Weleda schließt Produktion in Frankreich

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Weleda-Standort in Huningue.
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Die roten Zahlen in der Arzneimittelsparte führen zu einem Arbeitsplatzabbau in Frankreich. Die Fertigung in Hüningen soll bereits im kommenden März eingestellt werden.

Schwäbisch Gmünd

Während das Geschäft mit Naturkosmetika seit Jahren wächst, schwächelt die Arzneimittelsparte hingegen seit geraumer Zeit. Die Nachfrage ist vor allem im so wichtigen französischen Markt eingebrochen. Grund: politische Entscheidung in Frankreich, nach der homöopathische Arzneimittel nicht mehr erstattet werden. Hinzu kam die Corona-Krise. Die weiter schwache Nachfrage führt nun dazu, dass die Weleda ihre Produktion am Standort Huningue im Elsass einstellen wird. Bis Ende März 2023 sollen 129 Stellen wegfallen.

„Wir haben die Entscheidung für diesen schweren Schritt nach reiflicher Überlegung getroffen, um unser Geschäft am französischen Markt neu auszurichten und zukunftsfähig zu machen,“ sagt Alois Mayer, Mitglied der Geschäftsleitung für die Bereiche Produktion und Logistik bei der Weleda-Gruppe. Das beschlossene Reorganisationsprojekt sei unerlässlich, um Weleda Frankreich wieder zu wirtschaftlichem Erfolg zu verhelfen. „Wir bedauern natürlich sehr, dass wir viele wertvolle Mitarbeitende gehen lassen müssen, die sich mit großem Einsatz und Engagement in unserem Unternehmen eingebracht haben“, so Mayer weiter. Der Stellenabbau erfolge so „sozialverträglich wie möglich“.

Bereits im Juli hatte die Weleda angekündigt, dass Vertreter und Vertreterinnen des Verwaltungsrats und der Geschäftsführung Gespräche zur „Reorganisation“ mit den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern am Standort aufgenommen haben. Das französische Recht sieht in diesem Zuge Informations- und Konsultationsverfahren vor, die meist mehrere Monate dauern. Im Anschluss wurde das Ergebnis der Gespräche der französischen Arbeitsbehörde mitgeteilt, die ihrerseits einige Wochen für die endgültige Entscheidung benötigte.

Am Ende steht nun also das Aus für die Produktion in Huningue. Weleda verweist auf einen drastischen Umsatzrückgang in dem einst so wichtigen Markt. So seien die Erlöse im Bereich Arzneimittel der Weleda in Frankreich über die vergangenen Jahre um 70 Prozent gesunken. Veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen wie der Wegfall der Erstattungsfähigkeit homöopathischer Arzneimittel in Frankreich haben die Marktbedingungen für Weleda vor Ort drastisch verändert, Ärzte verschrieben in der Folge immer weniger homöopathische Mittel.

Die Produktionsaktivitäten in Hüningen werden laut Weleda ab Februar 2023 auslaufen und bis Ende März 2023 eingestellt werden. „Die industrielle Arzneimittelproduktion in Europa würde Weleda dann, soweit möglich und sinnvoll, am Standort Deutschland konzentrieren“, heißt es weiter.

Nicht betroffen von den Sparplänen sind die anderen massiven Investitionen der Weleda. In Schwäbisch Gmünd bauen die Schweizer derzeit an einem neuen Logistikzentrum im Industriegebiet Gügling, das Maßstäbe in der Vereinbarkeit von Natur und Wirtschaft setzen soll sowie gleichzeitig die bislang aufs Stadtgebiet verteilten Logistikstandorte an einem zentralen zusammenführen soll. Die Anlage soll Anfang 2024 in Betrieb gehen. Bereits in diesem Jahr wird und wurde die Naturkosmetikproduktion in Arlesheim, dem Schweizer Stammsitz, ausgebaut.

Trotz des drastisch zurückgegangenen Geschäfts mit Arzneimitteln hatte sich die Weleda AG im vergangenen Jahr 2021 gut entwickelt. So legte der Umsatz auf 425 Millionen Euro zu. Während der Gesamtumsatz der Naturkosmetik im Vergleich zum Vorjahr um rund 3 Prozent zulegte, verringerte sich jener mit Arzneimitteln um 10 Prozent. Als operativen Gewinn wies die Weleda rund 13 Millionen Euro aus, nach 22 Millionen Euro im Vorjahr ein starker Rückgang, den Weleda aber nicht nur mit den „Herausforderungen in der Arzneimittelsparte“ begründet, sondern auch mit den umfangreichen Investitionen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen aktuell 2500 Menschen, rund 1000 davon am größten Standort in Schwäbisch Gmünd. Insgesamt ist die Weleda in 50 Ländern vertreten und betreibt weltweit 27 Gesellschaften.

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