ZEI-Tec legt auf SHW-Areal los

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Der Standort von ZEI-Tec auf dem SHW-Areal in Wasseralfingen.

Die Finanzierung des Start-ups steht. Der Umbau der Produktionshallen auf dem SHW-Areal in Wasseralfingen sollen noch in diesem Jahr beginnen. 120 neue Arbeitsplätze sollen bis 2023 entstehen.

Aalen

Dr. Bertram Ehmann atmet auf: „Die Finanzierung steht endlich!“ Der Geschäftsführer der ZEI-Tec GmbH ist mit Leib und Seele Ingenieur, bürokratische Papierarbeit ist nicht unbedingt sein Ding. Deshalb ist Bertram Ehmann erfreut, „dass uns Vorstandsvorsitzender Markus Frei von der Kreissparkasse Ostalb vorausschauend und ergebnisorientiert durch die Prozesse der Hausbankdarlehen, Landesbürgschaft, Mittelständischen Beteiligungen und privaten Kapitalgebern erfolgreich begleitet und geführt hat“.

Auf gut 35 Millionen Euro, davon 7,4 Millionen Euro aus Fördermitteln des Innovationsprogramms des Bundesumweltministeriums, beläuft sich das Finanzvolumen der jungen Firma, die in die Büro- und Produktionshallen der ehemaligen SHW Casting Technologies GmbH (Gießerei) in Wasseralfingen eingezogen ist. ZEI-Tec wird dort, wo im Jahr 1671 der erste Hochofen der ehemals königlichen Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) in Betrieb ging, eine innovative Produktionsanlage für neuartige und höchst effiziente weichmagnetische Eisenkerne für Transformatoren in Stromnetzen, Generatoren und E-Motoren errichten.

Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vom Bundesumweltministerium sprach bei der Übergabe des Bewilligungsbescheids im Juli von einem „Leuchtturmprojekt für die Energieinfrastruktur mit Strahlkraft weit über die Region hinaus, da es Energie und wertvolle Ressourcen einspart. Diese in Europa einzigartige Technologie leiste einen Beitrag zum Ausbau der Stromnetze, für erneuerbare Energien, erhöhe die Reichweite von E-Fahrzeugen und trägt durch Emissionsvermeidung von Millionen Tonnen CO2 zum Erreichen der Klimaziele bei, lobte Schwarzelühr-Sutter.

In den Stromnetzen Europas werden aktuell Transformatoren mit einem Kern aus Elektroblech eingesetzt. Die Herstellung und der Betrieb von Elektroblechkernen ist mit hohem Energie- und Materialverbrauch verbunden. Mit den neuen ZEI-Tec-Folien wird der Energieverlust reduziert, etwa um den Faktor 10. Das Herzstück der Anlage ist eine Gießanlage für die Folien, die in etwa so dick sind wie ein halbes Haar. Pro Jahr will ZEI-Tec rund 250 Millionen Meter produzieren.

Die notwendigen Qualitäts- und Präzisionsziele der aufwendigen Produktion der zigtausend hauchdünn gegossenen Folien erfordern den Anlagenbetrieb im Reinraum. Ein weichmagnetischer Eisenkern für einen Durchschnittstrafo wiegt rund 700 Kilogramm. „Deshalb beginnen wir jetzt umgehend mit dem Um- und Ausbau der Produktionshallen auf dem SHW-Gelände, die Pläne dafür liegen bereits vor“, berichtet Bertram Ehmann, „auch die Fertigung unserer insgesamt rund 24 Millionen Euro teuren technischen Anlagen wurden bereits teilweise vergeben.“

Bis Ende 2022 sollen erste Produktmuster an Anwender der Energieversorgung geliefert werden. Ende 2023 sei der industrielle Produktionsstart geplant, blickt Ehmann voraus. Bis dahin sollen rund 120 qualifizierte Mitarbeitende eingestellt werden. Derzeit beschäftigt ZEI-Tec 10 Fachkräfte im technischen Bereich. Im Laufe des Jahres 2022 soll diese Zahl auf 40 bis 50 steigen. Gesucht werden Anlagenbauer, Techniker und Mechaniker. Sorgen um Kunden muss sich Ehmann nur in einer Beziehung machen: „Die großen Energieversorger wie E.ON, EWE Netze oder Netze BW GmbH drängen uns immer mehr zum Produktionsstart. Sie benötigen dringend diese Technologien.“

„Eingesetzt werden die amorphen ZEI-Tec-Folien in Transformatoren zur Stromverteilung, in Generatoren und auch Elektro-Fahrzeugen, deren Reichweite sich dadurch um 15 Prozent erhöht.“ Ehmann hat deshalb weitere Einsatzmöglichkeiten längst im Hinterkopf, weil es konkrete Anfragen aus der Wissenschaft und der Industrie gibt. „Induktive Energieübertragung beispielsweise aus der Fahrbahn in das fahrende Auto.“ Die Marktgröße in Europa betrage mehrere 100.000 Tonnen pro Jahr. Der ZEI-Tec-Chef weiß um den wesentlichen Vorteil seiner Technologie: „Energieerzeuger müssen dank unserer Hochleistungsfolie weniger Energie erzeugen. Das ist nach dem Ausstieg aus der Atomkraft und dem Abbau der Kohlekraftwerke evident, weil erneuerbare Energien allgemein volatil, also schlecht planbar sind."

Die großen Energieversorger drängen uns immer mehr zum Produktionsstart.“

Dr. Bertram Ehmann, Gründer und Geschäftsführer ZEI-Tec
Gründer und Geschäftsführer Dr. Bertram Ehmann.

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