Warum Hartmanns Umsatz sinkt

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Stammsitz von Hartmann in Heidenheim.
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2020 gab es noch den Corona-Effekt, nun schwingt das Pendel in die andere Richtung: Der Heidenheimer Konzern hat mit zurückgehendem Umsatz und Gewinn zu kämpfen, ist mit dem Jahr 2021 aber dennoch nicht unzufrieden.

Heidenheim

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln war kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie riesig. Das ließ auch den Umsatz des Hartmann-Konzerns rasant steigen. Doch im vergangenen Jahr blieb der Effekt aus und die Pandemie wirkte sich negativ auf die Zahlen des Heidenheimer Traditionsunternehmens aus. Der Umsatz sank 2021 um 5,2 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro, der operative Gewinn (Ebitda) reduzierte sich gar um 17,7 Prozent auf nun 240,6 Millionen Euro.

„Die erwartungsgemäß rückläufigen Finanzkennzahlen sind im Wesentlichen auf die Pandemie zurückzuführen“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Ein Grund, warum die Sonderkonjunktur des Jahres 2020 abgeebbt ist: die Kunden hatten wegen der Pandemie damals große Lagerbestände angelegt. Da die Corona-Pandemie zudem zu einer schwächeren Bettenauslastung in medizinischen Einrichtungen und weniger Operationen führte, sinkt der Umsatz der Sparte Infektionsmanagement im Vergleich zum Rekordjahr 2020 um rund ein Fünftel.

Die zweitwichtigste Sparte, das Inkontinenzmanagement, entwickelt sich hingegen stabil – hier geht der Umsatz nur leicht um 1,8 Prozent zurück – hatte aber ebenfalls mit der geringeren Bettenauslastung in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu kämpfen, die die Nachfrage hemmte. Ein Plus steht indes bei den Geschäftsbereichen Wundversorgung (+9,7 Prozent) sowie den sogenannten komplementären Divisionen (+0,8 Prozent) zu Buche, zu denen etwa die Hartmann-Tochter Kneipp gehört.

Trotz sinkendem Umsatz und Gewinn ist Konzernchefin Britta Fünfstück nicht unzufrieden mit dem vergangenen Jahr, denn: „Es ist uns erneut gelungen, die Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen und gleichzeitig die geplanten Fortschritte in unserem Transformationsprogramm zu erzielen.“ 

Fünfstück treibt den Umbau voran

Mit dem Transformationsprogramm will Fünfstück Hartmann fit für die Zukunft machen. Es sieht zum Beispiel eine steigende Innovationsgeschwindigkeit vor. Hartmann habe, so Fünfstück, 2021 wichtige neue Produkte auf den Markt gebracht, etwa silikonbasierte Wundauflagen, ein auf künstlicher Intelligenz basierendes System zur Wundanalyse oder ein neues steriles Komponentenset zur Infektionsprävention.

Zudem wollen die Heidenheimer im Zuge des Umbaus das Angebot im ambulanten Markt stärken. So hat Hartmann 2021 das führende deutsche Online-Pflegeportal pflege.de übernommen. „Die strategisch wichtige Akquisition erlaubt Hartmann, den wachsenden Markt der ambulanten Pflege gezielt zu adressieren und seine digitalen Angebote zu erweitern“, so das Unternehmen. Clemens Topp, Leiter Ambulant Deutschland bei Hartmann und verantwortlich für pflege.de, zieht eine erste Bilanz: „Unser erstes Jahr mit pflege.de zeigt eine sehr positive Entwicklung und hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen.“

Und nicht zuletzt sieht das Programm „signifikante Investitionen“ in die Standorte vor, mit denen Produktionsanlagen und Infrastruktur modernisiert und erweitert werden soll. Insgesamt hat Hartmann laut eigenen Angaben 2021 rund 154 Millionen Euro in Sachanlagen investiert.

Ein Teil davon fließt in den Aufbau eines neuen Produktionsstandorts in Polen. Bereits in diesem Jahr sollen hier die ersten Produkte gefertigt werden. An den Standort sollen auch die einzige noch in Heidenheim verbliebene Produktion im Bereich Wundversorgung sowie ein Teil der Produktion des Schweizer Standorts in Neuhausen verlagert werden. „Diese Neuausrichtung wird die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sichern und stärken“, begründet Hartmann den Schritt.

Doch auch in die Standorte in der Region Ostwürttemberg will Hartmann investieren. Am Standort in Herbrechtingen sollen 40 Millionen Euro unter anderem in eine neue Fertigungslinie zur Steigerung der Produktionskapazität sowie die Umrüstung bereits bestehender Anlagen zur Fertigung neuer, innovativer Produkte fließen.

Ausblick für das kommende Jahr

2022 soll der Umsatz „moderat“ wachsen und das operative Ergebnis zwischen 190 und 230 Millionen Euro liegen. Allerdings weist Hartmann darauf, dass die anhaltende Pandemie zu einer „hohen Prognoseunsicherheit“ führe. Auch die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sind „noch nicht quantifizierbar und daher auch nicht in der Prognose berücksichtigt“.

Britta Fünfstück, Vorstandschefin von Hartmann.

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