Weisser Spulenkörper ist 100 Jahre alt

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Produktionsverantwortliche beim Anfahren einer vollautomatischen Anlage.
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In Neresheim werden seit Generationen die Kunststoffbauteile für Elektronik-Anwendungen hergestellt.

Neresheim

Klein wie ein Streichholzkopf können sie sein und 0,02 bis 10 Gramm leicht: Aber in den Spulenkörpern und Gehäusen made in Neresheim steckt so viel Knowhow, dass sie auf der ganzen Welt Verkaufsschlager sind. Die Kunststoffbauteile, die Weisser Spulenkörper als Katalogware oder kundenspezifische Produkte fertigt, sind unerlässliche Bestandteile von Sensoren, Magneten, Transformatoren, Relais und Motoren. Die Kunden von Weisser Spulenkörper kommen aus Bereichen wie Elektrotechnik, Energietechnik, Automobilindustrie, Industrieelektronik, Informationstechnik, Lichttechnik, Luftfahrt, Maschinenbau oder Medizintechnik.

In diesem Jahr feiert das Unternehmen mit 200 Beschäftigten und einzigem Standort in Neresheim 100-jähriges Bestehen. Bei aller Technologie sind die Menschen der entscheidende Faktor. Für den geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Alexander Starnecker ist Weisser Spulenkörper ein Familienunternehmen – im wahrsten Sinne des Wortes. „Der familiäre Fokus bestimmt unser tägliches Tun.“ 

Die Firmengeschichte ist eine Geschichte der prägenden Personen. Starneckers Urgroßvater Bruno Weisser gründete im April 1922 einen papierverarbeitenden Betrieb, der hauptsächlich Serviettentaschen herstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Unternehmerfamilie aus dem schlesischen Warmbrunn nach Westdeutschland fliehen. Die Urgroßmutter – so ist es Alexander Starnecker erzählt worden – entschied sich dafür, ins beengte Gepäck die Kundenkartei zu stopfen und dafür auf Familienerbstücke zu verzichten. Seinen Urgroßvater sieht der heutige Firmenchef als „ideenreichen Menschen, der Chancen entdeckt und aufgegriffen hat, einen richtigen Unternehmer eben“.

Nach Bruno Weissers Tod teilte sich das Unternehmen auf in die heutige Unternehmen Bruno Weisser Kunststoffverarbeitung und Weisser Spulenkörper. Die kleinen Bauteile waren damals übrigens noch aus lackiertem Papier. Der neue Chef hieß Siegfried Heinrich: Für seinen Enkel Alexander Starnecker war Heinrich ein „begnadeter Techniker“. Unter seiner Führung wurde das technische Aushängeschild, die Kontaktierung während des Spritzgussprozesses in den winzigen Spulenkörper einzubringen, entwickelt und zur Serienreife gebracht. Diese Technologie ist heute noch eine Basis des Unternehmenserfolgs.

Manfred Starnecker wurde 1991 Geschäftsführer und machte aus dem technischen Unternehmen einen professionellen Industriebetrieb unter Einsatz automatisierter Prozesse, moderner Technologien sowie einem unermüdlichen Einsatz  für Optimierungen in allen Bereichen. Weisser Spulenkörper fertigt seine Werkzeuge selbst und setzt auf optische sowie sensorische Prozessüberwachung. Sein Sohn Alexander Starnecker ist seit 1. Januar 2020 Geschäftsführer. Er hebt den hohen Stellenwert der Kooperation mit Kunden hervor. Manche individuellen Lösungen würden bis zu zwei Jahre lang gemeinsam mit den Kunden entwickelt. Etliche heutige Kunden hat bereits sein Großvater akquiriert. Hinzu kommen verstärkt Neukunden, die auf sichere Lieferketten und verlässliche Produkte made in Germany setzen.

Knapp 90 Präzisions-Spritzgussmaschinen sind in Neresheim im Einsatz. Seit vergangenem Jahr, verrät Technik-Leiter Eugen Braunger, setzt Weisser Spulenkörper zudem erfolgreich auf modernste Additive Fertigungsverfahren wie Hot Lithographie. Dies ist ein speziell entwickeltes 3D-Druck-Verfahren, welches äußerst präzise Bauteile mit einer hohen Temperaturbeständigkeit und beeindruckender Oberflächenqualität ermögliche. Das Unternehmen möchte die neuen Technologien mittelfristig zur hochautomatisierten Fertigung von Mittel- und Großserien einsetzen.

Standesgemäß gefeiert werden soll das Jubiläum am 16. Juli mit den Beschäftigten, ihren Verwandten und geladenen Gästen.

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