Varta wächst schneller als geplant

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Blick in die Varta-Fertigung.
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Der Ellwanger Konzern legt erneut Rekordzahlen vor und erhöht die Prognose für das Geschäftsjahr. Warum die Aktie dennoch verliert und was Varta in diesem Jahr erreichen will.

Ellwangen

Auch dank der Übernahme des klassischen Batteriengeschäfts von Varta Consumer ist der Umsatz der Varta AG im ersten Halbjahr stark gewachsen. Wie das Unternehmen mitteilt, hat Varta in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres Erlöse in Höhe von rund 390 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Plus von 158 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rechnet man die Umsätze von Varta Consumer heraus, lag das Wachstum bei 66 Prozent. Das ist mehr als erwartet worden war. Entsprechend ist Varta optimistisch – und hebt die Prognose für das laufende Jahr an. Der Ellwanger Konzern erwartet nun einen Umsatz zwischen 810 und 830 Millionen Euro.

"Zu diesem erfreulichen Ergebnis des ersten Halbjahres haben alle Geschäftsbereiche beigetragen, wobei wir die höchsten Zuwachsraten weiterhin bei unseren Lithium-Ionen Zellen verzeichnen", erklärt Vorstandschef Herbert Schein. Auch der Gewinn steigt stark an. Der bereinigte operative Gewinn (ebitda) verdreifachte sich beinahe auf 102,1 Millionen Euro, die bereinigte Rendite liegt damit jenseits der 25-Prozent-Marke.

Nicht nur Schein ist optimistisch, dass dies nicht das Ende der Varta-Story ist. "Wir haben das hohe Umsatz- und Ergebniswachstum der Vergangenheit im ersten Halbjahr weiter gesteigert und die Profitabilität nochmals verbessert", erklärt Finanzchef Steffen Munz. "Da wir trotz der makroökonomischen Gegebenheiten weiterhin einen hohen Auftragsbestand verzeichnen, erhöhen wir die Umsatz und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2020", erklärt er. Heißt auch: Die Pandemie kann Varta aktuell nichts anhaben.

Wie geht es weiter?

Der Umsatz soll weiter wachsen, der Gewinn auch. Varta rechnet nun für das laufende Jahr mit einem bereinigten Ebitda zwischen 210 und 215 Millionen Euro. Zudem weiten die Ellwanger ihre Fertigung aus. "Mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen Zellen auf 300 Millionen Batterien bis Ende 2021 setzen wir unseren Wachstumskurs fort", sagt der Konzernchef. Es gebe weiter eine hohe Nachfrage nach Varta-Produkten, weil der Markt nach innovativen und leistungsstarken Batterien verlange – "gerade im Bereich der Premium-Headsets", so Schein.

Einen entsprechenden Großauftrag hatte Varta erst in vor einigen Tagen verkündet. Mit dem koreanischen Konzern Samsung hatten die Ellwanger einen neuen Liefervertrag abgeschlossen – und gleichzeitig einen lange schwelenden Patentstreit beendet. Samsung soll etwa in seinen kabellosen Kopfhörern Batteriezellen von Varta-Konkurrenten verbaut haben, die aus Ellwanger Sicht deren Patente im Bereich der Lithium-Ionen-Zellen verletzen. Varta war deshalb gegen Samsung und einige Kunden in Deutschland und den USA vorgegangen – der Patentstreit wurde für den Aktienkurs zu einer schweren Belastung, im Januar hatte das Papier zwischenzeitlich rund 25 Prozent an Wert verloren. Nun also die gütliche Einigung.

Mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten setzen wir unseren Wachstumskurs fort.

Herbert Schein Vorstandschef Varta AG

Varta bleibt in den kommenden Jahren Hauptlieferant von Samsung für wiederaufladbare Batterien. "Wir freuen uns, dass wir die Geschäftsbeziehungen mit Samsung noch einmal intensivieren können", sagte Schein in der vergangenen Woche. "Es ist sehr erfreulich, dass wir diese Lösung gefunden haben und gestärkt zusammen in die Zukunft gehen werden." Einigungen mit anderen Herstellern von kabellosen Elektrogeräten sollen in Kürze erfolgen, laut Varta laufen hierzu bereits Gespräche.

Mit dem Fördervolumen von 300 Millionen Euro wiederum, das Varta von Bund und Land erhält, soll die Varta-Technologie nun auf größere Anwendungen übertragen werden.

So haben die Bereiche im ersten Halbjahr gewirtschaftet

Das wachstumsstarke "Microbatteries Solutions" hat mit einem Erlös von 239,7 Millionen Euro 70 Prozent mehr Umsatz erzielt als im Vorjahr. Das mit Abstand stärkste Umsatzwachstum werde weiterhin bei den wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Zellen für Hightech-Consumer-Produkte erzielt, so Varta. Der Umsatz des Segments "Household Batteries", zu dem Varta Consumer gehört, liegt bei 150,8 Millionen Euro, das operative Ergebnis bei 19,7 Millionen Euro.

Wie reagiert die Börse?

Wenig beeindruckt. Zu Handelsbeginn verliert die Aktie am Freitag mehr als elf Prozent, nachdem das Papier am Donnerstag die 125-Euro-Marke überschritten hatte, weil die Prognose bereits damals von Varta angehoben wurde. Gründe könnten zudem Gewinnmitnahmen von Anlegern sowie Angriffe von Shortsellern sein – von Hedgefonds also, die auf sinkende Kurse wetten.

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