Varta: Ukraine-Krieg trübt die Aussichten

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Stammsitz der Varta in Ellwangen.
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Varta steigert 2021 den Umsatz und vor allem das Ergebnis erneut. Der Krieg in Osteuropa macht den Ausblick für das aktuelle Jahr schwierig, die AG ist dennoch optimistisch.

Ellwangen

Die Zeiten des Rekordwachstums sind vorbei, dennoch hat sich die Varta AG 2021 bei wesentlichen Finanzzahlen verbessert. Davon profitieren auch die Aktionäre. Wie sich die Geschäfte hingegen in Zukunft entwickeln werden, ist unsicher: Sowohl der Ukraine-Krieg als auch die Lieferkettenproblematik, die gestiegenen Rohstoffpreise und die Auswirkungen der Covid-Pandemie „belasten den Ausblick“, schreibt das Unternehmen. Positive Impulse erhoffen sich die Ellwanger vom Geschäft mit Akkus für Elektroautos. Hier hat die AG bereits die ersten Zellen ausgeliefert.

Die Zahlen Der Umsatz ist im Jahr 2021 um 3,8 Prozent auf nun 902,9 Millionen Euro gestiegen. Wesentlich stärker hat sich das operative Ergebnis entwickelt: es legt um 17,4 Prozent auf 282,9 Millionen Euro zu. Damit hat Varta das selbstgesteckte Ziel erreicht und die eigene Profitabilität kräftig gesteigert. Mit dem vergangenen Jahr ist Vorstandschef Herbert Schein deshalb zufrieden.  „Wir haben erneut ein sehr gutes Jahr hinter uns, in dem wir nicht nur unseren Umsatz weiter steigern konnten, sondern bei der Profitabilität ein historisches Ergebnis erzielt haben“, erklärt er.  Für das zukünftige Wachstum bei kleinen Lithium-Ionen-Zellen sei Varta für die Zukunft bestens aufgestellt. „Wir haben zudem die nächste Wachstumsoffensive gestartet“, so Schein.

Akkus für Autos Wesentlicher Bestandteil dieser Offensive sind die Akkus für Elektroautos, in deren Produktion Varta eingestiegen ist. Schein: „Unsere großformatigen Lithium-Ionen-Hochleistungsrundzellen haben sehr großes Potenzial. Für einen Kunden liefern wir seit Ende 2021 bereits Zellen aus der Pilotproduktion.“ Hier gebe es eine sehr große Nachfrage, weitere Gespräche mit potenziellen Kunden liefen bereits. Technikchef Rainer Hald, der vor einigen Monaten als CTO in den Vorstand des Unternehmens gerückt war, erklärt: „Wir profitieren bei der Produktion der großformatigen Lithium-Ionen-Rundzellen von unserer Erfahrung im Aufbau von hocheffizienten Massenfertigungen. Wir können somit Synergien nutzen.“

Während Schein und Hald die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken, lenkt Armin Hessenberger als Finanzvorstand die Aufmerksamkeit auf hemmende Faktoren. „Die derzeitige globale Lage durch die anhaltenden Folgen von Covid-19 und den Ukraine-Krieg beeinflussen die Rohstoffpreise und Verfügbarkeit von Bauteilen bei unseren Kunden“, erläutert er. Einen Einfluss auf das eigene Geschäft könne man daher nicht ausschließen. Bange ist dem CFO allerdings nicht, dafür sieht er sein Unternehmen zu gut aufgestellt und verweist auf die solide Eigenkapitalquote von 42,6 Prozent. Das gute Ergebnis soll sich auch für die Aktionäre rentieren: Trotz der eher durchwachsenen Aussichten will die Varta je Anteilsschein 2,48 Euro ausschütten, macht bei knapp mehr als 40 Millionen Aktien immerhin rund 100 Millionen Euro.

Die Sparten Den meisten Umsatz erzielt Varta mit wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akkus, die etwa in kabellosen Kopfhörern zum Einsatz kommen. Dieser Bereich war 2021 zwar langsamer gewachsen als in den Vorjahren, und zwar um 1,2 Prozent auf 514,4 Millionen Euro, bleibt aber dennoch sehr ertragreich, der operative Gewinn steigt um 15,8 Prozent auf 216,5 Millionen Euro. Das ergibt eine fabulöse Umsatzrendite von rund 42 Prozent. Die zweite Varta-Sparte, das Geschäft mit klassischen Haushaltsbatterien sowie Energiespeicher, ist im vergangenen Jahr überraschend stark um 7,6 Prozent auf 388,6 Millionen Euro gewachsen. Durch die Konzentration auf das Markengeschäft, also Batterien der eigenen Marke Varta, habe man die Profitabilität deutlich gesteigert. Das Geschäft mit den Energiespeicherlösungen ist laut Unternehmen dynamisch gewachsen und hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt.

Der Ausblick Trotz der Widrigkeiten blickt Varta eigenen Angaben zufolge optimistisch in die Zukunft. Der Umsatz soll im aktuellen Jahr zwischen 950 Millionen und einer Milliarde Euro liegen, der operative Gewinn zwischen 260 Millionen und 280 Millionen Euro.

Wir haben erneut ein sehr gutes Jahr hinter uns."

Herbert Schein, Vorstandschef Varta AG

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