Wir müssen uns ranmachen

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Erstmals im Jahr 2020 konnte die IHK-Vollversammlung in einer Präsenzveranstaltung bei der Arnulf Betzold GmbH in Ellwangen tagen.

Die IHK stellt erste Projekte des Zukunftsforums vor. Mit der Initiative soll die Wirtschaft in der Region nicht nur mit der aktuellen Krise fertig werden, sondern in die Zukunft geführt werden.

Ellwangen

Die IHK-Vollversammlung tagte im Juni corona-bedingt digital, nun traf sich das Wirtschaftsgremium bei der Ellwanger Betzold-Gruppe. Im Mittelpunkt: natürlich die Corona-Krise, die die Firmen in der Region beschäftigt.

IHK-Präsident Markus Maier zeigt sich trotz allem zuversichtlich: "Die Wirtschaft unserer Region war und ist schon immer flexibel, fleißig, schnell und pfiffig"; sie werde auch jetzt die Herausforderungen von Transformation, Corona und Digitalisierung meistern.

"Wir müssen uns ranmachen", erklärt Maier im Hinblick auf die äußerst angespannte Lage in vielen Branchen, besonders aber in der Industrie. Die Politik habe im Lockdown schnell gehandelt und Betrieben schnell und unbürokratisch finanzielle Hilfe zur Verfügung gestellt. Dies ändere aber nichts an der momentanen Verunsicherung: nach wie vor bestehe die Gefahr eines Lockdowns, Dispositionen von Kunden seien nach wie vor kaum planbar. Es fehle eine "auch nur einigermaßen verlässliche Perspektive". Um die Betriebe durch die Krise zu führen, hatte die IHK um Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle ein "Zukunftsforum" initiiert.

In Ellwangen stellte Eberle nun erste Maßnahmen des "Re-Start und Zukunft der Wirtschaftsregion Ostwürttemberg" vor. Dieses betrachtet in sechs Branchen die Hauptherausforderungen. Katrin Mager, Referentin Standort Ostwürttemberg, erläuterte drei konkrete Projekte aus dem Portfolio im Detail.

So gibt es eine neue, virtuelle Ausbildungsplatzmesse im Gaming-Charakter ein, die als erste Maßnahme umgesetzt wird. Eberle: "Gerade jetzt ist es immens wichtig, weiterhin junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern und sie zu motivieren, sich auch in diesem speziellen Jahr für einen Ausbildungsplatz zu bewerben." Schüler und alle Messebesucher können sich ab dem 22. September 2020 wie in einem Videospiel virtuell durch die Ausbildungsmesse Ostwürttemberg bewegen, sich an Messeständen von Unternehmen Informationen einholen und mit ihnen in Kontakt treten.

Die Wirtschaft war schon immer schnell, flexibel und pfiffig.

Markus Maier IHK-Präsident

Eine weitere Initiative richtet sich an Automotive-Zulieferer: Die IHK schnürt ein Infopaket für die Branche. Der Inhalt: ein ganzheitlicher Überblick über Trends, Herausforderungen und Handlungsfelder sowie Kernergebnisse aus relevanten Studien und Interviews mit regionalen Unternehmen. Zudem will die IHK Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten aufzeigen, um Lösungen für die individuellen Bedarfe der regionalen Firmen bieten zu können. "Neue Wege gehen wir auch bei der systematischen Generierung von Innovation und deren Umsetzung," erläutert Mager. Mit der Triz-Schulung oder dem Marktscout-Konzept eröffnen sich so den Firmen neue Tools des Technologie- und Wissenstransfers. Die dritte Maßnahme ist eine Jungunternehmen-Initiative, um die junge Wirtschaft zu fördern.

Für den Digitalisierungsausschuss der IHK Ostwürttemberg griff Michael Belko, Ausschussvorsitzender und Leiter Konzernfunktion IT der Carl Zeiss AG, das Stichwort auf: "Unsere Arbeit ist in vollem Gange." Belko stellte die im Zusammenhang mit der Pandemie umso wichtiger gewordene Arbeit des Ausschusses vor. So habe man neben der Erarbeitung einer Digitalen Agenda für Ostwürttemberg mit dem Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg digiZ ein Instrument geschaffen, um die Initiativen des Digitalisierungsausschusses operativ umzusetzen. Neben der Beratung zu akuten Digitalisierungsthemen der regionalen Unternehmen, läge dabei der Fokus auf dem Ausbau der digitalen Infrastruktur und der diesbezüglichen Politikberatung.

Über den Haufen geworfen hat Corona die Planungen der Wirtschaftsjunioren. Das Vakuum nutzten sie, um sich und ihre Formate zu digitalisieren. Alle zwei Wochen traf man sich virtuell und richtete einen eigenen Digitalisierungsausschuss ein.

Zum Abschluss stellte Ulrich Betzold, Vizepräsident der IHK Ostwürttemberg und Geschäftsführer der Betzold-Gruppe, sein Unternehmen vor. Was in den 1970er-Jahren als Spielwarengeschäft begann, wurde 2012 zum Produktionsunternehmen und ist heute eines der Beispiele für moderne E-Commerce-Unternehmen der Region. Bereits 1998 richtete Betzold seinen ersten Onlineshop ein – zwei Wochen, bevor Amazon nach Deutschland kam. 80 Prozent der Umsätze kommen aus dem Online-Handel. Und daher der Appell Betzolds: "Jetzt ist die Zeit um Kaufleute im E-Commerce auszubilden", betont er – und rührt damit auch die Werbetrommel für den neuen Ausbildungsberuf.

Weiterhin nominierte die IHK-Vollversammlung einstimmig die Arbeitgeber-Vertreter inklusive deren Stellvertreter für den IHK-Berufsbildungsausschuss. Als Arbeitgeber-Vertreter wurden nominiert: Rolf Abt, Maschinenfabrik Alfing Kessler, Thomas Dobstetter, Autohaus Bruno Widmann, Roman Janzen, Carl Zeiss AG, Erwin Krajewski, Voith, Hans Krauss, Mapal, Andreas Nebert, Bosch AS sowie als stellvertretende Mitglieder: Isabel Armbruster, Hartmann AG, Martin Bosch, Hotel Restaurant Linde, Carmen Fuchs, Kreissparkasse Ostalb, Tobias Humpf, TE Connectivity, Felix Kirst, C. E. Noerpel, Jenny Ziebart, RUD-Ketten.

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