Vom Mechaniker zum Geschäftsführer

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Siegfried Wendel.
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Vor mehr als 40 Jahren startet Siegfried Wendel seine Karriere in der Fertigung von Mapal. Heute ist der er einer von fünf Geschäftsführern, die das Unternehmens neu ausrichten.

Aalen

Eines war Siegfried Wendel schon lange klar: „Ich wollte unbedingt in den Vertrieb.“ Damals, als junger Mechaniker sei er immer von einem Nachbarn, einem Außendienstler, beeindruckt gewesen, der von seinen Reisen und den vielen Terminen erzählte. „Viele Menschen kennenlernen, kommunizieren, verhandeln – das wollte ich schon immer.“ Wendel hat es geschafft, mehr noch: Seit Oktober gehört er zur Geschäftsleitung von Mapal, verantwortet als „Chief Sales Officer“ den globalen Vertrieb des Präzisionswerkzeugherstellers – und arbeitet derzeit an der Neuaufstellung der Familienfirma mit. Doch Wendels Weg in die Geschäftsführung eines der größten Unternehmen im Ostalbkreis war alles andere vorgezeichnet.

Nach einer Lehre bei Alfing Ende der 1970-er-Jahre, startet er als 22-Jähriger sein Berufsleben als Mechaniker im Bereich „Reibahlen – Reparatur und Montage“ bei Mapal. Damals, 1980, beschäftigt das Unternehmen in Aalen noch 180 Mitarbeiter. Mapal ist ein klassischer mittelständischer Familienbetrieb, noch längst nicht so global aufgestellt wie heute. In den 1980er-Jahren scheint Wendel sein Ziel etwas aus den Augen zu verlieren. „Das war die Zeit, als der Bart oder die Nächte ab und an etwas länger waren, der Fokus nicht ständig auf der Arbeit lag“, erzählt er schmunzelnd. Die Chance auf den Einstieg in den Vertrieb kommt nach einigen Jahren: 1989 betreut er als Servicetechniker einen Automobilhersteller. Bereits vier Jahre später bekommt er die Verantwortung für mehrere Großkunden übertragen, dann folgt die Gebietsverkaufsleitung für die Schweiz und Österreich; Deutschland und Ungarn kommen später dazu, ab 2015 schließlich leitet er den Vertrieb in Europa. Wendel redet im Interview schnell und viel, wie es sich eben für einen Vertriebler gehört, doch blasse Banalitäten oder blumige Business-Wortblüten kommen ihm nie über die Lippen, die Pointen sitzen, die Botschaften auch: „Vertriebler sind bei Mapal keine Verkäufer, sondern technische Berater“, sagt Wendel. „Die Kunden verfügen über ein gutes Wissen über unsere Produkte, der persönliche Kontakt muss passen, das technische Wissen sowieso. Dieser Anspruch liegt in der DNA von Mapal.“ Und auch in seiner.

Mitte der 1980er-Jahre ist er der erste Mitarbeiter, der einen Computer am Arbeitsplatz bekommt, einen Commodore C64. Wendel: „Ein Grund war, die neue Technik so schnell wie möglich kennenzulernen, der andere: Ich hasse Papier.“ Das Wachstum Mapals sei ihm damals kaum bewusst gewesen, in den 1980er-Jahren ist die Firma eben ein klassischer Mittelständler. „Das hat mich damals als Mitarbeiter in der Fertigung nur am Rande beschäftigt. Aber plötzlich wurden es immer mehr Kollegen und Kolleginnen“, erzählt er. Mit der Übernahme der Pforzheimer WWS Mitte der 1990-Jahre beginnt das globale Wachstum zu einem Konzern mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Wendels Karriere wird parallel immer steiler.

Nach der empfindlichen Umsatzdelle in den vergangenen Jahren samt Stellenabbau richtet sich die Aalener Traditionsfirma unter Dr. Jochen Kress, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung, neu aus, mittendrin der gelernte Mechaniker Wendel. Zum neuen Kurs gehört eine neue Vertriebsstrategie. Über Jahrzehnte hatte Mapal zum Beispiel fast ausschließlich auf den klassischen Direktvertrieb gesetzt, nun soll der Handel miteinbezogen werden. „Jeder Markt, jede Region, jeder Kunde hat unterschiedliche Anforderungen. Die digitalen Kanäle bieten neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Doch egal, wie digital das Geschäft auch wird, am Ende entscheidet der Faktor Mensch.“

Neben Wendel und Kress besteht die aktuelle operative Führungsebene bei Mapal aus Dr. Ralf Herkenhoff und Dr. Michael Fried. Jacek Kruszynski rückte ebenfalls im vergangenen Oktober auf. „Die neue Struktur unterstützt uns dabei, Kunden- und Marktanforderungen noch besser zu erfüllen“, begründete Kress die Erweiterung. Wendel fühlt sich in jedem Fall wohl in dem Gremium. Auch wenn die Perspektiven, zum Beispiel von Finanz- oder Vertriebschef, manchmal auseinandergehen. „Aber das macht den Reiz aus, daraus entstehen gute Ideen.“ Nach Jahren des schier endlos scheinenden Wachstums inklusive abruptem Ende hat Mapal eine neue Leitlinie ausgegeben. „Unser Ziel ist ein profitables Wachstum. Es gibt viele Dinge, die jetzt angegangen werden müssen, es muss viel gestaltet werden. Wir haben eine Super-Truppe, mit der es wirklich Spaß macht.“

Vor einigen Wochen flatterte indes ein Brief ins Haus des zweifachen, seit 1978 verheirateten Familienvaters. Absender: die Deutsche Rentenversicherung. „Da stand drin, dass ich inzwischen das Rentenalter erreicht habe“, merkt er amüsiert und mit leicht ungläubigem Kopfschütteln an. Klar ist: Für ihn ist noch lange nicht Schluss. „Man wird mich nicht nach Hause schicken oder gar mit den Füßen zuerst aus dem Büro tragen müssen“, beteuert Wendel lachend, aber: „Die Rente käme doch etwas früh.“

Sein Rat an jüngere Generationen in Sachen Arbeitsleben fällt ebenfalls kompakt aus. „Das Wichtigste ist das persönliche Engagement. Mit einer negativen Attitüde an den Arbeitsplatz kommen und alles schlecht finden, das kann jeder. Wichtig ist…“, sagt Wendel und sucht das erste Mal nach Worten, „sagen wir: künstlerische Emotionalität.“

Egal, wie digital das Geschäft auch wird, am Ende entscheidet der Faktor Mensch.“

Siegfried Wendel, Geschäftsführer Mapal

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