Weihnachtsrally oder Corona-Crash? Aktienexperte sieht DAX bei 16 000 zum Jahreswechsel

+
Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs.

Aktienexperte Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, nimmt im Gespräch Stellung zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten.

Aalen

Herr Fischer, hinter uns allen liegt ein sehr turbulentes Jahr mit zahlreichen Ereignissen, die auch die Weltbörsen immens bewegt haben. Wie haben sie dieses Börsenjahr 2021 erlebt?

Herbert Fischer: Überraschend positiv. Bei der diesjährigen Kursentwicklung bis 06.12.2021 verzeichnen wir eine Wertsteigerung von 23,7 Prozent. Der Kursverlauf war sehr volatil, teilweise mit einer Übertreibung nach oben. Im November war unser Kurs sogar bei einem Plus von 30 Prozent.

Die COVID-19 Pandemie beherrscht weiter unsere Leben. Auch nach zwei Jahren voller Unsicherheiten scheinen sich die Weltbörsen nach einem anfänglichen Tiefenrausch erholt zu haben und nur ein Ziel zu kennen – immer weiter nach oben. Bleibt ein weiterer Corona-Crash aus?

Viele Unternehmen melden volle Auftragsbücher, die nicht abgearbeitet werden können, weil es an Rohstoffen fehlt und die Lieferketten noch nicht voll funktionieren. Christine Lagarde, die EZB-Chefin, verkündete am 28.10.21: „Zinserhöhungen stehen im Euroraum nicht annähernd in Aussicht“. Es fehlt an Alternativen zur Kapitalanlage in Aktien und das bei steigender Inflation. Das sind positive Aspekte für die Börse. Einen Corona-Crash sehe ich unter diesen Umständen nicht.

In Deutschland zeigte sich zuletzt der DAX unbeeindruckt vom Regierungswechsel um den neuen Bundeskanzler Olaf Scholz. Zusammen mit Grünen und FDP wollen die Sozialdemokraten auch den deutschen Sparer entlasten, zum Beispiel mit einem erhöhten Sparerpauschbetrag ab 2023. Was sagen Sie zum neuen Koalitionsvertrag?

Der Sparerpauschbetrag reduziert die Steuerpflicht bei Kapitaleinkünften, zum Beispiel die Abgeltungssteuer bei Kursgewinnen und Dividenden aus Aktien. Da die Mehrheit der Bevölkerung immer noch Erspartes auf Sparkonten bunkert, ist der Sparerpauschbetrag in Zeiten der Nullzinspolitik für den Sparer wirkungslos, aber eine billige Propaganda der Politik. Und der Koalitionsvertrag? In der Vergangenheit hat keine der neuen Regierungen voll die Wahlversprechen eingehalten. Mir fehlt der Optimismus dass es diesmal anders wird.

Zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts kommen erfreuliche Nachrichten aus den USA, denn der amerikanische Einzelhandelsverband erwartet einen neuen Rekordumsatz in diesem Jahr von 850 Milliarden US-Dollar, ein neuer Rekord. Sind das gute Anzeichen für eine Jahresschluss-Rally?

Steigende Einzelhandelsumsätze sind in den USA ein wichtiger Indikator für die Wirtschaft. Hinzu kommen zwei Schwerpunkte der neuen Wirtschafspolitik, Investitionen in Klimaschutz und Infrastruktur. Das sind positive Vorhaben mit einer Langzeitwirkung. Etwas Wasser in den Wein kommt von der US-Notenbank, welche die Ankäufe von Anleihen reduzieren möchte und über Zinserhöhungen nachdenkt. Ob es zu einer Rally ausreicht bleibt fraglich, aber zu einem positiven Ausklang dürfte es reichen.

Herr Fischer, wie jedes Jahr wollen wir von Ihnen wissen, wo sehen Sie den DAX am 31. Dezember dieses Jahres?

Bei der aktuellen Erholung könnten im DAX 16 000 Punkte erreicht werden.

Es fehlt an Alternativen zur Kapitalanlage in Aktien."

Herbert Fischer, Vorstand WAC

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare