Varta wächst - aber Aktienkurs fällt

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Die Varta-Aktie steht im Fokus
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Ellwanger Batteriehersteller präsentiert seine Halbjahreszahlen.

Ellwangen. Zwar bleibt der Ellwanger Batteriehersteller Varta auf Wachstumskurs. Weil die jetzt präsentierten Geschäftszahlen der Varta AG für das erste Halbjahr vielen Analysten offenbar nicht gut genug sind, fiel der Kurs der Varta-Aktie an der Börse am Freitag teils deutlich.

So stieg der Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 um 1,8 Prozent auf 397,6 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg um rund 10 Prozent auf 112,3 Millionen Euro. Zum Vergleich: Vor einem Jahr, im ersten Halbjahr 2020, waren der Konzernumsatz organisch um 66,5 Prozent, das bereinigte Ebitda um 124,8 Prozent gestiegen.

Varta sieht mit diesen Ergebnissen seine Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Mit der Ende Juni offiziell eröffneten neuen Lithium-Ionen-Zellenfabrik in Nördlingen stehen für die Produktion der kleinen Lithium-Ionen-Rundzellen nun 60 000 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung. Die Varta AG habe somit die Infrastruktur, um bis zu 400 Millionen Zellen pro Jahr produzieren zu können. Die für das zweite Halbjahr avisierten neuen Kundenaufträge liefen derzeit an. Ende des Jahres startet zudem die Pilotproduktion der neuen ultrahochleistungsfähigen Lithium-Ionen-Rundzelle V4Drive im Format 21700 am Standort Ellwangen. Für die Zelle gibt es laut Varta bereits einen bestätigten Kundenauftrag. Laut bislang unbestätigten Medienberichten soll dies der Stuttgarter Autobauer Porsche sein. Mit der V4Drive möchte Varta groß in das Thema Elektromobilität einsteigen.

Herbert Schein, Vorstandsvorsitzender der Varta AG, sagt: „Varta erhöht die Profitabilität in diesem Jahr weiter. Wir haben angekündigt, 2021 das sehr gute operative Ergebnis des vergangenen Jahres noch einmal zu steigern und eine Ebitda-Marge von rund 30 Prozent zu erreichen. Nach den ersten sechs Monaten können wir sagen: Unsere Planungen gehen voll auf. Dazu beigetragen haben alle Unternehmensbereiche. Unsere klare Wachstumsstrategie in allen Segmenten, unsere Fokussierung auf Innovationen und unsere Kompetenz im Lithium-Ionen-Bereich zahlen sich einmal mehr aus.“

Armin Hessenberger, Finanzvorstand (CFO) der Varta AG, ergänzt: „Unser gutes Ergebnis des ersten Halbjahres werden wir im zweiten Halbjahr weiter steigern und unsere prognostizierten Ziele erfüllen.“

Im Segment „Lithium-Ion Solutions & Microbatteries“, also bei den unter anderem in Ellwangen und Nördlingen produzierten Mikrobatterien, ist das bereinigte operative Ergebnis um 2,4 Prozent von 82,4 auf 84,4 Millionen Euro gestiegen. Die Ergebnissteigerung sei das Resultat aus weiteren Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen, so der Konzern. Daraus resultiert eine bereinigte Ebitda-Marge von 36,2 Prozent im Verhältnis zum Umsatz, was einer Verbesserung um 1,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr entspreche.

Allerdings: „Der Umsatz im Segment Lithium-Ion Solutions & Microbatteries erreichte in den ersten sechs Monaten 2021 233,2 Millionen Euro und liegt damit 2,7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.“ Hier gelte es allerdings einen „erhöhten Bestandsaufbau an unfertigen und fertigen Erzeugnissen“ insbesondere bei Akkus für kabellose Premium-Kopfhörer zu berücksichtigen. Der Bestand werde aufgebaut, um die bereits angekündigten Kundenprojekte in der zweiten Jahreshälfte erfüllen zu können.

Das Segment „Household Batteries“ umfasst das Geschäft der handelsüblichen Haushaltsbatterien (Consumer Batteries) und die Energiespeicherlösungen. Der Umsatz ist im Geschäftsjahr 2021 von 150,9 Millionen auf 164,4 Millionen Euro gestiegen. Dies entspricht einem Umsatzwachstum von 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das bereinigte Ebitda ist von 19,7 Millionen Euro auf 27,8 Millionen Euro angestiegen (+41,6 Prozent).

Perspektivisch geht Varta von einem strukturellen Wachstum der Kernmärkte aus. Die starke Marktposition in diesen Kernmärkten werde zu einer „positiven Geschäftsentwicklung in 2021“ führen. Es wird für 2021 ein Konzernumsatz von rund 940 Millionen Euro erwartet. 2020 lag der Jahresumsatz bei 869,6 Millionen Euro. Die relative Marge des bereinigten operativen Ergebnisses (Ebitda) soll überproportional auf bis zu 30 Prozent vom Umsatz steigen.

Varta investiert unverändert in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien (CoinPower) und den Aufbau einer Pilotanlage für großformatige Lithium-Ionen-Rundzellen. Die Aufbauarbeiten für die Pilotlinie seien dabei im Plan. Der Start der Pilotproduktion erfolgt zum Jahresende. Mit dem Ausbau seiner Produktionsflächen am Standort Nördlingen hat die Varta AG ihre potenziellen Produktionskapazitäten nun verdoppelt. Die für die zweite Jahreshälfte geplanten Kundenaufträge liefen bereits an.

Das Unternehmen sieht sich auch angesichts der weltweit anhaltenden Covid-19 Pandemie und der schwankenden Infektionsraten sehr gut aufgestellt. Die Produktion an den eigenen Standorten laufe seit Beginn der Pandemie ohne Unterbrechungen, Auswirkungen auf die Lieferketten gebe es nicht.

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