Warum Immobilien Trumpf bleiben

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Führt die Wirtschaftskrise dazu, dass nun massenweise Immobilien verkauft werden müssen? Experten sind skeptisch. Archiv-
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Auch die Immobilienbranche der Ostalb könnte von Corona und seinen Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsleben getroffen werden. Allerdings hat sie gute Karten in der Hinterhand.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Den Wert der eigenen vier Wände haben viele in der Quarantäne-Zeit schätzen gelernt. Aber werden noch in großem Stil Wohnungen gekauft, verkauft und vermietet? Die Immobilienbranche auf der Ostalb tut sich schwer mit Voraussagen. Zu unterschiedlich sind die möglichen Szenarien. Immerhin: Der Immobilienverband IVD wagt in einer aktuellen Studie den Blick in die Glaskugel. Die Kernaussage: Die Coronakrise hat zwar Auswirkungen auf den Markt, es stehen aber keine massiven Wertverluste oder Preiseinbrüche bis Ende des Jahres an – besonders was Wohnimmobilien angeht.

Eigentumswohnungen sollen bis Jahresende in Deutschland noch einmal um vier bis fünf Prozent teurer werden. 2019 waren es 8,3 Prozent. "Wohnimmobilien sind das stabilste Immobiliensegment. Büro und Einzelhandel sind deutlich stärker von der Corona-Krise betroffen", sagt IVD-Präsident Jürgen Michael Schick. Kein Wunder: Die Läden waren lange dicht, die Hotels leer, manche Handelsketten haben sogar Filialen geschlossen. Zukunftsfragen – gibt es mehr Home-Office und weniger Büro, mehr Videokonferenzen und weniger Dienstreisen? – sorgen für Unsicherheit.

Wie alle Branchen hat Corona auch bei den Immobilienspezialisten das operative Geschäft umgekrempelt. "Besichtigungen und Wertermittlungstermine finden unter Einhaltung der empfohlenen Sicherheitsabstände und Einhaltung von Hygienestandards statt", erzählen Christoph Klaus und Stefan Wiedmann von Klaus & Wiedmann Immobilien in Schwäbisch Gmünd. Der Lockdown traf alle Immobilienunternehmen auf der Ostalb: Mitarbeiter arbeiteten wenn möglich im Home-Office, Termine wurden aufgeschoben und vertagt. "Das Transaktionsvolumen wird im zweiten Quartal dieses Jahres voraussichtlich um 25 bis 35 Prozent zurückgehen", so die IVD-Studie. Für den weiteren Jahresverlauf erwartet der Verband nach jetzigem Stand dann immerhin wieder eine Normalisierung.

Folgen kommen zeitverzögert

Sicher werden sich die Folgen auf für den Wohnimmobilienmarkt erst zeitverzögert einstellen. "Man muss hier verschiedene Szenarien betrachten", sagt Alexander Schulligen von Gamundia Immobilien in Gmünd. "Eine Kaufzurückhaltung im oberen Preissegment bei den Wohnimmobilien", wie sie der IVD beobachtet, kann sich Schulligen durchaus vorstellen. Wer bereits komfortabel wohne, brauche jetzt nicht unbedingt ein noch teureres Heim.

Und wer sich in der Quarantäne über seine winzige Hochhaus Wohnung geärgert hat, kann sich vielleicht keine größere leisten – schon gar nicht jetzt: Arbeitnehmer rutschen in Kurzarbeit oder gar in Arbeitslosigkeit, Unternehmern und Selbstständigen brechen die Umsätze ein. Vielleicht müssen manche sogar ihre Immobilien verkaufen.

Durch Corona ist der Bedarf an Wohnungen nicht geringer geworden.

Horst Enßlin Essinger Wohnbau

Bauen? Bleibt teuer

Auf der anderen Seite suchen gerade jetzt viele ihr Heil im Betongold. Schulligen: "Wer Geld in der Hinterhand hat, überlegt sich das." Immobilien gelten als stabile Wertanlage und Altersvorsorge - und wohnen muss schließlich jeder.

Die Wohnungsmieten könnten 2020 um 2,5 bis 3 Prozent steigen, so der IVD. Denn in den meisten Städten sei die Nachfrage nach Miet- und Eigentumswohnungen nach wie vor größer als das Angebot. Horst Enßlin von der Essinger Wohnbau erkennt denn auch "in der Wohnungswirtschaft der Region bei Interessenten seit Anfang Mai wieder ein Nachfrageverhalten ähnlich wie vor der Corona-Krise". Enßlin weiter: "Auch auf den Baustellen geht der Betrieb mit wenigen Einschränkungen weiter." Er fügt hinzu: "Wir erwarten nicht, dass die Preise für Grundstücke und Handwerkerleistungen in den nächsten zwölf Monaten fallen. Deshalb wird Bauen teuer bleiben. Weiter ist durch Corona der Bedarf an Wohnungen nicht geringer geworden." Auch die weiter niedrigen Zinsen helfen dem Geschäft.

Nach Schulligens Ansicht könnte die Bautätigkeit aber auch leiden: "Wir sehen eher die Gefahr, dass die Schaffung geplanten Wohnraums in diesem Umfeld leiden könnte, sei es durch Insolvenzen, Rückstellung oder Stornierung geplanter Projekte oder alleine durch Risikoaversion und Abwarten statt Schaffung neuen Wohnraums."

Die Immobilienmakler Klaus und Wiedmann aus Gmünd glauben, "dass sich konjunkturelle Krisen immer zeitversetzt auf den Immobilienmarkt durchschlagen. Ob die Immobilienpreise oder auch die Mieten fallen werden, wird sicher auch davon abhängig sein, wie schnell die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt." Diese Ansicht teilt auch Horst Enßlin aus Essingen: "Auch für unsere Branche wird enorm wichtig sein, ob sich die Entwicklung stabilisiert und sich bei Verbrauchern und Banken wieder nachhaltig Zukunftsvertrauen einstellt."

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