Varta: Optimismus trotz durchwachsener Zahlen

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Varta-Standort in Ellwangen.
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Umsatz und Gewinn des Ellwanger Konzerns sinken. Warum 2022 für die Varta dennoch ein gutes Jahr werden soll.

Ellwangen

Die Varta AG hat ein durchwachsenes Halbjahr hinter sich. Wie das Unternehmen mitteilt, ist der Konzern-Umsatz in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent auf 376,8 Millionen Euro zurückgegangen, der Gewinn brach sogar um mehr als ein Drittel auf 68,9 Millionen Euro ein. Das Unternehmen ist für die zweite Jahreshälfte jedoch optimistisch, auch wenn die Ellwanger wie viele anderen Firmen mit einigen Krisen zu kämpfen zu haben.

So haben im ersten Halbjahr vor allem der Halbleitermangel und steigende Energiekosten den Kunden der Varta zugesetzt. Hinzu kamen lokale Lockdowns. Dadurch kam es bei einigen Firmen, denen die Ellwanger zuliefern, zu Produktionsausfällen, was wiederum die Nachfrage nach den Akkus sinken ließ.

Aus diesem Grund hatte Varta bereits Ende Juni die eigenen Prognosen nach unten korrigiert. Die AG geht für das gesamte Jahr von einem Umsatz zwischen 880 Millionen und 920 Millionen Euro sowie einem operativen Gewinn von bis zu 225 Millionen Euro aus. „Verzögerungen bei Kundenprojekten, die anhaltend angespannte Situation bei Rohstoff- und Energiepreisen sowie hohe Transportkosten haben uns veranlasst, unsere Jahresprognose anzupassen“, sagt Finanzchef Armin Hessenberger, der für das restliche Jahr optimistisch ist: „Dennoch sind wir weiter sehr gut aufgestellt. Neue Aufträge und die in der zweiten Jahreshälfte anlaufenden Kundenprojekte werden dafür sorgen, dass auch 2022 zu einem guten Jahr für Varta wird.“

Auch langfristig sind die Aussichten intakt. Das liegt zum einen an den bekannten Megatrends. „Der Wunsch nach Mobilität und Unabhängigkeit in allen Bereichen des Lebens ist ungebrochen“, sagt Vorstandschef Herbert Schein. „Das Lithium-Ionen-Geschäft ist heute schon der wichtigste Markt für uns.“ Zudem habe man mit neuen Lithium-Ionen-Rundzellen, die bald in die Massenproduktion gehen sollen, die Weichen für das zukünftige Wachstum zu stellen. „Wir wollen diesen Markt in vielen lukrativen Bereichen noch stärker besetzen“, erläutert Schein. Das gelte auch für den stark wachsenden Bereich der Energiespeicher, für den Varta ebenfalls neue Produkte präsentieren will.

Blickt man auf die Bilanz der zurückliegenden Monate, so litt vor allem das einst so wachstumsstarke Segment der Lithium-Ionen-Batterien. Dort sank der Umsatz um fast 20 Prozent auf 187,7 Millionen Euro. Die aktuell schwierige Wirtschaftssituation beeinträchtigt laut Varta „die grundsätzlich gute Nachfrage“ nach Mini-Akkus für kabellose Kopfhörer und hat sogar zu „temporären Kapazitätsanpassungen und Kosteneinsparungen“ geführt, wie die Firma konstatiert. Allerdings befindet sich die Produktion praktisch im Stand-by-Modus. Heißt: Wenn die Nachfrage steigt, kann Varta sofort wieder in ausreichenden Mengen produzieren und zur Vollauslastung zurückkehren. Ohnehin rechnen die Ellwanger zum Jahresende „mit einer deutlichen Geschäftsbelebung“.

Völlig unbeeindruckt von den wirtschaftlichen Unwägbarkeiten zeigt sich indes das Geschäft mit Haushaltsbatterien und Energiespeichern, das erstmals mehr Erlöse erzielte als das Boom-Segment der Mini-Akkus. Der Umsatz steigt um 15 Prozent auf 189 Millionen Euro. Laut Varta ist das vor allem auf die sehr hohe Nachfrage nach Heimspeicherlösungen zurückzuführen. Nicht mithalten konnte hier aber der Gewinn: das bereinigte operative Ergebnis bricht um 43 Prozent auf 15,9 Millionen Euro ein. Die Gründe: „der sehr deutliche Anstieg der Rohstoffpreise, die hohen zusätzlichen Energiekosten und der Anstieg der Transportkosten“, wie das Unternehmen mitteilt.

Der Ukraine-Krieg belastet die AG indirekt. Der Umsatzanteil mit der Ukraine, Belarus und Russland beträgt laut Varta weniger als ein Prozent des Konzernumsatzes und findet ausschließlich über Lieferverträge statt. Direkt betroffen sind die Ellwanger von den durch den Krieg gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten. Diese Ausgaben will Varta an die Kunden weitergeben. „Das erfolgt jedoch mit zeitlicher Verzögerung und in Abhängigkeit von der Markt- bzw. Konkurrenzsituation und führt so zu Belastungen der Ergebnissituation“, so die Varta. Trotz des Optimismus bringt das Jahr 2022 auch einiges an Unsicherheiten mit sich.

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