Warum Anlegen das neue Sparen ist

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Rudi Maurer.
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Einen massiven Umbau vor Augen, ein gutes Geschäftsjahr im Rücken: Wie sich die Commerzbank 2020 in der Region Ostwürttemberg geschlagen hat.

Aalen

Bei der Commerzbank steht in den kommenden Jahren ein umfangreicher Umbau an. Die Zahl der Filialen soll von derzeit rund 1000 auf 450 sinken, 10 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Zu den Details konnten sich beim jährlichen Bilanzpressegespräch des Instituts für die Region Ostwürttemberg weder Johannes Kube, Niederlassungsleiter Privat- und Unternehmerkunden in Ostwürttemberg und Heilbronn, noch Rudi Maurer, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft in der Niederlassung, äußern. "Die Gremiengespräche laufen nun an. Ein Ergebnis gibt es noch nicht", sagt Commerzbanksprecherin Sandra Kobus. Klar ist indes, dass die Commerzbank in der Region Ostwürttemberg und den Filialen in Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim im vergangenen Jahr gewachsen ist. "Wir sind mit dem Jahr 2020 sehr zufrieden", zieht Kube Bilanz.

Corona. Natürlich war und ist die Pandemie bei der Commerzbank und ihren Kunden das bestimmende Thema. Insgesamt hat die Commerzbank Firmen bundesweit rund 7,7 Milliarden Euro an KfW-Coronakrediten bereitgestellt, davon 70 Millionen Euro in Ostwürttemberg. Bundesweit stundete die Commerzbank für 3000 Kunden Kredite mit einem Volumen von 3,3 Milliarden Euro, wie Maurer erklärt. "Viele Firmen haben sich in der Corona-Krise aber besser entwickelt als erwartet oder befürchtet." Obwohl in der Krise die Bestandskundenpflege im Mittelpunkt gestanden habe, habe man einige neue Kunden gewonnen. Insgesamt sind in Ostwürttemberg rund 3500 Firmen oder Selbstständige Kunde der Commerzbank.

Digitalisierung. Die Pandemie hat dem digitalen Bankgeschäft zu einem Boom verholfen, sowohl bei den Firmen- wie den Privatkunden. "Viele Firmen haben sich stärker mit dem Thema beschäftigt und erledigen immer mehr Finanzgeschäfte digital", berichtet Maurer. So wurden 2020 bereits 50 Prozent mehr digitale Geldmarkt- und Avalkredite abgeschlossen als im Vorjahr. Auch im Privatkundengeschäft nutzen immer mehr Kunden die digitalen Angebote. "Dabei geht der Trend eindeutig Richtung mobiles Banking", sagt Kube. So stieg die Zahl der Banking-App-Nutzer in Ostwürttemberg 2020 um 31,9 Prozent. Jeder dritte Neukunde sei im vergangenen Jahr online zur Commerzbank gekommen. "Insgesamt haben wir 2020 in Ostwürttemberg netto 500 neue Kunden gewonnen und betreuen nun 34 200 Kunden", so Kube.

Anlagen. Minuszinsen sind wegen des niedrigen Zinsniveaus an den Märkten auch für die Kunden der Commerzbank ein Thema. Mit den Bestandskunden suche man nach individuellen Lösungen, Neukunden verfügten seit Herbst über einen Freibetrag, so Kube. Das Anlagevolumen in Giro-, Festgeld- oder Tagesgeldkonten ist 2020 um stattliche 12,8 Prozent auf 333 Millionen Euro gewachsen. Doch immer mehr Kunden investieren ihr Geld in Aktien. "Anlegen ist das neue Sparen", erklärt Kube. Die Zahl der neu abgeschlossenen Wertpapier-Sparpläne steigt um rund ein Viertel, das Depotvolumen auf 312 Millionen Euro. Stark nachgefragt sind auch nachhaltige Anlageformen.

Der Handlungsdruck in der Branche ist sehr groß

Johannes Kube Commerzbank

Immobilienboom. Ein starkes Wachstum verzeichnete die Commerzbank bei Immobilienfinanzierungen. "Der Immobilienboom ist ungebrochen. Die Corona-Krise hat den Wunsch nach Wohneigentum noch einmal verstärkt. Dabei geht der Trend raus aus der Stadt ins Grüne, besonders Immobilien mit Gärten und Balkonen waren 2020 gefragt", sagt Kube. "Das war für die Commerzbank ein starkes Jahr in der Region." Das Neugeschäft mit Baufinanzierungen stieg in Ostwürttemberg um 62 Millionen Euro, das sind 10,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit liege man über dem bundesweiten Durchschnitt der Commerzbank. Das Gesamtvolumen liegt damit bei 301 Millionen Euro. Auch bei den eigenen vier Wänden geht der Trend in Richtung Nachhaltigkeit. Bereits jede fünfte Baufinanzierung bei der Commerzbank sei "grün", was mitunter am Zinsrabatt von 0,1 Prozentpunkten liegt, den das Institut für eine energieeffiziente Bauweise gewährt.

Umbau. Unter dem Arbeitstitel "Strategie 2024" will sich die Commerzbank in den kommenden Jahren schlanker aufstellen, heißt: Kosten senken, Filialen schließen, Arbeitsplätze abbauen. "Der Handlungsdruck in der Branche ist sehr groß", sagt Kube. Der Wettbewerb nehme zu, die Zinsen blieben niedrig, zudem ändere sich das Kundenverhalten massiv.

Unabhängig von der Zahl der Filialen, die auf 450 sinken soll, setze man weiter auf persönliche Nähe. Rund die Hälfte der dann verbliebenden Filialen sind für einen sogenannten "gehobenen Bedarf" vorgesehen. Wie sich das konkret auf die drei Standorte in Ostwürttemberg, an denen aktuell 50 Menschen arbeiten, auswirken wird, steht wohl erst in einigen Monaten fest.

Johannes Kube.

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