Weihnachtsgeschäft hellt die Lage auf

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Das Weihnachtsgeschäft sorgte dafür, dass die Handelsbetriebe ihre Situation wieder etwas besser einschätzen.

Konjunkturumfrage der IHK Ostwürttemberg zeigt aber: Nur ein Drittel der Betriebe in der Region macht "gute Geschäfte". Auf eine Verbesserung hoffen die wenigsten.

Heidenheim

Im Herbst 2022 haben über die Hälfte der befragten Betriebe Ostwürttembergs ihre aktuelle Lage mit „befriedigend“ (55 Prozent) bewertet, nur rund ein Drittel verzeichnete gute Geschäfte. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Ostwürttemberg hervor.

Auch die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monaten wurden in der im Herbst durchgeführten Umfrage zu einem großen Teil (59 Prozent) mit „gleichbleibend“ eingeschätzt, nur noch zwei Prozent der Unternehmen gingen von einer Verbesserung der Geschäftslage aus.

Die aktuellen Herausforderungen für die Wirtschaft in Ostwürttemberg seien vielfältig, so die IHK. Neben den hohen Energie- und Rohstoffpreisen seien  die weiterhin hohe Inflation sowie der verstärke Fachkräftemangel große Hemmnisse. Positiv zu bewerten sei, dass Handelsbetriebe der Region das Kundenverhalten trotz Inflation bereits im November wieder etwas positiver als noch im Frühsommer eingeschätzt haben. Eine ebenfalls erfreuliche Nachricht sei, dass die Umsätze bei 40 Prozent der Betriebe im Vergleich zum Vorjahresquartal in diesem Herbst gestiegen sind.  

„Auch wenn Richtung Jahresende wieder etwas Schwung in die Geschäfte kommt, dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass die zusätzlichen Erträge aufgrund der extremen Energiepreise und der Inflation in vielen Fällen schnell verpuffen. Was es deshalb braucht, sind politische Maßnahmen, die Wirkung erzielen und die Belastungen für die Wirtschaft abmildern“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler.

Ein Drittel der Unternehmen in Ostwürttemberg beschreibt die aktuelle Geschäftslage als gut (im Frühsommer 2022: 50 Prozent). Für 55 Prozent der Betriebe ist die aktuelle Lage „befriedigend“ (im Frühsommer 2022: 40 Prozent). Mit „schlecht“ bewerten 11 Prozent der Befragten ihre aktuelle Situation.

Das größte wirtschaftliche Risiko stellen laut den Befragten die Energie- und Rohstoffpreise dar (86 Prozent), mit etwas Abstand folgen Inlandsnachfrage und Fachkräftemangel (jeweils 56 Prozent). Auch die Wirtschaftspolitik wird von 36 Prozent der Unternehmen als Risiko bewertet.

Auch wenn der Fachkräftemangel aufgrund der Energiekrise etwas in den Hintergrund zu rücken scheine, treffe er die Betriebe in Ostwürttemberg mit voller Wucht. 60 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie offene Stellen derzeit nicht besetzen können, weil sie keine passenden Fachkräfte finden. Bei der Frage, für welches Qualifikationsniveau Arbeitskräfte gesucht werden, gibt die große Mehrheit an (75 Prozent), dass eine abgeschlossene Berufsausbildung gewünscht ist. Darauf folgen Personen mit Weiterbildungsabschluss (38 Prozent), mit Fachhochschul-Abschluss (30 Prozent), Ausbildungsanfängerinnen (28 Prozent) und Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung (24 Prozent). „In Zeiten des Fachkräftemangels müssen wir konsequent auf Zuwanderung aus dem Ausland setzen. Wichtig und richtig ist die Novellierung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG), das an einigen Stellen – etwa im Bereich der Zuwanderung von Auszubildenden – noch zu kurz greift, jedoch ein Schritt in die richtige Richtung ist. Die Eckpunkte des Gesetzes enthalten bereits viele Verbesserungen, wie zum Beispiel, dass künftig eine anerkannte Qualifikation zu jeder Beschäftigung in nicht-reglementierten Berufen berechtigen soll“, so Thilo Rentschler.

