Was die Aalener Trias mit der Sektkellerei Rilling plant

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Die Sektkellerei Rilling in Bad Cannstatt wurde 1887 gegründet und war bis zum Sommer noch im Familienbesitz.
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Die Firma von Cemal Isin und Tobias Grimminger hat die Sektkellerei aus Bad Cannstatt gekauft – und will nicht nur die Immobilie, sondern auch die traditionsreiche Firma weiterentwickeln.

Aalen.

Der Neckar fließt langsam gen Stuttgart und im Hintergrund zeichnen sich selbst im Dezembergrau die Weinberge ab: Vom Dach der Sektkellerei Rilling in Bad Cannstatt kann man den Blick durchaus schweifen lassen. Cemal Isin kennt diesen einmaligen Ausblick gut: Der Aalener Architekt und Unternehmer hat gemeinsam mit dem Stuttgarter Unternehmer Tobias Grimminger die traditionsreiche Firma übernommen. Im Juli wurde der Kaufvertrag unterschrieben, sowohl das Areal als auch alle Anteile gehören nun der Trias Verwaltungs GmbH, dem Unternehmen von Isin und Grimminger, der zudem eine Designagentur in Stuttgart betreibt. Die beiden haben mit Rilling noch einiges vor, denn die Übernahme dient nicht allein der Entwicklung der Immobilie mit einer Grundfläche von 5700 Quadratmetern in bester Lage nahe der Cannstatter Innenstadt.

„Wir glauben an das Unternehmen und wir glauben an die Marke“, sagt Isin. Auch wenn Rilling in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer kleiner geworden ist. Von einstmals 200 Mitarbeitenden, die in den Hochzeiten des traditionsreichen Familienbetriebs Jahr für Jahr viele Millionen Liter Sekt hergestellt haben, sind 2021 noch 32 Menschen beschäftigt. Bis Juli war das Unternehmen in Familienbesitz; Bernhard und Charlotte Rilling, Urenkel des Firmengründers, fanden keine Nachfolger innerhalb der Familie und suchten nach einem Übernehmer. Über einen Verkauf wurde in Cannstatt schon länger spekuliert, zahlreiche Investoren interessierten sich für Firma und Areal, den Zuschlag bekamen schlussendlich Isin und Grimminger.

Gemeinsam mit Prokuristin Silke Arndt wollen sie das Unternehmen strategisch neu ausrichten, die Marke aufpolieren und die internen Prozesse optimieren. „Unsere Erfahrung in der Entwicklung von Unternehmen und Standorten in Kombination mit dem Fachwissen der Rilling-Belegschaft sowie der reichen Tradition der Sektkellerei vereint das Beste aus zwei Welten“, erklärt Arndt. Dazu gehört unter anderem die Straffung des Portfolios: Mehr als 30 Sektsorten hat Rilling im Angebot, was für ein Unternehmen dieser Größe zu viel, aber eben „der Tradition geschuldet ist“, wie Isin erklärt.

Statt auf Masse will das Trio auf Klasse setzen, die Regionalität der Marke und die Qualität der Rohstoffe und der Herstellung sollen in den Mittelpunkt rücken. Einen Preiskampf mit den ungleich größeren Konkurrenten will man sich nicht liefern. „Im Gegensatz zu vielen großen Herstellern setzt Rilling schon seit Jahrzehnten auf die Gärung im Tank“, erklärt Arndt. Der Wettbewerb setzt hingegen auf die Flaschengärung. „Wir wollen die Wertigkeit in den Vordergrund rücken.“

Im Keller von Rilling, der in Teilen noch aus dem 16. Jahrhundert stammt, ist die Aussicht zwar nicht so atemberaubend wie auf dem Dach, dafür bekommt man einen guten Eindruck von dieser Herstellungsweise in großen Behältern: In den verwinkelten Räumen, die sich über das gesamte Areal erstrecken, steht Tank an Tank, auf dem Boden schlängeln sich dutzende Schläuche. Anhand der kleinen Etiketten (Trollinger, Lemberger und weitere) erkennt man schnell, dass Rilling vorrangig württembergische Trauben verarbeitet, hinzu kommen, je nach Saison, Früchte aus Italien oder Frankreich. Das Fassungsvermögen aller Tanks liegt bei rund vier Millionen Litern. Die Gegendruckbehälter, mit deren Inhalt dann die Flaschen befüllt werden, fassen allein jeweils mehr als 50.000 Liter.

Natürlich machen sich Isin und Grimminger auch Gedanken um die Nutzung des Areals; für die produzierten Mengen ist das Gelände zu groß, entsprechend wurden bereits vor der Übernahme Flächen vermietet. „Wir haben Überlegungen, jedoch keinerlei Zeitdruck“, sagt Grimminger. Das Hauptgebäude stehe zudem ohnehin unter Denkmalschutz. Die verschiedenen Bereiche sollen „nach und nach“ saniert werden, erklärt Isin, aber erhalten bleiben. „Wir legen großen Wert auf unseren ökologischen Fußabdruck“, betont er. Abreißen und neu bauen, kommt nicht in Frage. Zunächst sind kleinere Maßnahmen geplant. Neben Künstlerateliers sind auch einige Wohngemeinschaften auf dem Areal zu Hause, dieses Flair soll das Quartier behalten. An Wert verlieren dürfte die Immobilie ohnehin nicht – nicht bei dieser Lage und Aussicht.

Wir glauben an das Unternehmen und wir glauben an die Marke.“

Cemal Isin, Aalener Unternehmer
Das Areal hat eine Gesamtfläche von 5700 Quadratmetern und liegt zentral in Bad Cannstatt.
Trio mit Aussicht (v.l.): Cemal Isin, Silke Arndt und Tobias Grimminger, die gemeinsam Rilling modernisieren wollen.

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