Warnstreiks auf der ganzen Ostalb

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Eine Aktion der IG Metall gab es am Freitag vor den Toren der Bosch AS in Schwäbisch Gmünd.
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Die IG Metall ruft zu Arbeitsniederlegungen bis zur nächsten Tarifrunde am 9. März auf – "Digitaler Warnstreik" mit Online-Aktionen ist geplant.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Die IG Metall macht mit Warnstreiks Druck: Am Freitag ist es in zahlreichen Metall- und Elektrobetrieben der Ostalb zu befristeten Arbeitsniederlegungen und Frühschluss-Aktionen gekommen. Bis zur vierten Tarifverhandlungsrunde mit den baden-württembergischen Arbeitgebern am Dienstag, 9. März, will die Gewerkschaft die Warnstreiks fortführen.

Eine Einigung zwischen den beiden Tarifparteien scheint bislang in weiter Ferne. Die Gewerkschaft setzt sich für Beschäftigungssicherung sowie einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge ein, in denen Investitionen und Zukunftsausrichtung von Unternehmen unter Beteiligung der Belegschaft geregelt werden sollen. Zudem fordert die IG Metall vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate – entweder als Lohnerhöhung oder als Ausgleich, wenn durch Arbeitszeitverkürzung Jobs gerettet werden. Auch mehr Rechte für Azubis stehen im Forderungskatalog.

Die Arbeitgeber im Verband Südwestmetall hingegen möchten eine Nullrunde, bis sich die wirtschaftliche Situation wieder erholt hat. Zudem wollen sie Schichtzulagen teilweise streichen, Sonderzahlungen in einzelnen Betrieben flexibel regeln und weitere Vergünstigungen für die Arbeitnehmer abbauen.

Den Warnstreik-Auftakt machten die Beschäftigten der SHW Automotive in Aalen. Rund 250 Beschäftigte legten am Donnerstag beim Automobilzulieferer die Arbeit temporär nieder. Am Freitag folgten im Altkreis Aalen weitere 16 Unternehmen, darunter Franke GmbH, Gesenkschmiede Schneider (GSA), Kessler & Co., Mapal Dr. Kress KG, Varta Consumer Varta Microbattery, Carl Zeiss AG, Carl Zeiss Jena GmbH, Carl Zeiss Vision, SMT, Carl Zeiss Microscopy, Carl Zeiss IMT, Gusto Gourmet, Carl Zeiss Meditec AG, Carl Zeiss Meditec Vertriebsgesellschaft und Hensoldt. Im Altkreis Schwäbisch Gmünd gab es Warnstreik-Aktionen bei Bosch AS, ZF Automotive, Mahle Blechtechnologie sowie Fein. Insgesamt haben sich laut IG Metall mehrere Tausend Beschäftigte ostalbweit an den Warnstreiks beteiliget. "Wir wollen Druck aufbauen für die vierte Verhandlungsrunde am 9. März", betont Kai Burmeister, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostalb.

Vorwurf: Corona ausgenutzt

Wir haben genug Luft für den Langstreckenlauf.

Kai Burmeister 1. Bevollmächtigter IG Metall

Josef Mischko, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Aalen, wirft den Arbeitgebern "Kalkül" vor. Sie handelten nach dem Motto: "Wegen Corona kann die IG Metall sowieso nicht streiken. Ich habe darauf eine klare Antwort: Wer nicht hören und nicht anständig verhandeln will, muss fühlen", so Mischko kämpferisch.

Burmeister fügt an: "Die Beschäftigten stehen hinter den Forderungen der IG Metall nach sicherer Arbeit, höheren Löhnen und Zukunftsperspektiven für Standorte und die junge Generation. Wir brauchen während der Corona Pandemie tragbare Lösungen, um positiv in die Zukunft blicken zu können. Die Industrie ist unser Rückgrat, welches maßgeblich von den Beschäftigten getragen wird. Daher verdienen die Kolleginnen und Kollegen ein ordentliches Tarifergebnis."

Sollte am 9. März keine Einigung zustande kommen, will die IG Metall am 12. März mit einem "digitalen Warnstreik" Neuland betreten. Diese Aktion richtet sich speziell an Beschäftigte, die während der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeiten. "Hier trommeln wir auch online für unsere Forderungen", so Burmeister. Für die Beschäftigten am heimischen PC sind aber auch Entspannungsübungen geplant, um auf das Arbeiten am oft wenig ergonomisch ausgestatteten Heimarbeitsplatz hinzuweisen. Dazu gibt es ein Live-Kochen mit Roman Zitzelsberger, dem Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg und Verhandlungsführer in der aktuellen Tarifrunde.

"Es müssen nicht immer Trillerpfeifen sein", betont Burmeister, der den Arbeitgebern vorwirft, sie nutzten die Coronakrise aus, um Tarifrechte auszuhebeln. "Die wirtschaftliche Lage entwickelt sich nicht so schlecht", weist Burmeister die Nullrundenforderung zurück. Er sieht die IG Metall gerüstet, auch wenn es keine Einigung gibt: "Wir haben genug Luft für den Langstreckenlauf."

Flyer verteilte die Gewerkschaft auch vor dem Werk von Zeiss Vision in Aalen.

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