Zeiss will bis 2025 klimaneutral sein

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Zeiss-Zentrale in Oberkochen
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Der größte Arbeitgeber der Region schafft weiter hunderte Jobs, vor allem in der Chip-Sparte. Doch auch die restlichen Konzernbereiche haben die Covid-Krise größtenteils hinter sich gelassen.

Oberkochen.

Der Zeiss-Konzern ist zurück auf seinem Wachstumskurs. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres ist der Umsatz der Oberkochener um sechs Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gestiegen. Der operative Gewinn legt sogar um rund 20 Prozent auf 591 Millionen Euro zu.

Vor allem die noch im vergangenen Jahr unter der Covid-Pandemie leidenden Medizin- und Konsumentensparte haben sich in den ersten beiden Quartalen gut entwickelt. „Wir haben uns dank des breiten Portfolios, der globalen Aufstellung und auch durch den hohen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut durch die Covid-19-Pandemie manövriert“, sagt Dr. Karl Lamprecht, Vorstandsvorsitzender von Zeiss.

Der Zeiss-Chef führt den Erfolg vor allem auf die großen Investitionen zurück. Allein im ersten Halbjahr hat Zeiss rund 425 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Das entspricht zwölf Prozent des Umsatzes. „Unsere globale Investitionsstrategie und die hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung über viele Jahre hinweg zahlen sich aus. Diese Investitionen werden wir auch konsequent fortsetzen“, erklärt Lamprecht. Die Zahl der Mitarbeiter steigt ebenfalls weiter. Allein in den vergangenen zwölf Monaten legte die Zahl der Beschäftigten um acht Prozent auf nunmehr rund 34 000 zu. Derweil haben sich die vier Konzernbereiche unterschiedlich entwickelt.

Die Chip-Sparte. Hier profitiert Zeiss weiter von der hohen, weltweiten Nachfrage nach Halbleitern. Die Sparte Semiconductor Manufacturing Technology (SMT), die die optischen Systeme für die Chipherstellungsanlagen produziert, hat ihren Umsatz um ein Prozent auf 913 Millionen Euro gesteigert. Sowohl die Nachfrage nach den weltweit einzigartigen EUV-Systemen als auch nach klassischen LUV-Systemen sei weiter hoch. Dank EUV-Systemen sind Chipstrukturen möglich, die 5000 Mal dünner als ein menschliches Haar sind. Globale Trends wie 5G, Künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge treiben die Nachfrage. Die EUV-Systeme werden am Zeiss-Standort im Interkommunalen Gewerbegebiet Oberkochen/Königsbronn hergestellt, in den Zeiss in den vergangenen Jahren hunderte von Millionen Euro investiert hat und der weiter ausgebaut wird. Allein die SMT hat in den zurückliegenden zwölf Monaten 450 Arbeitsplätze geschaffen, im zweiten Halbjahr sollen 300 folgen, fast ausschließlich am Standort.

Die Messtechnik- und Mikroskopie-Sparte. Das Geschäft mit der Messtechnik litt im vergangenen Jahr vor allem unter der Pandemie sowie der Krise der Automobilindustrie und deren Struktur- und Technologiewandel. Der Umsatz sank auch in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres leicht um ein Prozent auf 853 Millionen Euro. Das Geschäft mit Mikroskopielösungen wuchs laut Zeiss hingegen währungsbereinigt im zweistelligen Prozentbereich. Laut Zeiss bieten sich Wachstumschancen für beide Geschäftsfelder im Bereich der Elektromobilität, denn: Mikroskopie- und Qualitätssicherungslösungen kommen sowohl in der Batterieforschung als auch in der Qualitätssicherung in der Batterieherstellung zum Einsatz.

Die Medizintechnik-Sparte. Dieser Geschäftsbereich hat sich erholt, die Auswirkungen der Pandemie werden schwächer. Gleichzeitig sorgen die Beschränkungen dafür, dass die Sparte weniger für Vertrieb und Marketing ausgibt. Das Ergebnis: Der Gewinn steigt schneller als der Umsatz, der um zehn Prozent auf 920 Millionen Euro zulegt.

Die Konsumenten-Sparte. Hierunter fällt etwa die „Vision Care“, die am Standort Aalen Brillengläser fertigt. Die Fabrik litt im vergangenen Jahren vor allem unter den weltweiten Lockdowns. Entsprechend stark fiel nun die Erholung aus. Der Umsatz des Bereichs steigt um 18 Prozent auf 681 Millionen Euro.

Nachhaltigkeit. Bereits angekündigt hat Zeiss, bis ins Jahr 2022 die eigene Energie komplett aus Grünstrom zu beziehen. Nun legt der Konzern nach: „Bis 2025 soll Zeiss CO2-neutral in den eigenen Tätigkeiten weltweit werden“, erklärt Finanzchef Dr. Christian Müller. „Unser Ziel ist es, nachhaltiges Handeln in der gesamten Organisation zu verankern, messbar zu machen und weiterzuentwickeln.“

Unsere globale Investitionsstrategie zahlt sich aus.“

Dr. Karl Lamprecht, Vorstandschef Zeiss

90 Prozent des Umsatzes erzielt Zeiss im Ausland

Vor allem inAsien und den nordamerikanischen Märkten laufen die Geschäfte von Zeiss wieder rund. Auch in Europa und dem Mittleren Osten sei „ein leichtes Wachstum erkennbar“ gewesen, so das Unternehmen.

Auf der hohen Kante hat Zeiss weiter reichlich Geld. So beträgt das Eigenkapital mehr als 4,8 Milliarden Euro, ein Plus von 13 Prozent innerhalb der vergangenen sechs Monaten. Die Nettoliquidität liegt bei 1,8 Milliarden Euro.

Jubiläumsjahr In diesem Jahr wird der Zeiss-Konzern 175 Jahre alt. Die Firma geht von einem weiter steigenden Umsatz aus. „Wir sind für die zweite Geschäftsjahreshälfte optimistisch“, so Zeiss-Chef Dr. Karl Lamprecht.

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