Voestalpine baut Stellen ab

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Der Voestalpine-Standort im Schwäbisch Gmünder Gewerbegebiet Gügling.
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Am Standort Schwäbisch Gmünd müssen demnächst 46 von 770 Mitarbeitern gehen – Grund sei der "dauerhafte Markteinbruch". Gewerkschaft kritisiert Auswahl als "Todesliste".

Schwäbisch Gmünd

Der Autozulieferer Voestalpine Automotive Components baut am Standort Schwäbisch Gmünd 46 von insgesamt 770 Stellen ab. Das bestätigt der internationale Konzern mit Sitz im österreichischen Linz. Bis zum 28. Januar können sich die betroffenen Mitarbeiter entscheiden, ob sie in eine Transfergesellschaft wechseln oder die Kündigung erhalten. Die IG Metall kritisiert den Stellenabbau der "ohne erkennbaren Sozialplan" geschehen sei, scharf.

Die Voestalpine Automotive Components Schwäbisch Gmünd GmbH & Co. KG, die zu 100 Prozent für die Automobilindustrie produziere, sei von den "jüngsten Marktveränderungen" voll betroffen, so der Konzern in einem Statement: "Auf Grund des strukturell dauerhaften Markteinbruches in den Bereichen Prototypen- sowie Werkzeugbau wurde ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet, das mit einer Personalreduktion einhergeht. Diese Maßnahmen sind notwendig, um den Standort Schwäbisch Gmünd nachhaltig abzusichern."

Mit der IG Metall und Arbeitnehmervertretern seien frühzeitig Gespräche geführt worden, die Kündigungen seien überdies vom arbeitnehmernahen IMU-Institut bestätigt worden, teilt der Konzern mit.

Gewerkschaft: Alternativen ausgeschlagen

Gespräche habe es zwar bereits im Oktober vergangenen Jahres gegeben, bestätigt der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Gmünd, Peter Yay-Müller. Allerdings sei es in diesen Gesprächen um Alternativen wie Kurzarbeit und Lohnverzicht gegangen, nicht um die jetzt ausgesprochenen Entlassungen. Über die nun getroffenen Vereinbarungen, die vom Voestalpine-Betriebsrat bereits unterschrieben wurden, zeigt er sich empört: "Das ist eine Todesliste", sagt der Gewerkschafter.

Die Betroffenen hätten außer der Kündigung nun nur noch die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft mit befristeten Vertrag, doppelter Kündigungsfrist und weniger Gehalt zu wechseln. Gegen die Entlassung zu klagen sei dagegen fast unmöglich, da die Betroffenen vor Gericht plausibel machen müssten, dass bei der Sozialauswahl grobe Fehler gemacht wurden. Gleichzeitig gebe es wohl überdurchschnittlich hohe Abfindungsangebote.

Das ist eine Todesliste.

Peter Yay-Müller IG Metall Schwäbisch Gmünd

Eine Sozialauswahl, in der nach Kategorien wie Alter, Betriebszugehörigkeit und Familiensituation unterschieden wurde, kann Yay-Müller indes nicht erkennen: "Es sind auch nur zur Hälfte Mitarbeiter aus den Sparten betroffen, die bei Voestalpine in der Krise sind, also Prototypenbau, Werkzeugbau und Engineering", sagt er. Vielmehr werfe das Unternehmen, das "sieben Jahre lang satte Gewinne" eingefahren habe, die Beschäftigten ins kalte Wasser. "Die Auswahl hat der Arbeitgeber allein getroffen." Betroffen seien auch an- und ungelernte Kräfte. Zudem seien 33 weitere Beschäftigte per Änderungskündigung in andere Abteilungen versetzt worden, was teils mit Gehaltseinbußen verbunden sei.

Voestalpine: Keine weiteren Personalanpassungen

Für die Zukunft zumindest gibt der Konzern ein vorsichtig optimistisches Statement ab: "Unter den derzeitigen Umständen sind keine weiteren Personalanpassungen geplant", heißt es von Voestalpine.

Der internationale Stahl- und Technologiekonzern Konzern Voestalpine beschäftigt weltweit rund 49 000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2019/20 betrug der Umsatz 12,7 Milliarden Euro. Die Gewinne im Konzern, der unter anderem unter den Folgen der Absatzkrise im Automobilmarkt leidet, waren zuletzt rückläufig.

Der Standort in Schwäbisch Gmünd fertigt höchstfeste Warmumformteile sowie komplexe Baugruppen aus Stahl und Aluminium für Premiumkunden der Automobilindustrie. Die Fabrik auf dem Gügling war in den vergangenen Jahren stark gewachsen, 2013 waren 500 Menschen hier beschäftigt, aktuell sind es inklusive der nun betroffenen Beschäftigten rund 770. Der Gmünder Unternehmensteil erzielte im Geschäftsjahr 2019/20 einen Umsatz von rund 197 Millionen Euro.

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