Verkaufsrekorde trotz Pandemie

  • Weitere
    schließen
+
Der Hauptsitz von Pentagon Sports in Ellwangen.
  • schließen

Nicht nur große Konzerne profitieren vom boomenden Internet-Handel. Die mittelständische Pentagon Sports aus Ellwangen wächst rasant – auch dank der vermeintlichen Konkurrenz.

Ellwangen

Seit 2016 ist der Ellwanger Einzelhändler Pentagon Sports Stammgast in einer ganz besonderen Liste: Das Finanzmagazin Focus Money kürt seit einigen Jahren die 500 schnellstwachsenden Unternehmen im Land. "Wir lagen in der Vergangenheit im Schnitt zwischen Platz 35 und 39", erzählt Gründer und Geschäftsführer Richard Badal. 2017 zeichnete sogar die Financial Times die Ellwanger als eines von 1000 wachstumsstärksten Firmen in Europa aus. "Ende April 2020 hat uns die Computer-Bild zu den besten 250 Shops in Deutschland gewählt", so Badal. "Das freut uns natürlich sehr."

Selbst die Corona-Krise kann dem Händler von Fahrrädern, Zubehör und Freizeitartikeln nichts anhaben: "Unser Online-Shop hat in den vergangenen Wochen um rund 300 Prozent zugelegt", sagt Badal. Seit 2007 vertreiben die Ellwanger ihr Sortiment auch über einen Shop beim weltgrößten E-Commerce-Anbieter Amazon. Hier haben sich die Erlöse in der jüngsten Vergangenheit verdoppelt. "Die Kooperation mit Amazon bietet für uns viele Vorteile", erklärt Badal den Hintergrund. Amazon verfüge über einen sehr großen Kundenstamm, Pentagon Sports profitiere zudem von Werbeaktionen mit dem Konzern sowie dessen Vorteilsprogramm Prime. "Wir kooperieren zusätzlich mit sehr vielen Drittanbietern wie Otto, Sportscheck oder Real und sind auch im Ausland aktiv." Hinzu kommt der eigene Online-Shop der Ellwanger.

Keine Probleme mit der Retourenquote

"Fahrradfahren und Sport in der Natur sind erlaubt und werden sogar empfohlen in der Corona-Pandemie", vermutet Badal die ungebrochene Nachfrage. "Zudem hatten wir als Online-Händler quasi immer offen und konnten liefern."

Unser Online-Shop hat um rund 300 Prozent zugelegt.

Richard Badal Geschäftsführer Pentagon Sports

Entsprechend gut ist das Jahr 2020 für Pentagon Sports angelaufen. Laut Badal liege das Unternehmen derzeit 200 Prozent über dem eigenen Plan. Allerdings rechnet er 2021 mit einer Verlangsamung der Entwicklung – die Langzeitauswirkung der aktuellen Pandemie. "Konkret sehen werden wir das aber erst in etwa drei bis sechs Monaten", so der Geschäftsführer. "Dann können wir auch einschätzen, was uns 2021 erwartet." Direkte Auswirkungen hat die Corona-Pandemie derzeit auf die Lieferketten bei Pentagon. "Leider sind einige Lieferbeziehungen mit ausländischen Firmen derzeit gestört und unterbrochen." Das führe vor allem zur Verschiebung von Waren-Neulieferungen.

Den Verkauf über den eigenen stationären Shop in Ellwangen hat Badal vorerst ausgesetzt. Er geht davon aus, diesen in diesem Jahr nicht mehr zu öffnen - höchstens ein Lagerverkauf sei aktuell denkbar. Als großes Problem des Online-Handels gilt die hohe Retourenquote. Sie kostet viele Händler ein gehöriges Stück Marge. Bei Pentagon Sports hält sich der Rückversand der Waren in Grenzen. Badal beziffert die Retourenquote auf zwei Prozent. Zum Vergleich: Laut des Digitalverbands Bitkom wird in Deutschland im Schnitt jede achte Online-Bestellung wieder zurückgeschickt – wobei sich die Quote von Segment zu Segment teils erheblich unterscheidet. Badal erklärt den Erfolg so: "Wir bieten den Käufern umfangreiche Vorabinformationen zum Produkt sowie einen guten Telefonservice." Deshalb werde selten ein Rad zurückgesendet, etwa weil es nicht passt. "Wir verfügen über ein sehr gutes Netzwerk mit rund 20 mobilen Mechanikern, die im Service- oder Reparaturfall zum Kunden fahren. So minimieren wir Retouren", erklärt Badal.

Ohnehin ist das Unternehmen sehr dezentral aufgestellt. Am Stammsitz in Ellwangen arbeiten derzeit 20 Mitarbeiter. Einige Abteilungen sowie der komplette Versand sind auf verschiedene Lager verteilt, teilweise arbeitet Badal mit externen Dienstleistern zusammen.

Für die Zukunft nehmen die Ellwanger vor allem den Bereich Elektromobilität ins Visier. "Darauf wollen wir uns noch stärker fokussieren", so Badal. Aktuell prüfe man zudem mehrere Produktgruppen, die nichts mit Mobilität, Fahrrädern oder Sport zu tun haben. Damit das Unternehmen auch künftig ein Kandidat für die Liste der wachstumsstärksten Unternehmen im Land bleibt.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL