Zeiss ist auf Wachstum fokussiert

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Der Optikkonzern Zeiss wächst in allen Sparten und hat weiteres Wachstum im Blick.
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Bilanz: Optikkonzern legt in allen Sparten zu - Jetzt 11.000 Zeissianer auf der Ostalb - Alleine in Deutschland sind 2000 offene Stellen zu besetzen.

Oberkochen

Mehr als 11.000 Menschen auf der Ostalb arbeiten für Zeiss - 1300 mehr als noch vor einem Jahr. Der internationale Optikkonzern mit Sitz in Oberkochen ist voll und ganz auf Wachstum ausgerichtet: Das zeigen nicht nur spektakuläre Projekte wie der angekündigte Neubau für 2000 Beschäftigte in Aalen-Ebnat, sondern auch ein Rekordumsatz von 8,8 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Jetzt hat der Konzern, der die Welt mit Linsen, Objektiven und Halbleitertechnologie, Mikroskopen, Messgeräten und Medizintechnik versorgt, rekordverdächtige Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert - zum wiederholten Mal.

Das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2021 bis zum 30. September 2022 - in diesem Zeitraum rechnet Zeiss - betrachtet Vorstandschef Dr. Karl Lamprecht als "erneut sehr erfolgreich", trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Herausforderungen. Die Zahlen geben ihm Recht: Der Umsatz stieg um 1, 3 Milliarden Euro beziehungsweise 16 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Erstmals überhaupt ist damit die Acht-Milliarden-Euro-Marke geknackt.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erreichte mit 1,6 Milliarden Euro ebenfalls einen neuen Höchststand (Vorjahr: 1,5 Milliarden Euro). Sogar um 19 Prozent stieg der Auftragseingang in der Zeiss-Gruppe, der nun bei 10,7 Milliarden Euro lag. "Wir müssen uns auf weiteres Wachstum vorbereiten", machte Lamprecht deutlich.

90 Prozent seines Umsatzes generiert Zeiss außerhalb Deutschlands. Dennoch setzt der Konzern, der im Eigentum einer Stiftung ist, stark auf den Heimatstandort. "Wir schaffen es als innovative Firma mit globaler Aufstellung, auch in Deutschland neue Stellen zu schaffen", betont Lamprecht. Von 3500 Stellen, die im vergangenen Jahr weltweit neu geschaffen wurden, entfiel mehr als die Hälfte auf Deutschland. 38.770Zeissianer sind es aktuell weltweit, davon 11.000 auf der Ostalb und 2700 in Jena. Weltweit sind derzeit 3000 Stellen offen, in Deutschland 2000. Alle Beschäftigten im Inland erhalten, so verkündete es der Vorstandschef, dieses Jahr eine Erfolgsprämie von bis zu 3800 Euro.

Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich verzeichnet Zeiss in allen vier Sparten: Der Bereich Halbleiterfertigung (SMT) wächst um 20 Prozent auf 2,757 Milliarden Euro. "Die Kundennachfrage ist derzeit extrem hoch", sagt Lamprecht über die EUV- und DUV-Lithographiesysteme, die bei der Produktion von Mikrochips zum Einsatz kommen. Gemeinsam mit dem strategischen Partner ASML arbeite man bereits an der nächsten EUV-Lithographie-Generation "EUV High-NA", die noch höhere Rechenleistung auf weniger Raum bei geringerem Stromverbrauch ermöglichen soll.

Im Bereich Industrial Quality & Research (+15 Prozent auf 2,066 Milliarden), der industrielle Messtechnik und Mikroskopie umfasst, profitiere man von hohen Investitionen der Automobilindustrie in alternative Antriebstechnologien. Die Mikroskopentwickler von Zeiss haben für ihr "Lattice Lightsheet 7", mit dem lebende Zellen erstmals über einen längeren Zeitraum in3D betrachtet werden können, den DeutschenZukunftspreis 2022 erhalten.

Die Sparte Medizintechnik wuchs um 15 Prozent und erreichte 2,251 Milliarden Umsatz. Lamprecht stellte unter anderem Technologien zur Operation des Grauen Stars vor. Mit Zukäufen von spezialisierten Firmen - etwa im Bereich der Robotik - stelle man sicher, Anbieter für komplette Workflows, also etwa die gesamten Operation, zu sein. Die aktuelle Lieferkettenproblematik schlage im Bereich Medizintechnik besonders durch: "Wir können die Geräte nur genau so bauen, wie sie zugelassen sind", so Lamprecht.

Der Bereich "Consumer Markets" umfasst unter anderem Brillengläser und Ferngläser - hier gab es laut Lamprecht vor allem in Asien und Lateinamerika starkes Wachstum. Der Umsatz betrug 1,569 Milliarden Euro (+13 Prozent).

Wachstum heißt bei Zeiss immer auch mehr Geld für Forschung und Entwicklung. 1,151 Milliarden Euro wurden hier investiert. Das sind 13 Prozent vom Umsatz, wie Zeiss-Finanzchef Dr. Christian Müller ausführte: Der Konzern meldet pro Werktag durchschnittlich mehr als zwei Patente an. 5000 Zeiss-Jobs gehören in den Bereich Forschung und Entwicklung, 750 Personen wurden hier in einem Jahr neu eingestellt.

Aber es wird auch ganz real gebaut, wie Müller weiter darlegt: Über die nächsten fünf Jahre verteilt investiert der Konzern zwei Milliarden Euro in die Infrastruktur, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Es profitieren das Südwerk in Oberkochen, ein neuer Campus in Jena, ein großes Campusprojekt in Indien, bald aber auch Aalen-Ebnat. 2000 Beschäftigte der Sparte Industrial Quality & Research sollen im neuen Gewerbepark ein Unterkommen finden. "Die Planungen sind noch am Anfang", so Müller: "Wir setzen aber darauf, dass es schnell in die Gänge kommt."

Weil das Wachstum nicht spurlos am Unternehmen selbst vorbeigeht, hat Zeiss zum 1. Juli den Vorstand um die neue "Chief Transformation Officer (CTO)" Susan-Stefanie Breitkopf erweitert. Zu ihren Verantwortungsbereichen gehören unter anderem Personalentwicklung und digitale Infrastruktur.

Das Eigenkapital stieg im Vergleich zum Geschäftsjahresabschluss 2020/21 um 30,6  Prozent auf 7,173 Milliarden Euro (30. September 2021: 5,494 Milliarden Euro), was einer Eigenkapitalquote von 55 Prozent entspricht (Vorjahr: 52 Prozent).  "Wir haben genug Ideen, damit wir die Zukunft gestalten können", so Karl Lamprecht, der sich in seinem Ausblick verhalten optimistisch gab: "„Wir beobachten die Entwicklungen und damit verbundenen Risiken sehr aufmerksam und bereiten uns bestmöglich vor, um auf neue Situationen und Herausforderungen schnell und zielführend reagieren zu können. Die Geschäftsentwicklung der Zeiss-Gruppe für das Geschäftsjahr 2022/23 beurteilen wir nach wie vor positiv."

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