Weleda: Nachhaltigkeit statt Profit

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In Moldawien wird Lavendel von Hand für Weleda geerntet um daraus ätherisches Lavendelöl zu destilieren. In Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern wird der Anbau bis Ende 2021 auf biodynamische Landwirtschaft umgestellt.
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Ökonomie und Ökologie zu versöhnen ist das Ziel der Weleda. Ab 2025 will die AG 350 000 Tonnen CO2 einsparen – und trotzdem weiterwachsen.

Schwäbisch Gmünd

Runde 100 Jahre wird die Weleda AG in diesem Jahr alt. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz und großem Standort in Schwäbisch Gmünd nimmt dies nicht nur zum Anlass, um ein neues, grünes Logistikzentrum in der Region zu bauen. Die Firma will auch den nächsten Schritt auf dem Weg gehen, wirtschaftlichen Erfolg und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen und deshalb das Gemeinwohl über den eigenen Profit stellen. Dieses Ziel hat das Unternehmen bei einem „Dialog-Tag“ formuliert. So erklärte die AG, nun B-Corp-zertifiziert zu sein. Hinter dem Siegel verbirgt sich eine Bewegung von weltweit 4000 Firmen aus 70 Ländern, die „sinnstiftend wirtschaften“.

„B-Corp versucht, den Kulturwandel voranzutreiben“, erklärt Nataliya Yarmolenko, Mitglied der Geschäftsführung. „Das Siegel ist für uns das Tüpfelchen auf dem I unserer bisherigen Bemühungen.“ So hatte Weleda bereits bekannt gegeben, pro Jahr ein Prozent des Umsatzes in den Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität investieren. Im Rahmen von B-Corp formuliert das Unternehmen ehrgeizige Ziele: Ab dem Jahr 2025 sollen jährlich 350 000 Tonnen CO2 eingespart werden, nicht nur im Unternehmen selbst, sondern ebenso in den Lieferketten, von Mitarbeitern und selbst den Verbrauchern.

Ab diesem Jahr ist Weleda bereits in den Bereichen Gebäude, Produktion und Fuhrpark klimaneutral, wie Stefan Siemer, Leiter Nachhaltigkeit bei Weleda, erklärt: „Ab 2022 werden alle Weleda-Produkte klimaneutral.“ Damit meint die AG den „Unternehmens-Klimafußabdruck und alles, was für die Produkte gebraucht wird, etwa Transporte, Lieferkette, landwirtschaftliche Produktion der Rohstoffe, Verpackungen inklusive Herstellung und Entsorgung“. Das ergibt 100 000 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr, rechnet Siemer vor.

Zusätzlich hat die Weleda weitere Emissionen im Blick, etwa die der Mitarbeiter, der Verbraucher und selbst die des Staates: Denn der verursacht mit den eingenommenen Steuern und Abgaben selbst Emissionen. Deshalb lautet das Ziel bis 2025: den gesamten CO2-Fußabdruck um 350 000 Tonnen pro Jahr zu verringern – verglichen mit 2019. „Dazu braucht es ein klares Bekenntnis von Verwaltungsrat und Geschäftsführung“, erklärt Siemer. Mit dem Siegel B-Corp sei dieses bekräftigt werden.

Bereits jetzt werde der Standort in Arlesheim in der Schweiz komplett mit grüner Energie betrieben, der Standort in Gmünd, wo Weleda den Großteil seiner Produkte herstellt, soll im Lauf der kommenden Jahre folgen, der Anteil von Biogas zum Beispiel stetig steigen. Die grüne Weleda will dennoch weiterwachsen, wie Finanzchef Michael Brenner betont. „Eine schwarze Null reicht nicht aus. Wir wollen unabhängig bleiben und das Wachstum und unsere Ziele aus eigenen Mitteln finanzieren.“ Auch Yarmolenko betont: „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und zum Wirtschaftsleben gehört, Gewinn zu erzielen. Allerdings wollen wir diesen nicht maximieren. Wir brauchen aber den Profit, um den Purpose (den Zweck, Anm. d. Redaktion) zu leben.“

Weleda geht die ehrgeizigen Ziele aus einer finanziell guten Lage an. „Dem Unternehmen geht es gut“, sagt Brenner. Trotz des leichten Umsatzrückgangs im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent auf rund 424 Millionen Euro, gehe man von weiterem Wachstum aus. „Wir sind schuldenfrei, haben eine gute Eigenkapitalquote und sind daher finanziell resilient.“ Der Finanzchef macht deutlich, dass die Weleda weiter investieren wird. So werde man einen zweistelligen Millionenbetrag in die zuletzt kränkelnde Arzneimittelsparte investieren und zugleich die Infrastruktur ausbauen. Hier führt Brenner vor allem das neue Logistikzentrum auf dem Gmünder Gügling an.

B-Corp versucht, den Kulturwandel voranzutreiben.“

Nataliya Yarmolenko, Mitglied der Geschäftsführung

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