„Vorreiter der industriellen Moderne“

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Das illuminierte Hochhaus am Unternehmenssitz in Oberkochen.
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Der Oberkochener Konzern feiert 175. Geburtstag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow gratulieren.

Jena

Was haben Robert Koch, Roald Amundsen, das Astronautenteam der Apollo 11 und mehr als 30 Nobelpreisträger gemeinsam? Sie alle nutzten und nutzen Geräte von Zeiss. Nun feierte eines der innovativsten Unternehmen der Welt mit einem Festabend seinen 175. Geburtstag. Wegen der Corona-Pandemie wurde nur im digitalen Raum gefeiert – dafür aber mit reichlich Prominenz: Nicht nur Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte dem Unternehmen, das 1846 von Carl Zeiss in Jena gegründet. Vom dortigen Volkshaus wurde der Festakt übertragen.

„175 Jahre Zeiss, das ist weit mehr als nur ein Firmenjubiläum“, formulierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Video-Botschaft. „Das Zusammenspiel von Unternehmergeist, Forschermut und Erfindungsgabe machen Zeiss zu einem Vorreiter der industriellen Moderne.“ Steinmeier hob die Verantwortung von Zeiss als Stiftungsunternehmen hervor: „Mit Ernst Abbes visionärer Einsicht, dass wirtschaftlicher Erfolg, wissenschaftlicher Fortschritt und gesellschaftlicher Zusammenhalt einander bedingen, wurde der Grundstein dafür gelegt, dass mit der Carl-Zeiss-Stiftung unternehmerische Verantwortung für das Gemeinwohl institutionalisiert wurde.“ Er sei überzeugt, dass es die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft brauche, um Ziele wie Klimaneutralität sowie die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand zu erreichen. Steinmeier verwies auch auf die Geschichte von Zeiss im 20. Jahrhundert. Unter dem NS-Regime beschäftigte Zeiss tausende Zwangsarbeiter, nach der Wiedervereinigung gab es am Standort Jena einen großen personellen Aderlass. „In der Geschichte von Zeiss spiegelt sich auch die wechselvolle Geschichte unseres Landes.“

Von Seiten des Landes Baden-Württemberg erklärte Forschungsministerin Theresia Bauer, die zugleich Vorsitzende der Stiftungsverwaltung der Carl-Zeiss-Stiftung ist: „Als Alleinaktionärin von Zeiss profitiert die Carl-Zeiss-Stiftung in besonderer Weise vom wirtschaftlichen Erfolg ihres Stiftungsunternehmens.“ Mehr als 300 Millionen Euro seien allein seit dem Jahr 2007 in mehr als 700 Forschungsprojekte investiert worden. „Damit ist sie eine der größten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die durch ihre Innovationskraft diese gemeinnützige Förderung ermöglichen.“

Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, sagte: „Das Traditionsunternehmen steht für Innovation und ist nach einer bewegten deutschen Geschichte heute ein weltweit führendes Technologieunternehmen.“ Zeiss verbinde Ost und West. In Jena investiert das Unternehmen derzeit rund 300 Millionen Euro in einen komplett neuen Standort. In die Standorte auf der Ostalb wurden wiederum in den vergangenen zehn Jahren rund 700 Millionen Euro investiert. Weitere 250 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren folgen.

Dieter Kurz, Aufsichtsratsvorsitzender der Zeiss AG und der Schott AG, widmete sich den Gründen des Erfolgs von Zeiss. „175 Jahre Zeiss ist die faszinierende Geschichte der Entwicklung vom kleinen Handwerksbetrieb mit einem Angestellten in Jena zum globalen Weltmarktführer der optischen Industrie mit 35.000 Mitarbeitenden“, sagte Kurz, der selbst 42 Jahre lang bei Zeiss tätig war und als langjähriger Vorstandschef die Basis für den heutigen Erfolg gelegt hatte. Diese Erfolgsgeschichte sei aber nicht so gradlinig verlaufen, wie man es heute sehe, unterstrich er, sondern „eine Geschichte mit Wendungen und auch mit Auf und Ab“.

Kurz erinnerte an die dramatischen Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Sowjets mehr als 200 Zeiss-Mitarbeiter mitsamt den Maschinen in den Osten deportierten. Nach der Wende und der Wiedervereinigung der Zeiss-Unternehmen aus Oberkochen und Jena sei die Euphorie schnell verflogen. „1995 befand sich Zeiss in einer echten Existenzkrise“, so Kurz. Hernach hat sich das Unternehmen aber blendend entwickelt. „Gelungen ist der langfristige Erfolg, weil Kerntugenden, Werte und das Können immer gehütet wurden, vieles andere aber immer wieder erneuert wurde.“ Das gehöre zur Innovationskultur. Er sei optimistisch, dass Zeiss bald einen Umsatz im zweistelligen Milliardenbereich erzielen könne.

„175 Jahre Zeiss sind mehr als nur ein historischer Meilenstein in unserer Unternehmensgeschichte“, betonte Vorstandsvorsitzender Dr. Karl Lamprecht. „Sie sind auch Ansporn für uns, mit Weitblick und technologischen Innovationen zu einer lebenswerten Zukunft beizutragen.“ Mit seiner besonderen Geschichte und seiner herausragenden Leistungskraft sei Zeiss ein außergewöhnliches Unternehmen. Die 175 Jahre zeigten auch, dass es sowohl ein hohes Maß an Robustheit und als auch an Veränderungsbereitschaft bedarf.

175 Jahre Zeiss, das ist weit mehr als nur ein Firmenjubiläum.“

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident
Anlässlich des 175. Geburtstags startet Zeiss die Zukunftsinitiative "A Heart For Science".
Zeiss-Vorstandsvorsitzender Dr. Karl Lamprecht.
Das festlich illuminierte Volkshaus in Jena, wo der Festabend wegen der Corona-Pandemie ohne Publikum stattfand.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Carl Zeiss (links) und Ernst Abbe legten im 20. Jahrhundert den Grundstein für mehrere bahnbrechende Innovationen.

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