Im Vergleich zur vorherigen Umfrage sind die Investitionen im Bereich Umweltschutz/Energieeffizienz um 15 Prozent gestiegen. In allen anderen Bereichen außer dem Ersatzbedarf, sind sinkende Investitionen festzustellen. „Viele Unternehmen treten aufgrund der unsicheren Lage auf die Kostenbremse und sind zurückhaltend mit Investitionen. Sicherlich auch deshalb, weil sie in 2023 mit größeren Kosten für Investitionen im Bereich des Klimaschutzes rechnen“, erklärt der Hauptgeschäftsführer.

Weiter zeigt ein Blick auf die aktuelle Lage, dass die Umsätze gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal bei 41 Prozent der Betriebe Ostwürttembergs gestiegen sind (Frühsommer 2022: 48 Prozent). Bei etwas mehr als einem Drittel sind keine Änderungen zu verzeichnen. Genau wie im Frühsommer geben 24 Prozent an, dass die Umsätze gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal gefallen sind. Der Blick in die Zukunft ist deutlich getrübt. Nur noch knapp 11 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Umsätze (Frühsommer 2022: 27 Prozent). Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gehen von keiner Veränderung aus, während 34 Prozent schlechtere Umsätze erwarten (Frühsommer 2022: 24 Prozent).

Blick in die Branchen

Die Auslastung der Industrie ist weiterhin auf einem hohen Niveau. Genau wie zu Jahresbeginn 2022 sind 82 Prozent (Frühsommer: 87 Prozent) der Kapazitäten ausgelastet. Die aktuelle Geschäftslage bewerten 28 Prozent der Industriebetriebe mit „gut“, das sind knapp 30 Prozentpunkte weniger als noch im Frühsommer 2022. 65 Prozent der Unternehmen beschreiben die aktuelle Geschäftslage mit „befriedigend“.

31 Prozent der Handelsunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage mit „gut“, das ist etwas weniger als noch im Frühsommer. Trotzdem sinkt die Zahl der Betriebe, die das Kaufverhalten ihrer Kunden als zurückhaltend beurteilt um 19 Prozentpunkte. Knapp 30 Prozent geben an, dass das Kaufverhalten saisonüblich ist (Frühjahr 2022: 9,5 Prozent). Die Umfragewerte zeigen, dass sich das Kundenverhalten trotz der weiter angestiegenen Inflation etwas normalisiert hat. Wirtschaftsrisiko Nummer eins für den Handel sind die Energiepreise, dicht gefolgt vom Fachkräftemangel. Die Lageeinschätzung der Dienstleister ist im Vergleich zur vergangenen Konjunkturumfrage etwas gesunken, kann aber noch als stabil bezeichnet werden. Gaben im Frühsommer noch 45 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage mit „gut“ an, sind es im späten Herbst nur noch 40 Prozent. Das Auftragsvolumen ist im Vergleich zum Frühjahr weiter gesunken, die aktuelle Ertragslage wird jedoch als weitestgehend stabil eingeschätzt. Im Vergleich zu den anderen Branchen, werden die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise als ein geringeres Risiko betrachtet (65 Prozent). Die Verkehrsbranche in Ostwürttemberg holt auf. 61 Prozent der Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage mit „gut“ ein (vgl. Frühsommer 2022: 11 Prozent), knapp 30 Prozent beschreiben die aktuelle Lage mit „befriedigend“. Das spiegelt auch in den aktuellen Fracht- und Beförderungsauslastung wider. Die Betriebe sind zu 89 Prozent ausgelastet (vgl. Frühsommer 2022: 69 Prozent). Energie- und Rohstoffpreise (84 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (79 Prozent) sind die größten Risiken für die Branche.

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