Weleda: Stellenabbau in Frankreich droht

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Standort der Weleda in Huningue.
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In Frankreich ist das Geschäft mit Arzneimitteln drastisch eingebrochen. Die Schweizer AG zieht deshalb sogar die Schließung des Standorts im Elsass in Erwägung. 

Schwäbisch Gmünd. Bereits seit einigen Jahren steht die Arzneimittelsparte der Weleda AG unter starkem Druck, der Geschäftsbereich schreibt rote Zahlen. Besonders schwer traf das Unternehmen deshalb die politische Entscheidung in Frankreich, nach der homöopathische Arzneimittel nicht mehr erstattet werden. „Ein weiterer Faktor war die Corona-Krise, die sich ebenfalls auf das Geschäft ausgewirkt hat“, erklärt Tobias Jakob, Sprecher des Unternehmens. Aus diesen Gründen erwägt die Weleda nun einen drastischen Schritt: Wie das Unternehmen mitteilt, startet ein „Reorganisationsprojekt für das Pharmageschäft in Frankreich“. An dessen Ende könnte die Schließung der Produktion in Frankreich stehen. Betroffen wären davon 127 Stellen.

Wie das Schweizer Unternehmen mit großem Standort in Schwäbisch Gmünd erklärt, sei der Umsatz mit Arzneimitteln in Frankreich in den vergangenen vier Jahren um 70 Prozent zurückgegangen. Hauptgrund ist der „Wegfall der Erstattungsfähigkeit homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittel, die von der französischen Regierung beschlossen worden war“, wie die Firma schreibt. Das habe dazu geführt, dass Ärzte weniger homöopathische Medikamente verschrieben. Da sich zudem die Konsumenten mit dem Kauf zurückhielten hat laut Unternehmen zu einer „Situation geführt, in der das bisherige Geschäftsmodell grundlegend überarbeitet werden muss“. Weleda sieht sich „mit einer massiven Gefährdung der Geschäftsfähigkeit in Frankreich konfrontiert“. Der Standort in Huningue im Elsass könnte deshalb vor dem Aus stehen. „Es wurden bereits mehrere Versuche unternommen, den Standort wirtschaftlich aufzustellen“, so Jakob. Bislang allerdings ohne Erfolg.

Anfang Juli haben Vertreter des Verwaltungsrats und der Geschäftsführung deshalb Gespräche mit den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern am Standort aufgenommen. Weleda nennt dies „ein Projekt zur Reorganisation ihrer Aktivitäten im Geschäftsfeld Arzneimittel“. An dessen Ende könnte die Einstellung der Arzneimittelproduktion in Frankreich stehen. Entschieden ist aber noch nichts, wie Pressesprecher Jakob betont. „Nächste Woche startet das in Frankreich übliche Informations- und Konsultationsverfahren“, erklärt er. Dieses dauert drei Monate. Im Anschluss werde das Ergebnis der Gespräche den französischen Behörden mitgeteilt, die ihrerseits einige Wochen für die endgültige Entscheidung benötigen. „Ende Oktober, Anfang November dürfte dieser Prozess dann abgeschlossen sein“, erläutert der Pressesprecher. Stünde am Ende der Verhandlungen das Aus für die Produktion am Standort, droht der Abbau von 127 Stellen. In diesem Fall würde Weleda die Produktion in Deutschland konzentrieren. Welche Standorte dann den Zuschlag erhielten, teilte das Unternehmen nicht mir. „Wir wollen nicht spekulieren“, sagt Jakob, „vor allem aus Rücksicht gegenüber den betroffenen Kolleginnen und Kollegen, die am Montag über die beginnenden Gespräche informiert wurden.“

Trotz des drastisch zurückgegangenen Geschäfts mit Arzneimitteln hatte sich die Weleda AG 2021 gut entwickelt. So legte der Umsatz auf 425 Millionen Euro zu. Direkt betroffen war das Unternehmen zu Beginn des Jahres vom Ukraine-Krieg: Weleda unterhielt bis zum Kriegsausbruch sowohl Standorte in der Ukraine als auch in Russland.

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