Voith übernimmt Argo-Hytos

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Die Voith-Zentrale in Heidenheim.
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Der Heidenheimer Maschinenbau-Konzern verkündet den nächsten Neuzugang: Voith kauft das Schweizer Unternehmen Argo-Hytos, das weltweit 1600 Menschen beschäftigt.

Heidenheim. Anfang des Jahres hatte der Voith-Konzern erst die komplette Übernahme des österreichischen Motorenbauers Elin und dessen 1000 Mitarbeitenden abgeschlossen, nun vermeldet das Heidenheimer Traditionsunternehmen den nächsten Zukauf: Die Schweizer Firma Argo-Hytos wird bald zur Gruppe gehören, der Kaufvertrag wurde Anfang Juni unterzeichnet. Es ist eine der größten Übernahmen in der Geschichte von Voith: Argo beschäftigt an mehreren internationalen Standorten rund 1600 Menschen, mehr als 400 davon in der deutschen Niederlassung in Kraichtal bei Karlsruhe. 

„Das Familienunternehmen Argo-Hytos mit seiner über 70-jährigen Erfahrung, dem Fokus auf Technologie und Innovation sowie der klaren Kundenorientierung passt perfekt zu Voith“, erklärt Cornelius Weitzmann, Mitglied der Voith-Konzerngeschäftsführung sowie Vorsitzender der Geschäftsleitung von Voith Turbo. Argo-Hytos entwickelt und produziert Hydraulik-Komponenten und -Systemlösungen mit Schwerpunkt auf dem sogenannten „Off-Highway Bereich“. Damit sind Landmaschinen, Baumaschinen und Förderfahrzeuge gemeint. Genau diesen Markt hat Voith laut Weitzmann im Blick. Voith Turbo habe das Segment „als weiteres Wachstumsfeld definiert“, so der Geschäftsführer. „Argo-Hytos ist der ideale Einstieg für Voith in diesen zukunftsträchtigen Markt“, erklärt er weiter. 

Voith wird 79,5 Prozent des Unternehmens übernehmen. Die restlichen Anteile werden die beiden bisherigen Eigentümer Christian Kienzle und die Firma FSP Capellence behalten. Das ist laut Voith ein „starker Ausdruck für die Kontinuität und Fortführung des erfolgreichen Weges“. Wie hoch die Summe ist, die Voith an die Besitzer überweist, ist nicht bekannt. Zum Kaufpreis hätten beide Seiten Stillschweigen vereinbart, heißt es in einer Mitteilung. 

Allerdings hatte Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Geschäftsführung des Voith-Konzerns, im Dezember angekündigt, eine größere Übernahme anzustreben. „Wir planen weitere Akquisitionen im mittleren, dreistelligen Millionenbereich“, kündigte Haag bei der Vorlage der Bilanzzahlen des Geschäftsjahres 2020/21 an. Die finanzielle Kraft habe Voith, erklärte damals Finanzchef Egon Krätschmer. „Wir bleiben in jeder Hinsicht handlungsfähig und sind bestens aufgestellt für weitere Investitionen.“

Für die Turbo-Sparte ist die Übernahme ein wichtiger Meilenstein. „Voith ist in zahlreichen Branchen Technologieführer in der Antriebstechnik“, sagt Weitzmann.  Erich Hofer, Vorstandschef von Argo-Hytos ergänzt: „Durch die Bündelung der Kompetenzen und Ressourcen von Argo-Hytos und Voith wollen wir den Kunden einen signifikanten Mehrwert bieten.“ Neben der erfolgreichen Fortsetzung der bisherigen Wachstumsstrategie von Argo-Hytos liege der Fokus insbesondere auf der gemeinsamen Entwicklung von Kundenlösungen für die Megatrend-Themen Elektrifizierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Hofer hatte den Posten erst im vergangenen Juli von Eigentümer Christian Kienzle übernommen. Argo-Hytos soll als eigenständige Marke mit dem Zusatz „a Voith Company“ weitergeführt werden. 

Ebenso zufrieden mit dem Verkauf und der neuen Heimat des Unternehmens ist der bisherige Mehrheitsgesellschafter Christian Kienzle. „Argo-Hytos hat sein neues Zuhause als strategische Plattform in Voith Turbo gefunden“, wird er zitiert. Ebenfalls Miteigentümer war bislang FSP Capellence, ein Beteiligungsunternehmen, das vorrangig Anteile von mittelständischen Unternehmen übernimmt. Deren geschäftsführender Gesellschafter Dr. Spyros Chaveles ist ebenfalls glücklich, den Heidenheimer Konzern als Käufer gefunden zu haben.  „Voith wird Argo-Hytos die Fortsetzung und Beschleunigung seiner langfristigen Wachstumsstrategie ermöglichen und bietet so auch allen unseren Mitarbeitenden eine sichere Perspektive.“

Argo-Hytos ging 2003 aus der Fusion der Firmen Argo und Hytos hervor. Die Firma beliefert laut eigenen Angaben Kunden im Bereich der mobilen Arbeitsmaschinen sowie des allgemeinen Maschinenbaus und ist Spezialist in der Steuer- und Regelungstechnik sowie der Filtration in der Mobil- und Industriehydraulik. Die Gruppe ist mit Produktionsgesellschaften in Deutschland, Tschechien, Polen, Indien und China vertreten sowie mit zahlreichen eigenen internationalen Vertriebs- und Montagegesellschaften weltweit aktiv. Der Standort in Kraichtal wurde erst vor knapp zwei Jahren um eine Filterelementfabrik erweitert. Die Übernahme durch Voith soll im August abgeschlossen werden, steht allerdings noch unter Vorbehalt: Es fehlen noch einige behördliche Genehmigungen. 

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