Verband: Den Betrieben Luft lassen

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Dr. Michael Fried (Mitte), Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe, Stellvertreter Florian Maier (links) und Geschäftsführer Markus Kilian fordern eine vorläufige Nullrunde. Archiv-
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Ostwürttembergs Metall-Arbeitgeber sehen in den Tarifverhandlungen keinen Spielraum für Lohnerhöhungen angesichts von Coronakrise, Rezession und Transformation.

Aalen

Keinen Spielraum für Lohnerhöhungen sieht der Arbeitgeberverband Südwestmetall in den aktuellen Tarifverhandlungen der südwestdeutschen Metall- und Elektroindustrie. Vielmehr sei es an der Zeit, so Südwestmetall-Vertreter aus Ostwürttemberg, die Unternehmen international wettbewerbsfähig zu halten und ihnen angesichts Coronakrise, Rezession und massiver Herausforderungen durch die Transformation finanziell Luft für Investitionen zu verschaffen.

Am 25. Februar steht die dritte Verhandlungsrunde zwischen den Tarifpartnern an. Eine Annäherung ist bisher nicht in Sicht. Lohnerhöhungen – die IG Metall fordert vier Prozent mehr Geld oder ein Ausgleich für Arbeitszeitabsenkung – könne es frühestens geben, wenn das Vor-Krisenniveau wieder erreicht sei, skizziert Markus Kilian, Geschäftsführer Südwestmetall Ostwürttemberg, die Haltung seines Verbandes.

Vorkrisen-Niveau, das bedeutet für Kilian: 2018. Bereits im zweiten Halbjahr 2019 rutschte die hiesige Metall- und Elektroindustrie nach Jahren des Wachstums in die Rezession. Die meisten baden-württembergischen Betriebe rechnen laut einer Südwestmetall-Umfrage erst für 2022 wieder mit diesem Niveau. Für das laufende Jahr gehen sie durchschnittlich von drei Prozent Umsatzwachstum aus – nach Umsatzeinbrüchen von 7,6 Prozent im Vorjahr.

Noch prekärer sei die Lage in der Automobilindustrie, wie Dr. Michael Fried, Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ostwürttemberg und Mitglied der Geschäftsleitung bei Mapal in Aalen, ausführte: Von rund 5,8 Millionen in Deutschland produzierten Fahrzeugen im Jahr 2017 seien 2020 noch 3,5 Millionen übrig geblieben: so wenige wie seit 45 Jahren nicht mehr. Ob es in den Jahren zwischen 2023 und 2025 wieder mehr als 5 Millionen werden? Das bleibe zu hoffen.

36 Prozent wollen Stellen streichen

Das Geld, das man sauer verdient hat, muss man in Zukunft investieren, um Arbeitsplätze zu sichern.

Markus Kilian Südwestmetall

Fast zwei Drittel der Unternehmen in Baden-Württemberg hättten 2020 eine zu niedrige Rendite oder Verluste erwirtschaftet. Die Zahl der Firmen, die wegen Corona Kündigungen ausgesprochen hätten, sei zuletzt kontinuierlich auf mittlerweile 13 Prozent gewachsen. Knapp 36 Prozent gaben zudem an, die Zahl der Beschäftigten 2021 verkleinern zu wollen.

"Wir müssen nachhaltig die Kosten senken", so Florian Maier, stellvertretender Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe und geschäftsführender Gesellschafter der Christian Maier GmbH & Co. KG in Heidenheim. Gleichzeitig müssten die Unternehmen in Entwicklung, Digitalisierung der Prozesse und Ausbildung investieren. Das sei schwierig angesichts hoher Lohnkosten und einem Durchschnitts-Bruttolohn von 65 000 Euro in der Metall- und Elektroindustrie. Selbst bei einer "Lohnpause" 2021, rechneten die Arbeitgebervertreter vor, hätten die Beschäftigten zwischen 2017 und 2021 noch immer ein sattes Lohnplus verzeichnet – das weit über der Teuerungsrate liege.

Erstmals geht Südwestmetall selbst mit einem Forderungskatalog in die Tarifverhandlungen. Man möchte baden-württembergische Sonderregelungen, die Arbeit hierzulande um 8 Prozent teurer machten als in Bayern, abschaffen. Auf der Streichliste steht die Spätschichtzulage, welche ab 12 Uhr mittags gezahlt wird. Zudem möchten die Arbeitgeber Sonderzahlungen, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld gerne in den einzelnen Betrieben aushandeln lassen und automatisch vom Erreichen oder Unterschreiten bestimmter wirtschaftlicher Kennzahlen abhängig machen. "Unser Lösungsvorschlag hierzu lautet: Eine im Flächentarif geregelte Differenzierung, die die Betriebsparteien unbürokratisch umsetzen können", so Kilian.

Die Forderung des Tarifpartners IG Metall, Betriebsräte und Belegschaften mit dem Instrument der Zukunftstarifverträge über die künftige Ausrichtung der Unternehmen mitentscheiden zu lassen, weist man zurück. In großen Konzern hätten Arbeitnehmervertreter über Sitze in den Aufsichtsräten ohnehin ein Mitspracherecht. "Ansonsten gilt: Die unternehmerische Entscheidung sollte beim Unternehmer bleiben", betont Kilian.

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