Wirtschaft diskutiert Folgen des Ukraine-Kriegs

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Die Gasversorgung ist nach Meinung der Wirtschaft bis ins dritte Quartal gesichert, allerdings soll Energie als Folge des Krieges noch teurer werden.

Die Erdgasversorgung ist gesichert, aber Energie und Materialien werden immer teurer – Einige Firmen in der Region nehmen Flüchtlinge auf.

Heidenheim

Welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine hat und welche Hilfestellungen gegeben werden können, hat die IHK Ostwürttemberg in dieser Woche beim Onlineaustausch mit 20 Unternehmen aus Ostwürttemberg besprochen. Themen des Austausches waren laut IHK humanitäre Hilfen und Flüchtlinge, die Situation von Fachkräften sowie die Lieferketten und die Auswirkungen der Sanktionen.

Die Unternehmen aus Ostwürttemberg gaben eine Einschätzung zur aktuellen Lage sowie einen Ausblick im Ukraine-Krieg. IHK-Präsident Markus Maier sagte, „ohne Bürokratie gebündelt helfen“ sei in dieser Situation der richtige Weg. Er selbst sei auf dem Weg zu seinem ungarischen Werk, um vor Ort nachzufragen, welche Hilfe dort benötigt wird.

Humanitäres und Flüchtlinge

Die Unternehmer baten um gebündelte und gezielte Hilfe und zeigten auf, wo schon geholfen wird oder noch geholfen werden muss. Einige Firmen bieten alte Firmengebäude an, um darin Flüchtlinge aufzunehmen. In den grenznahen Niederlassungen der ostwürttembergischen Unternehmen werde direkte Hilfe erörtert und angeboten. Auch hier sei eine Bündelung erstrebenswert.

Größere Firmen hätten bereits finanziell unterstützt, würden aber auch weiterhin Unterstützung leisten, wo Hilfe notwendig sei.

Lieferketten und Auswirkungen von Sanktionen

Durch den Ausschluss der sechs größten Russland-Banken aus dem Swift-System werde mit Zeitversatz damit gerechnet, dass das Russland-Geschäft zum Erliegen komme. Produktionsstillstände bei Automobilherstellern könnten starke Auswirkungen auf die Automobilzulieferer haben. Die Papier- und Kartonproduktion sei stark durch die Energiepreise betroffen, insbesondere werde auch der Zellstoff weiter verknappt. Russland und die Ukraine sind wichtige Zellstofflieferanten für die Kartonagenherstellung. Rohstoffmangel habe hier schon vor dem Krieg geherrscht: Die Situation werde sich noch verschärfen. „Die Preise der Materialien und der Energie werden stark steigen, und somit werden auch die Preise der Produkte stark steigen“, so die IHK.

Fachkräfte

Firmen mit ukrainischen Beschäftigten im In- und Ausland haben laut IHK momentan keine Probleme mit einem Abzug der Fachkräfte. Zudem  seien sie bereit, Flüchtlinge als Arbeitnehmer aufzunehmen.

Energieversorgung

Ein Energieunternehmer gab Einblick in die Gasversorgung. Kurzfristig könne davon ausgegangen werden, dass die Gasversorgung ausgeglichen und stabilisiert werden könne. Bis zum dritten Quartal werde es zu keinen Problemen kommen, auch nicht bei einer Abschaltung durch Russland. Es sei ein Krisenstab mit der Bundesregierung und den Stromversorgern gebildet worden. Als alternative Kohlemärkte werden Kolumbien und Südafrika gesehen. Der Bezug aus diesen Ländern werde Preise aber weiter steigen lassen. „Die Energiepreise werden deutlich steigen“, zieht die IHK ein Fazit. Das bedeute auch einen enormen Druck auf den Ausbau der erneuerbaren Energien samt Netzausbau. „Energieversorgung ist zu einer Frage der nationalen Sicherheit geworden“, so die Kammer.

IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler sagte: „Unsere ansonsten robuste Volkswirtschaft wird unter Druck gesetzt. Wir müssen uns auf neue Herausforderungen einstellen.“ Umso wichtiger sei auch die Arbeit an der Zukunftsoffensive Ostwürttemberg, um die Themen „Infrastruktur, Mobilität & Energiewende“ und „Beschäftigung & Qualifizierung“ sowie „Standortmarketing & Standortentwicklung“ weiter voran zu bringen.

Die IHK Ostwürttemberg hat zur Bündelung der Aktivitäten eine interne Task-Force gebildet, um die Unternehmen in Ostwürttemberg zu unterstützen.

  • Informationen zu Hilfsprogrammen und der aktuellen Situation im Ukraine-Krieg gibt es auch unter www.ostwuerttemberg.ihk.de/russlandukraine. Ein nächster Austausch wird kommende Woche stattfinden. Interessierte können sich per E-Mail online@ostwuerttemberg.ihk.de zum Online-Austausch anmelden.

„Wir müssen uns auf neue Herausforderungen einstellen.“

Thilo Rentschler, IHK Ostwürttemberg

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