigerer Heizkörper realisierbar.

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