Varta weitet Kurzarbeit aus

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Varta-Standort in Nördlingen
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Am Standort in Nördlingen ruht die Produktion von Coin-Power-Zellen komplett. Dennoch ist kein Jobabbau geplant. Warum der Stammsitz in Ellwangen nicht betroffen ist.

Ellwangen

Der Batteriehersteller Varta hat die Kurzarbeit am Standort in Nördlingen ausgeweitet. Die Produktion der kleinformatigen Lithium-Ionen-Batterien, die beispielsweise in drahtlosen Kopfhörern verbaut werden, ruht komplett. Von den rund 900 Beschäftigten am Standort sind 700 von der Sparmaßnahme Kurzarbeit betroffen. 500 von ihnen sind sogar zu 100 Prozent in Kurzarbeit, „der Rest zu unterschiedlichen Graden“, wie Unternehmenssprecher Dr. Christian Kucznierz erklärt. Während sich die Lage am Standort Nördlingen zugespitzt hat, gibt es derzeit weder am Stammsitz in Ellwangen noch in der Fabrik in Dischingen Sparmaßnahmen.

„Wir haben die Kurzarbeit in der CoinPower-Produktion zum Jahresbeginn auf 100 Prozent für eine Dauer von drei Monaten (bis Ende März) erhöht“, erklärt Kucznierz. Der Standort leide weiter unter der geringen Nachfragen nach kleinformatigen Batteriezellen. „Unsere Kunden sind sehr stark von der sinkenden Nachfrage nach ihren Produkten in der Folge der weltweiten Krisen betroffen“, so der Sprecher. Zudem würden auch die Langzeitfolgen von Corona nachwirken, vor allem der Halbleitermangel und die regionalen Lockdowns. „Wir sind aber in guten Gesprächen mit unseren Kunden, die weiter auf uns als Zulieferer bauen und bereits neue Projekte mit uns als Batterielieferant eingegangen sind“, erklärt Kucznierz weiter.

Während die Produktion der kleinen Akkuzellen eingestellt ist, ruht im Bereich der Elektrodenfertigung am Standort Nördlingen nur ein Teil der Produktion. Auch andere Produktionsbereiche, etwa für Energiespeicher, sind nicht betroffen. Gleiches gilt für den Standort in Ellwangen, wo Varta großformatige Rundzellen sowie Hörgerätebatterien produziert. Auch die Nachfrage nach Haushaltsbatterien, wie sie in Dischingen im Landkreis Heidenheim hergestellt werden, ist weiter intakt, die Fabrik arbeitet wie gewohnt.

Varta betont, dass mit der Kurzarbeit ein Stellenabbau verhindert werden soll. „Wir brauchen unsere Mitarbeitenden, wenn die Nachfrage wieder anspringt“, erläutert Kucznierz. „Unser Bestreben ist es, so weit möglich, jeden Arbeitsplatz zu erhalten. Wir haben unser Personal sehr gut ausgebildet. Wir wissen, dass die Herausforderungen, vor denen wir stehen, eines Tages überwunden sein werden, dass die globale Wirtschaft wieder an Fahrt aufnehmen wird.“  Der langfristige Tendenz sei positiv, der Trend zu Mobilität in allen Bereichen, und damit zu Akkus, ungebrochen. Den Produktionsstandort Deutschland stellt Varta ebenfalls nicht in Frage. „Unsere Produkte sind High-tech „Made in Germany“ und weiterhin gefragt“, sagt der Sprecher.

Wie lange die Kurzarbeit andauern wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Deshalb hat Varta die Maßnahme für das gesamte Jahr 2023 angemeldet. So könne man flexibel auf die Marktsituation reagieren, die Belegschaft ist laut Kucznierz über die Vorgehensweise informiert. Man gehe weiterhin davon aus, dass die Kurzarbeit im zweiten Quartal reduziert werden könne.

Für die IG Metall Augsburg ist die Ausweitung der Kurzarbeit angesichts der wirtschaftlichen Lage „der nächste logische Schritt", wie die Gewerkschaftssekretärin Juliane Deak dem Bayerischen Rundfunk sagte. Sie sei jedoch zuversichtlich, dass die Kurzarbeit ab April wieder schrittweise zurückgefahren werde. Die Kurzabeitenden erhalten rund 80 Prozent ihrer vorherigen Löhne und Gehälter. Möglich machen das die Aufschläge der Varta.

„Wir leisten einerseits eine Aufzahlung über das Kurzarbeitergeld hinaus. Diese Zahlung lehnt sich an den baden-württembergischen Tarifvertrag an“, so Kucznierz. Die Höhe der Aufzahlung sei gestaffelt nach dem Grad der Kurzarbeit. Zudem bekommen die Mitarbeiter für jeden Monat der Kurzarbeit Tankgutscheine im Wert von 50 Euro steuerfrei. „Die tarifliche Inflationsausgleichsprämie, insgesamt 1500 Euro, haben wir zur Abfederung kurzfristiger Härten je zu Hälfte im Dezember und Januar ausgezahlt“, so der Sprecher weiter.

 

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