Wachstum dank grüner Technologie

+
Eine Kaplan-Turbine von Voith Hydro im Wasserkraftwerk Wanapum, USA.
  • schließen

Der Voith-Konzern kommt besser als erwartet durch die Corona-Krise. Die Firma profitiert vor allem von der Konzentration auf nachhaltige Technologien.

Heidenheim

So hoch war der Auftragsbestand noch nie in der Geschichte des Voith-Konzerns: Projekte mit einem gesamten Volumen von mehr als sechs Milliarden Euro stehen in den Büchern des Unternehmens. „Unser stark gestiegener Auftragseingang zeigt, dass wir mit unserer strategischen Ausrichtung auf die Megatrends Digitalisierung und Dekarbonisierung die richtigen Schwerpunkte gesetzt haben“, erklärt Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Geschäftsführung, bei der Präsentation der Zahlen des zurückliegenden Geschäftsjahres 2020/21. Voith rüstet unter anderem Wasserkraftwerke aus, stellt Papiermaschinen her und ist stark bei alternativen Antrieben für Nutzfahrzeuge.

Die Corona-Delle des vorvergangenen Geschäftsjahres hat das Maschinenbauunternehmen ebenfalls ausgemerzt. Die Erlöse steigen um 4 Prozent auf 4,26 Milliarden Euro, der operative Gewinn wächst um 18 Prozent auf 165 Millionen Euro. „Dies ist umso bemerkenswerter, als dass das Geschäftsjahr noch ganz unter dem Eindruck der Pandemie stand“, betont Haag. Produktionsstätten seien teilweise geschlossen gewesen, Baustellen habe man nicht betreten dürfen und auch das Servicegeschäft sei eingeschränkt gewesen. Steigende Rohstoffpreise und brüchige Lieferketten haben laut Haag nur geringe Auswirkungen auf das Geschäft. „Wir haben mit vielen unserer Lieferanten langfristige Verträge. Bei den Lieferketten sind wir dank unserer Historie gut aufgestellt“, so Haag. Die verschiedenen internationalen Voith-Standorte arbeiteten autonom und hätten in den jeweiligen Märkten eigene Zulieferstrukturen aufgebaut.

„Wir sind mit unserem Abschneiden insgesamt zufrieden. Voith ist bisher besser durch die Krise gekommen, als wir das zu Beginn der Pandemie erwarten konnten“, sagt Haag. „Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.“ Ein wichtiger Schritt bei der Konzentration aufs Kerngeschäft, die Haag vorantreiben will, ist die komplette Übernahme des Wasserkraft-Bereichs Hydro. An diesem ist Siemens Energy mit 35 Prozent beteiligt, die Anteile will Voith nun kaufen. Haag sieht in der einstmals kränkelnden Sparte eine wichtige Zukunftstechnologie. „Wasserkraft bietet eine große Chance für nachhaltiges Wachstum“, sagt der Voith-Chef. Ebenfalls in Übernahmen investiert wurde in den Bereichen Paper und Turbo. Neben dem Kerngeschäft widmet sich Voith neuen Geschäftsbereichen.

So steigen die Heidenheimer ins Windkraft-Geschäft ein und kooperieren mit internationalen Windradherstellern. Voith entwickelt und produziert Getriebe und Generatoren für Windturbinen. Deshalb hatte Voith vor einige Monaten die Firma Elin übernommen. Ein Schlüsselthema ist laut Haag die Wasserstoffgewinnung und Wasserstoffnutzung. Hier verstärke Voith sein Engagement, denn Wasserkraft spiele bei der Erzeugung grünen Wasserstoffs eine zentrale Rolle. Die Heidenheimer wollen nicht nur beim Transport über Wasserstoffpipelines ihre Erfahrungen einbringen, sondern auch bei der Entwicklung von Hochdruckbehältern für die Wasserstoffspeicherung sowie bei der Nutzung mittels Brennstoffzelle. „Schritt für Schritt verankert Voith die Megatrends Digitalisierung und Dekarbonisierung im Konzern und macht industrielle Nachhaltigkeit zu seinem Geschäftsmodell“, erklärt Haag.

Bereits im kommenden Jahr wird Voith CO2-neutral produzieren – und das größtenteils aus eigener Kraft. In den vergangenen Jahren habe man zahlreiche Standorte mit Anlagen der erneuerbaren Energien ausgestattet und beziehe grünen Strom, so Haag. Lediglich 150 000 Euro wird Voith für sogenannte CO2-Zertifikate ausgeben.

Rund 200 Millionen Euro hat Voith im vergangenen Geschäftsjahr in Forschung und Entwicklung investiert. Weitere Millionen flossen in die Übernahmen von Firmen. „Wir planen weitere Akquisitionen im mittleren, dreistelligen Millionenbereich“, kündigt Haag an. Die finanzielle Kraft habe Voith, erklärt Finanzchef Egon Krätschmer. „Wir bleiben in jeder Hinsicht handlungsfähig und sind bestens aufgestellt für weitere Investitionen.“

Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Geschäftsführung
  • So haben sich die Voith-Sparten entwickelt
  • Der größte Unternehmensbereich ist das Papiermaschinengeschäft. Hier profitiert Voith vom boomenden Online-Handel und dem gestiegenen Bedarf an Verpackungen. „Wir haben unser führende Markposition weiter ausgebaut“, erklärt Voith-Chef Dr. Toralf Haag. Allerdings ist der Umsatz 2020/21 gesunken, während der Auftragsbestand um ein Drittel gestiegen ist.
  • Die Wasserkraftsparte Hydro hat sich 2020/21 einige Großaufträge gesichert: So modernisiert und digitalisiert Voith die US-amerikanische Wasserkraftanlage Robert Moses, erneuert das Paulo Afonso IV in Brasilien sowie das größten belgische Pumpspeicherkraftwerks Coo-Trois-Ponts.
  • Voith Turbo profitiert wiederum von der wieder steigenden Nachfrage im Industrie- und Mobilitätsbereich. „Unser innovatives E-Antriebssystem für Nutzfahrzeuge ist weltweit erfolgreich“, sagt Haag.
  • Die Zahl der Mitarbeiter ist weltweit um rund 700 auf rund 19 900 gesunken. In Heidenheim beschäftigt Voith rund 3900 Menschen, in Deutschland insgesamt 7350.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare