Warum die Bäckerei Weber schließt

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Das geschlossene Hauptgeschäft von "Brezel Weber" an der Hauptstraße in Mögglingen.
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Stammhaus in Mögglingen und alle Filialen in Schechingen, Unterrombach und Dewangen zu. 31 Beschäftigte stehen auf der Straße "Notbremse gezogen".

Mögglingen

Die inhabergeführte Bäckerei Weber in Mögglingen hat mit sofortiger Wirkung ihren Betrieb eingestellt. Betroffen sind alle vier Standorte in der Mögglinger Hauptstraße, Schechingen, Aalen-Unterrombach und Aalen-Dewangen sowie 31 Beschäftigte. Das bestätigt ein Mitarbeiter des Insolvenzverwalters Dr. Reinhard Schmid aus Stuttgart. Für die bisherige Betriebsinhaberin Sylvia Weber war es eine "Notbremse".

Zum 30. Juli war das ordentliche Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Aalen eröffnet worden. Vorausgegangen war ein vorläufiges Insolvenzverfahren. "Während dieser ganzen Zeit ist es nicht gelungen, einen Nachfolger beziehungsweise Investor zu finden", so der Mitarbeiter der Insolvenzverwaltung. Die Beschäftigten sind zu Ende August gekündigt. Die Insolvenzverwaltung habe nun Kontakt zu Großbäckereien der Region aufgenommen, ob dort eine Weiterbeschäftigungsmöglichkeit besteht. Auch über die vier Bäckereigeschäfte wird mit Investoren verhandelt.

Die Bäckerei, die mit dem Slogan "Die Brezelhelden" wirbt, war 1972 am Standort Mögglingen gegründet worden. Bereits im Jahr 2018 war es wegen finanzieller Schwierigkeiten zu einer Insolvenz gekommen. Damals hatte mit Sylvia Weber die Tochter des vorherigen Betriebsinhabers das Unternehmen übernommen und weitergeführt.

Die Betriebswirtin führte zahlreiche Neuerungen ein, legte Wert auf regionale Rohstoffe, setzte auf liebevoll hergestellte Brezeln und Briegel und startete einen kleinen Catering-Service. Anstelle der Ende 2019 geschlossenen Filiale in Alfdorf-Pfahlbronn wurde im Februar 2020 die ehemalige Filiale der Bäckerei Veit in Dewangen übernommen.

Ortsumfahrung und Corona

Ich habe mein halbes Leben in die Bäckerei hineingesteckt.

Sylvia Weber Brezel Weber

Zur jetzigen Situation haben laut Sylvia Weber mehrere Faktoren geführt. Zum einen sei die Branche an sich schwierig. Aber auch die im April 2019 eröffnete Ortsumgehung für Mögglingen habe dem Laden direkt an der Ortsdurchfahrt zu schaffen gemacht – die Spontankundschaft blieb aus. "Der Umsatz ist dadurch um ein Drittel zurückgegangen", sagt Sylvia Weber. Die Ortskernsanierung wiederum ziehe sich in die Länge: "Der Standort Mögglingen war nicht mehr tragbar."

Wirtschaftlich ausschlaggebend war schließlich die Coronakrise, durch die das Geschäft mit Firmen, Vereinen, für Feste und Gaststätten in großem Stil weggebrochen ist. Schließlich hätten auch gesundheitliche Gründe eine Rolle gespielt, dass Sylvia Weber die Pläne verwarf, ihr Partner könnte die Bäckerei als Investor als GmbH weiterführen: "Es ist besser, jetzt die Notbremse zu ziehen", sagt sie, obwohl ihr die Entscheidung emotional nicht leicht gefallen sei: "Ich habe mein halbes Leben in die Bäckerei hineingesteckt."

Mut macht Sylvia Weber hingegen den 31 Mitarbeitern: "In der Branche findet man heutzutage schnell einen Job."

"Die Schließung des Traditionsbetriebs Weber ist für uns in Mögglingen ein großer Verlust", sagt Mögglingens Bürgermeister Adrian Schlenker, der besonders der Betreiberfamilie sein Bedauern ausspricht. Nun gebe es nur noch zwei statt drei Bäckereiläden in Mögglingen und in diesem Bereich der Hauptstraße keinen einzigen Einzelhändler mehr.

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